Ein Haus für eine lebendige Gemeinde

Lesedauer: 6 Min
Kurt Zieger

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung ist das grundlegend sanierte und renovierte Andelfinger Pfarrhaus seiner neuen Bestimmung übergeben worden. Diakon Klaus-Jürgen Kauß wird mit seiner Familie im Obergeschoss das Haus mit Leben füllen, im unteren Stock ist ein Gemeindesaal. Gottesdienst und Weihe des Hauses prägten den Tag.

„Heute ist ein historischer Tag für Andelfingen“, stellte Pfarrer Klaus Sanke in seinem Grußwort fest. Andelfinger Gebäude seien stets mit einer beachtenswerten Geschichte verbunden. Der Schlussstein im Turm der Kirche weise die Zahl 1487 auf, das Pfarrhaus datiere aus dem Jahr 1591, sagte Sanke im Beisein von Bürgermeister Andreas Schneider und Ortsvorsteher Edgar Springer.

Anno 1837 habe Dekan Schöninger konstatiert: Das Pfarrhaus liege in der Tiefe, die Aussicht sei nicht die beste, die Lage nicht die angenehmste und der Gesundheit nicht zuträglich. Das Pfarrhaus sei so feucht, dass man 1871 „mit höchster Sparsamkeit“ eine Aufstockung vollzogen habe. „Bis 1999 haben 30 Pfarrer bis hin zu Pfarrer Josef Aierstock in diesem Haus gewohnt“, betonte Sanke. Durch die Bereitschaft von Diakon Kauß, seinen Wohnsitz hier zu nehmen, erhielt das Pfarrhaus eine neue Perspektive.

Das Hochbauamt konnte überzeugt werden, das Pfarrhaus an die Diözese abzulösen, sodass durch deren Hilfe im unteren Bereich Gemeinderäume eingerichtet werden konnten. Großes Lob zollte Sanke dem Architekturbüro Vogel in Langenenslingen, allen Handwerkern und Karl Lutz vom Kirchengemeinderat Andelfingen, der an vielen Stellen mit seiner Hilfe stets auch spontan zur Stelle war.

An diese Ausführungen knüpfte Architekt Guido Vogel in seinem Grußwort zur Schlüsselübergabe in der Kirche an. Bisher gehörten Kirche und Pfarrscheune der Kirchengemeinde, das dazwischenliegende Pfarrhaus jedoch war Eigentum des Landes. Nun wurde nach vielen Verhandlungen das Pfarrhaus der Kirchengemeinde übereignet und für die Renovation ein Zuschuss gewährt. Auch die Diözese beteiligt sich, den beträchtlichen Rest muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen.

Kurze Bauzeit

Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde grunderneuert: Dach und Fassade saniert, neue Außentüren, Fenster und Fensterläden eingebaut. Die Haustechnik und die Sanitärausstattung wurden komplett erneuert. Um den Saal im ersten Stock vergrößern zu können, wurde zwischen Saal und Flur eine mobile Trennwand eingebaut. „Da wir auf dem Bau zurzeit alle überlastet sind, bin ich froh und dankbar, dass wir die vorgesehene sehr kurze Bauzeit einhalten konnten“, betonte Vogel. Auch die geplanten Baukosten von 699 000 Euro sollten eingehalten werden können.

Begonnen haben die Feierlichkeiten zur Einweihung des Pfarrhauses mit einem festlichen Gottesdienst. Ein Bläserquintett des Musikvereins Andelfingen intonierte einen Bach-Choral von der Orgelempore aus. Der Gesangverein Concordia Andelfingen mit Elmar Springer übernahm vom Altarraum aus Teile der Liturgie, beide Vereinigungen begleiteten die Gesänge der Gemeinde aus dem Gotteslob.

Pfarrer Sanke, der in der Liturgie von Diakon Kauß unterstützt wurde, betonte in der Predigt, dass Kirche und Gemeindezentrum nun eine Einheit bilden: „Ich denke, dass damit etwas Gutes für die Zukunft geschaffen worden ist.“ Jede Gemeinde benötige Räume als Treffpunkte – so wie nun im renovierten Pfarrhaus. „Wir wünschen uns, dass viele unterschiedliche Gruppen sich im neuen Gemeindesaal begegnen und austauschen“, so Sanke. Es liege nun an der Gemeinde vor Ort, die Räume für eine lebendige Kirchengemeinde mit Leben zu erfüllen.

Einen sichtbaren Schritt in diese Richtung machte eine Gruppe der Landjugend um Manuela Rieger, die ein großes Kreuz gestaltet und gestiftet haben. „Mit Freude wir fangen an, das neue Haus beginnt zu leuchten, als Einladung zu leben wie Brüder vereint“, sang die jugendliche Schar.

Nach einem Begrüßungsmarsch des Musikvereins Andelfingen mit Eugen Föhr schritt Pfarrer Sanke zur Segnung des Hauses und seiner verschiedenen Räumlichkeiten. In Gemeindesaal soll das gesegnete Kreuz der Jugend seinen Platz bekommen. Danach gab es reichlich Zeit und Gelegenheit, das Haus mit all seinen ganz unterschiedlichen Räumlichkeiten zu besichtigen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen