Liebherr testet in Kirchdorf jetzt riesige Baumaschinen

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Liebherr eröffnet neues Entwicklungs- und Vorführzentrum
Hydraulikbagger, Umschlagmaschinen oder Muldenkipper: Mehr als 2500 Maschinen verlassen pro Jahr das Werk von Liebherr in Kirchdorf. Heute hat das Unternehmen sein neues Entwicklungs- und Vorführzentrum, kurz EVZ, offiziell eröffnet. Damit wächst das Unternehmen am Standort Kirchdorf um 32 Prozent.

Eine Versuchshalle, ein Verwaltungsgebäude und eine Teststrecke: Liebherr Hydraulikbagger hat in seinen Standort in Kirchdorf 30 Millionen Euro investiert. „Mit einer Gesamtfläche von 12,8 Hektar wächst der Standort Kirchdorf um 32 Prozent“, sagte der technische Geschäftsführer Werner Seifried bei der Einweihung des neuen Entwicklungs- und Vorführzentrums am Dienstag. Laut ihm ist solch ein Validierungszentrum für Baumaschinen in Europa einzigartig.

Wer als Besucher vor den meterhohen Maschinen steht, die beispielsweise an Häfen für den Materialumschlag eingesetzt werden, fühlt sich unweigerlich klein – und schwach. Mühelos bewegt die Umschlagmaschine mit dem Namen „LH 110“ viele Tonnen an Kies oder verlädt ein kleineres Baufahrzeug. Der weltweit am häufigsten verkaufte Kompaktbagger bearbeitet eine Straßenböschung, Hydraulikgefährte demonstrieren den Ablauf von Bauarbeiten am Gleis und wieder andere Maschinen widmen sich dem Kanalbau – Szenen wie diese haben sich bei der imposanten Maschinenshow auf dem neuen Testgelände abgespielt. Liebherrianer zeigten am Dienstag beim Kundentag 1400 Menschen und am Mittwoch beim Familientag, etwa 10 000 Besucher werden erwartet, was die Fahrzeuge technisch so zu bieten haben.


 Sie haben das neue Zentrum eröffnet: Rainer Langenbacher (vn links), Jan Liebherr, Werner Seifried, Heiko Schmid, Walkler Caxi
Sie haben das neue Zentrum eröffnet: Rainer Langenbacher (vn links), Jan Liebherr, Werner Seifried, Heiko Schmid, Walkler Caxilé und Hellger Koepff. (Foto: Daniel Häfele)

Doch mindestens so beeindruckend sind auch die Eckdaten des neuen Entwicklungs- und Vorführzentrums, welches südlich der Kreisstraße 7580 in Richtung Fellheim seit Juni vergangenen Jahres entstanden ist. In 15 Monaten wurde eine Versuchshalle mit einer Höhe von 19,67 Metern, einer Länge von 90 Metern und einer Breite von 50 Metern hochgezogen. 2700 Tonnen an Stahl verbauten die Arbeiter in dem 4500 Quadratmeter großen Gebäude. Dort sollen Prototypen aufgebaut, in Betrieb genommen und verbessert werden.

Für die 1,2 Kilometer lange Teststrecke wurden knapp 243 000 Tonnen an Erde bewegt, wie Werner Seifried weiter ausführte. Dort soll ein autonomes Testen von Prototypen möglich sein, um deren Lebensdauer ermitteln zu können. Auch autonome Fahrroboter sollen auf dem Gelände mit einem Steigungshügel mit acht Metern Höhe unterwegs sein. Eröffnet wurde das Areal nach einer kirchlichen Segnung durch den katholischen Pfarrer Walkler Caxilé und den evangelischen Dekan Hellger Koepff von Jan Liebherr. Das Mitglied des Verwaltungsrats der Liebherr-International AG zwickte mit einem Hydraulikbagger einen roten Stahlträger durch.

Vergleiche zu Daimler-Testzentrum

„Eine Investitionssumme von 30 Millionen Euro am Gründungsstandort des Unternehmens ist ein riesiger Vertrauensbeweis der Familie Liebherr an uns Kirchdorfer Liebherrianer“, sagte Werner Seifried. Damit werde den Mitarbeitern Neues ermöglicht: „Wir nehmen diese Aufgaben gerne an.“ Er dankte in seiner Rede auch für die tatkräftige Unterstützung aller Mitwirkenden während der Planungs- und Bauphase: „Ein einzelner kann bei solch einem großen Projekt doch recht wenig bewirken.“ Miteingeschlossen waren hierbei auch Landrat Heiko Schmid und Kirchdorfs Bürgermeister Rainer Langenbacher, die beide ein Grußwort hielten.

Schmid zog darin Vergleiche zum ebenfalls erst vor wenigen Tagen eröffneten Daimler-Testzentrums in Immendingen (Landkreis Tuttlingen). Dieses sei zwar auch ein Projekt der Superlative, in vielen Bereichen aber steche das Liebherr-Zentrum hervor. Die enorme Höhe der Halle, die Tragfähigkeit des Untergrunds und die Größe der getesteten Fahrzeuge, zählte der Landrat als Trümpfe auf: „Den Vergleich mit Immendingen muss das Liebherr Entwicklungs- und Versuchszentrum für Baufahrzeuge und Baumaschinen nicht scheuen.“

Komplexes Verfahren

„Wir hatten für das Vorhaben nicht einfach eine Baugenehmigung zu erteilen“, blickte Schmid zurück. Es habe sich um ein „höchst komplexes und aufwendiges“ Genehmigungsverfahren gehandelt, das eigentlich sieben Monate dauern würde: „Wir haben den Turbo eingelegt.“In drei Monaten habe man all das über die Bühne gebracht.

Langenbacher zeichnete den Wandel Kirchdorfs vom Bauerndorf hin zur Gemeinde mit einem Hochhaus nach. Nicht nur dieses Wahrzeichen ist mit Liebherr unweigerlich verbunden. „Dank Liebherr haben wir eine gute Infrastruktur“, sagte er und verwies auf die sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen. Freibad oder Stadion – die Kommune könne sich Einrichtungen leisten, die für Gemeinden mit 3500 Einwohnern keine Selbstverständlichkeit seien.

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