Das Filmteam um Falko Korth (links) und Kustodin Irene Späth bei den Filmaufnahmen zur Dokumentation.
Das Filmteam um Falko Korth (links) und Kustodin Irene Späth bei den Filmaufnahmen zur Dokumentation. (Foto: Marion Buck)
Schwäbische Zeitung

„In den Gräben der Geschichte“ titelt die Dokumentation über Ernst Jünger, die am Mittwochabend, 21.50 Uhr, auf Arte gezeigt wird. Regisseur Falko Korth war für den Beitrag auch im Fösterhaus in Wilflingen zu Gast, wo Jünger über 50 Jahre gelebt hat. Weiterer Sendetermin: Sonntag, 8. Dezember, um 5.05 Uhr, online vom 27. November bis 27. Dezember.

Der Schriftsteller Ernst Jünger gilt als einer der wichtigsten und zugleich umstrittensten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Noch immer scheiden sich an ihm die Geister. Die einen sehen in dem antiliberalen und antidemokratischen Jünger der Weimarer Republik einen geistigen Wegbereiter des Nationalsozialismus, andere sehen in ihm den brillanten und reflektierten Zeitzeugen, den genialen Stilisten. Wer war Ernst Jünger wirklich? Was hat ihn geprägt? Warum lohnt der Blick auf einen Mann, dessen Leben so eng verknüpft war mit den Krisen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts?

Prominente und umstrittene Figur

Für seinen Lebensweg zwischen „Stahlgewittern“ und ästhetischem Außenseitertum hat Jünger leidenschaftliche Bewunderung wie Verachtung erfahren. Politische Repräsentanten wie Helmut Kohl und François Mitterrand gaben sich bei ihm die Klinke in die Hand. Sie bewunderten im Hochbetagten den „Zeugen des 20. Jahrhunderts“ – und blickten darüber hinweg, dass er den Krieg als Bewährungsprobe und Daseinsgleichnis verstand. Bis heute verbindet sich mit Jünger das Bild vom Nationalisten und Demokratieverächter, seine radikalen, antiliberalen Schriften aus der Zeit der Weimarer Republik werden von den extremen Rechten wieder zitiert. Zugleich gilt Jünger als Autor ästhetisch brillanter Schriften, der viele Künstler inspiriert.

Warum lohnt der Blick auf die Biografie eines Mannes, dessen Leben so eng verknüpft war mit der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts? Regisseur Falko Korth zeichnet in seiner Dokumentation nüchtern und unpathetisch anhand historischer Bilder und Interviewdokumente wichtige Lebensstationen der schwierigen Jahrhundertgestalt nach. Zugleich lässt er jene zu Wort kommen, die sich mit Jünger immer wieder beschäftigt und auseinandergesetzt haben, so die Biografen Helmuth Kiesel und Heimo Schwilk, den Historiker Volker Weiß, die Literaturkritikerin Iris Radisch und den Maler Neo Rauch.

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