Kirchdorfer trifft seine Lebensretter

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Der 5. Februar 2017 wird Peter Wörle (3. v. r.) in Erinnerung bleiben.
Der 5. Februar 2017 wird Peter Wöhrle (3. v. r.) und Barbara Zahn (3. v. l. mit Sohn Leopold) immer in Erinnerung bleiben. Auch dank des schnellen Eingreifens von Kathrin Angele (v. l.), Kerstin Lange, Hans-Peter Lehmann, Daniela Mack und Christian Fra (Foto: Johann Willburger)
Schwäbische Zeitung
Johann Willburger

Der 5. Februar 2017 ist für Peter Wörle aus Kirchdorf ein prägendes Erlebnis gewesen, auch wenn er sich an fast nichts mehr erinnern kann. Der 58-Jährige erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Er überlebte, weil schnell Hilfe vor Ort war. Vier Monate später haben sich alle Beteiligten des Rettungseinsatzes wieder getroffen: Helfer vor Ort (HvO), Rettungswagenbesatzung und Notarzt.

Um die Mittagszeit bekam Peter Wörle an jenem Februartag starke Brustscherzen, die bis in den Halsbereich zu spüren waren. Seine Frau Barbara Zahn gab ihm drei Aspirintabletten, rief bei der Rettungsleitstelle an und teilte dem Disponenten mit, welche Symptome ihr Mann zeigte. Die Leitstelle gab ihr einige Empfehlungen für diese Notsituation. Gleichzeitig alarmierte die Leitstelle die Helfer vor Ort Daniela Mack und Christian Frankowski in Kirchdorf, den Notarzt sowie die Rettungswache in Erolzheim.

Daniela Mack und Christian Frankowski waren nach rund drei Minuten in der Wohnung von Peter Wörle. Sie legten den Patienten in Rückenlage auf den Boden und verabreichten ihm Sauerstoff über eine Atemmaske. Kurz darauf verlor Wörle das Bewusstsein und erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nach weiteren drei Minuten traf der Rettungswagen aus Erolzheim ein.

Medikament schlägt nach fünf Minuten an

Rettungssanitäterin Kathrin Angele und Rettungsassistentin Kerstin Lange setzten sofort nach ihrem Eintreffen die Reanimation des Patienten fort, indem sie versuchten, mit Herzdruckmassage und kontrollierter Beatmung das Herz wieder zum Schlagen anzuregen. Nach weiteren fünf Minuten traf Notarzt Hans-Peter Lehmann ein. Die Rettungssanitäter schilderten ihm den Zustand des Patienten und welche Maßnahmen bisher eingeleitet wurden. Er legte das EKG-Gerät an und kontrollierte die Beatmung, während die HvO und Rettungssanitäter abwechselnd die Herzdruckmassage fortsetzten.

Nach mehr als 30 Minuten war immer noch keine Herzfunktion vorhanden. „Durch die Herzdruckmassage hat das Gehirn die Chance, weiterhin mit Sauerstoff versorgt zu werden“, erklärt Notarzt Lehmann. Als letzte lebensrettende Möglichkeit entschloss Lehmann sich, Metalyse zu spritzen. Dieses Medikament wird bei der Behandlung von Herzinfarkten angewendet und dient zur Auflösung von Blutgerinnseln, die sich in den Blutgefäßen des Herzens gebildet haben. Dies hilft, den durch einen Infarkt am Herzen entstehenden Schaden abzuwenden und so nachweislich Leben zu retten.

Nach etwa fünf Minuten zeigte das verabreichte Medikament bei Peter Wörle Wirkung – der Herzschlag setzte wieder ein, ein Blutgerinnsel in den Herzkranzgefäßen hatte sich aufgelöst. Aufatmen bei allen Beteiligten – eine Stunde war seit dem Eintreffen der Ersthelfer inzwischen vergangen. Der Patient wurde stabilisiert und für den Transport ins Krankenhaus Memmingen vorbereitet.

Fünf Tage im künstlichen Koma

Notarzt Lehmann begleitete den Transport bis dorthin: „Man kann nie wissen, was auf der Fahrt bis zum Krankenhaus passieren kann, daher ist es in solchen Fällen erforderlich, dass der einsatzleitende Arzt mitfährt“, schildert er. Die beiden HvO blieben bei Barbara Zahn und dem zweijährigen Leopold und leisteten Beistand. Barbara Zahn kam gegen 14 Uhr im Krankenhaus an und erfuhr dort, dass ihr Mann lebt. Peter Wörle wurde weiter stabilisiert, erhielt blutverdünnendes Mittel und bekam drei Stents gesetzt. Danach wurde er fünf Tage lang ins künstliche Koma versetzt, damit der Körper Ruhe hat.

Nach dieser Maßnahme lautete der Befund: stabil auf niedrigem Niveau. Es folgte eine dreiwöchige Reha in Bad Wörishofen. Seitdem ist Peter Wörle zu Hause und lässt sich alle 14 Tage bei seinem Hausarzt untersuchen, der zusammen mit einem Kardiologen die Genesung von Wörle verfolgt, um die Ursache für sein Herz-Kreislauf-Versagen nachvollziehen zu können.

Die 112 ist lebensrettend

Wenn man Peter Wörle heute, vier Monate nach dem Vorfall, sieht, macht er einen fitten Eindruck. „Es ist geplant, dass ich ab Mitte des Jahres wieder arbeiten werde“, sagt der 58-jährige. „Ich musste nie Medikamente einnehmen, die ärztlichen Untersuchungen zeigten immer gute Werte, viel Bewegung hatte ich durch Walken und Radfahren. Dazu kommt, dass ich Normalgewicht habe.“ Wörle erzählt, dass er zwei Tage vor seinem Zusammenbruch ein Belastungs-EKG beim Hausarzt gemacht hatte, dabei wurde nichts Auffälliges festgestellt. Bislang konnte man die Ursachen für den Herzstillstand nicht herausfinden, aber die Ärzte suchen weiter. Peter Wörle ist wieder zurück im Leben und hat deshalb alle beteiligten Ersthelfer eingeladen. „Ohne die schnelle Hilfe der HvO, das sofortige Eintreffen des Rettungswagens und des Notarztes wäre ich sicherlich nicht mehr am Leben“, dankte Peter Wörle den Anwesenden. Und Notarzt Hans-Peter Lehmann betont: „Bei Brustschmerzen immer die 112 anrufen – hier ist schnelle Hilfe lebensrettend. Dies hat der Fall Peter Wörle wieder eindeutig gezeigt. Entscheidend war dabei der Einsatz der HvO.“

Helfer vor Ort (HvO) sind ehrenamtliche Mitarbeiter beim DRK. Sie haben eine spezielle Ausbildung, die sie für Ersthelfereinsätze benötigen. In jedem Ort gibt es HvO, die ihren Ersthelferrucksack immer griffbereit haben. 2016 leisteten die HvO der DRK-Bereitschaft Erolzheim in 391 Einsätzen erste Hilfe, 2017 sind es schon 220 Einsätze. Jeder kann mithelfen, indem er die Ausbildung zum HvO macht. Weitere Informationen dazu gibt es unter: www.drk-erolzheim.de

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