Waltraud Wolf

Der kleine Langenenslinger Teilort Dürrenwaldstetten hat mit dem barocken Pfarrhaus ein wahres Juwel, sagt seine Bewohnerin Alexandra Kohn. Deshalb soll am Sonntag, 15. September, nicht nur zum Pfarrgarten-Fest eingeladen, sondern auch Einblick in die Räume geschenkt werden. Sie selber will um 14 Uhr eine Führung anbieten, geöffnet ist es ab 13.30 Uhr.

Nach seiner Erbauung in den Jahren 1781/82 durch Abt Nikolaus Schmidler – zeitgleich mit der heutigen Kirche – diente es bis zur Säkularisation 1803 den Zwiefalter Äbten als Sommerresidenz. Abt Nikolaus Schmidler zuzuordnen ist auch die Sandsteintafel über dem Eingang mit der Mitra in der Mitte, Maria mit dem Kind und Wappen. Mittelalterliche Reste weisen auf einen Vorgängerbau hin. Das Gebäude ist heute noch imposant.

Nach dem Auszug des letzten Dürrenwaldstetter Pfarrers Matthias Speck stand die Wohnung zunächst leer, bis Alexandra Kohn ihr Herz an das Haus verlor. 2017 zog die Innenarchitektin als Mieterin ein. Ihr hat es vor allem das barocke Treppenhaus mit dem gedrechselten Geländer angetan. Geht man die Stufen nach oben, fällt der Blick auf einen üppigen Barockschrank. Verborgen bleibt das geschmiedete Schloss.

1952/53 und 1970 wurde das Haus renoviert. Reste einer Bemalung mit gelben Ornamenten auf einer Seite führten zur Wiederherstellung der Bemalung des Pfarrhauses, so wie es sich heute darstellt. Vermutlich 1832 abgebrochen wurde ein gedeckter Gang zwischen Pfarrhaus und Kirche, der dem Geistlichen den direkten Zutritt zur Kirche ermöglichte.

Im Erdgeschoss sind die beiden Räume, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Im Versammlungsraum der Kirchengemeinde verdient ein Ölgemälde besondere Aufmerksamkeit. Es trägt zwei Jahreszahlen 1642 und 1729 und zeigt einen Angriff, vor dem sich der Pfarrer in einer Nische verborgen hält. Das Interessante daran: Es zeigt die gotische Vorgängerkirche und wohl auch das frühere Pfarrhaus. Während der frühgotische Wehrturm und die hohe Wehrmauer stehen geblieben sind, hat die Kirche im 18. Jahrhundert ein klassizistisches Rechteckschiff mit einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen Chor erhalten. Ausgemalt hat die Kirche Januarius Zick, der auch die Stuckarbeiten gestaltete. Noch heute in Gebrauch ist ein Messkelch des Benediktinerklosters Zwiefalten, der von einem mutigen Pater zurückgefordert wurde, als er nach der Säkularisation nach Stuttgart gebracht werden sollte.

Für die Dürrenwaldstetter besonders bedeutsam sind die drei großen Deckenbilder von Januarius Zick mit Ereignissen aus der Weihnachtsgeschichte. Denn gerade an Weihnachten wird die Kirche zum Anziehungspunkt für viele Gäste, wird doch seit 2004 in der Kirche eine Krippe der sizilianischen Künstlerin Angela Tripi gezeigt. Um sie kümmern sich die Krippenfreunde. Sie sind allerdings nicht nur an Weihnachten aktiv, sondern führen auch am Sonntag um 15 Uhr durch die Kirche Sankt Jakobus Major.

Wichtig ist Alexandra Kohn und allen Organisatoren außerdem nach dem gelungenen Start 2018 die Begegnung im Pfarrgarten, der an diesem Tag nicht nur den gut 100 Dürrenwaldstettern offen steht, sondern auch vielen Gästen von außerhalb. Kredenzt werden Schupfnudeln, Most und andere regionale Getränke.

Für die musikalische Unterhaltung sorgt Steffen Klein-Hellstern mit Akkordeon und Geige. Sie selber präsentiert am Sonntag im Pfarrhaus das Ergebnis ihres intuitiven Malens. In einer kleinen Ausstellung zeigt sie dazu Bilder. Ihre Passion dabei ist, zu experimentieren, mit Farbe zu spielen, Bewegungen fließen zu lassen.

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