Sie macht Musik für die Augen erlebbar

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Für ihr Buch „Akustik sehen – Rhapsody in Blue“ hat Sarah Müller die renommierten Auszeichnung „Red Dot: Junior Prize“ erhalten
Für ihr Buch „Akustik sehen – Rhapsody in Blue“ hat Sarah Müller die renommierten Auszeichnung „Red Dot: Junior Prize“ erhalten. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung

Musik kann man hören, vielleicht auch noch fühlen, aber sehen? Dass Letzteres ebenfalls möglich ist, beweist die Kirchdorferin Sarah Müller mit ihrem Buch „Akustik sehen – Rhapsody in Blue“. Die Nachwuchsdesignerin hat dafür den renommierten Preis „Red Dot: Junior Prize“ erhalten, der mit 10 000 Euro dotiert ist. „Mit dem Preisgeld möchte ich mir eines Tages meinen Traum von einer eigenen, kleinen Designagentur erfüllen“, sagt die 30-Jährige. Jetzt verschlägt es sie aber erst einmal nach Stuttgart, genauer gesagt zu der Werbeagentur Jung von Matt. Zu deren Kunden zählen Sixt, Vodafone oder Saturn.

Durch einen Zeichenkurs bei der Künstlergilde in Ulm die Leidenschaft für das Kreative entdeckt, ein Praktikum in einer kleinen Werbeagentur in Memmingen absolviert – für Sarah Müller war schon in Kindheits- beziehungsweise Jugendtagen klar: Grafikerin beziehungsweise Designerin ist ihr Traumberuf: „Spätestens nach dem Praktikum in der achten Klasse wusste ich: Das will ich später einmal beruflich machen.“ Ihre Mutter habe schon früh das richtige Gespür gehabt und sie daher auf ihrem Weg unterstützt. Darüber hinaus habe sie der Erfolg beim Jugendkunstpreis Baden-Württemberg dazu motiviert, den Weg weiterzugehen, so Sarah Müller. Was folgt ist eine Ausbildung zur Mediengestalterin, darauf das Sammeln erster Berufserfahrungen sowie das Studium „Kommunikationsdesign/Informationsdesign“ an der Schule für Gestaltung in Ravensburg. Seit 2011 ist sie freiberuflich tätig und arbeitete auch während des Studiums für Agenturen und eigene Auftraggeber.

In 462 Takte zerlegt

In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit der Frage: Wie lässt sich Musik grafisch umsetzen? Herausgekommen ist dabei ein Buch, dass mit seinem Format 30 mal 30 Zentimeter nicht zufällig an das Schallplattenformat LP erinnert. Sarah Müller übersetzt auf Papier das Musikstück „Rhapsody in Blue“, welches im Jahr 1924 von dem amerikanischen Broadway-Komponisten George Gershwin komponiert wurde. Das Stück verbindet Jazz und konzertante Sinfonik.

Alle 15 Instrumente erhalten im Buch eine Farbzuordnung, dem Klavier ordnete Sarah Müller beispielsweise die Farben von Asphalt und Betonfassaden zu, den Streichern das Grün des Central Parks. Die Grafikerin machte sich vom Inhalt über die Gestaltung bis hin zur Verpackung viele Gedanken, „Tag und Nacht“ habe sie daran gearbeitet, wie sie erzählt. „Das Buch war ein Prozess. Es dauerte insgesamt ein halbes Jahr, bis es fertig war.“ In 462 Takte zerlegte sie das Musikstück, auf 18 Metern Papier arrangierte sie die Komposition visuell.

Die vielen schlaflosen Nächte haben sich offenbar gelohnt. Nicht nur, weil sie dabei halfen, das Studium in Ravensburg erfolgreich abzuschließen. Sarah Müller erhielt neben dem „Red Dot: Junior Prize“ auch eine Auszeichnung beim ADC-Wettbewerb in Hamburg. „Das tolle an den Wettbewerben ist, dass eine internationale Jury, auch bestehend aus sehr erfahrenen Mitarbeitern von Agenturen, die Arbeiten bewertet“, sagt sie. „Das hilft, um Kontakte zu knüpfen.“ In ihrem Fall hat es sogar zu einem Job geführt. „Beim ADC-Festival in Hamburg entstand der Kontakt zu der Agentur Jung von Matt“ sagt Müller. Im Januar wechselt sie von der Designagentur „Monobloc“ in Heidelberg in die Landeshauptstadt zu Jung von Matt.

„Damit komme ich Kirchdorf wieder ein Stück näher“, sagt Sarah Müller. In ihre Heimat komme sie fast wöchentlich, vor allem, weil dort ihre Familie lebt. „Ich träume – irgendwann – von einem kleinen Büro, am besten ganz in der Nähe von Kirchdorf“, sagt die 30-Jährige. Das Preisgeld lege sie auf die hohe Kante („Da bin ich ganz der Schwabe“), um für ihren Traum Startkapital zu haben.

Weitere Informationen sowie ein Video zu der Diplomarbeit „Akustik sehen – Rhapsody in Blue“ von Sarah Müller gibt es auf ihrer Homepage unter www.muellersarah.de.

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