„Hinter uns liegt ein absolutes Spitzenjahr“

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„Wir konnten mit rund neun Millionen Euro das bisher größte Investitionspaket in der Geschichte unserer Gemeinde schnüren“: Kirc
„Wir konnten mit rund neun Millionen Euro das bisher größte Investitionspaket in der Geschichte unserer Gemeinde schnüren“: Kirchdorfs Bürgermeister Rainer Langenbacher. (Foto: Archiv)

Von einem „Jahr der Superlative“ spricht Kirchdorfs Bürgermeister Rainer Langenbacher im SZ-Jahresinterview, wenn er auf 2018 zurückblickt. Außerdem erklärt er, welches Projekt das ambitionierteste im Hochbau in diesem Jahrzehnt ist, wo die Illertalgemeinde dieses Jahr investieren will und ob er für die Kandidatur zu seiner vierten Amtszeit lange überlegen musste.

Herr Langenbacher, die Firma Liebherr hat im vergangenen Jahr sowohl in Kirchdorf als auch in Oberopfingen zwei millionenschwere Investitionen eingeweiht. War 2018 das aus wirtschaftlicher Sicht wichtigste Jahr, seit Sie Bürgermeister in Kirchdorf sind?

Wenn man sieht, was in diesem Jahr bei uns entstanden ist, würde man sicher erwarten, dass ich ohne zu zögern „ja“ sagen würde, weil 2018 durch den Abschluss von epochalen baulichen Aktivitäten zweifelsohne zu einem Jahr des Aufbruchs in unserer Gemeinde wurde, wie es nur wenige Kommunen in Deutschland erleben durften. So konnte bereits am 13. April das neue Hydraulikzylinderwerk der Liebherr Components GmbH in Oberopfingen auf einer Gesamtfläche von 13 Hektar seinen Betrieb aufnehmen. In den letzten anderthalb Jahren sind dort zwei Werkhallen für die Montage, Lackierung und Prüfung von Hydraulikzylindern sowie ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude entstanden. Nach Firmenangaben sind hierfür rund 60 Millionen Euro investiert worden. Eine enorme Investition.

Was lässt Sie dann zögern, mit „ja“ zu antworten?

Dieses große Werk ist nur Teil einer noch größeren Firmenniederlassung, mit deren Aufbau die Firma Liebherr auf einem Areal von insgesamt 37 Hektar Größe im Jahr 2013 begonnen hat. Für mehr als 100 Millionen Euro sind dort bis zur Eröffnung im Juni 2015 ein neues Logistikzentrum und eine zentrale Niederlassung für die firmeneigene Softwareentwicklung gebaut worden. Von daher ist es schwer zu sagen, welches nun das bedeutendste Jahr war. Zweifelsohne erleben wir aber in den letzten fünf Jahren vonseiten der Familie Liebherr Investitionen in die Gewerbe- und Industrieentwicklung unserer Gemeinde, die allerkühnste Träume übersteigen. Dazu zählte im Oktober am Standort Kirchdorf auch die Inbetriebnahme des neuen Entwicklungs- und Vorführzentrums. Neben den Einweihungen erfolgte 2018 noch der Spatenstich für ein neues, großes Produktionslager. Bis 2020 sollen damit im Kirchdorfer Werk weitere 35 Millionen Euro investiert werden. Wir sind von daher gegenwärtig alle Zeugen einer unglaublichen Entwicklung, die sich nicht nur für unsere Gemeinde, sondern für die ganze Region positiv auswirkt.

Abgesehen davon – wie bewerten Sie das Jahr 2018 für die Gemeinde Kirchdorf?

Sowohl in finanzieller Hinsicht als auch im Blick auf eigene bauliche Aktivitäten liegt auch hinter unserer Gemeinde zweifelsohne ein absolutes Spitzenjahr. Die Basis dafür bilden außergewöhnlich hohe Gewerbesteuereinnahmen, die zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gemeinde die Zehn-Millionen-Euro-Grenze überschreiten. Wir konnten dadurch mit rund neun Millionen Euro das bisher größte Investitionspaket in der Geschichte unserer Gemeinde schnüren. Von daher war und ist 2018 für uns ein Jahr der Superlative. Es war entsprechend auch mit Arbeit gefüllt.

Welche Bedeutung hat die Erweiterung der Michael-von-Jung-Schule für den Schulstandort Kirchdorf?

Mit gesetzten 3,9 Millionen Euro war die Erweiterung der Michael-von-Jung-Schule durch einen dreigeschossigen Anbau das ambitionierteste Hochbauprojekt, das wir uns als Gemeinde in diesem Jahrzehnt vorgenommen haben. Insgesamt 1800 Quadratmeter an zusätzlicher Fläche hat unsere Schule dadurch gewonnen. Die zusätzlichen Räume werden genutzt, um den bisher versteckt liegenden Verwaltungsteil der Schule mit dem Lehrerzimmer, dem Schulsekretariat und den Büros für die Schulleitung im Erdgeschoss des Anbaus an zentraler Stelle neu anzulegen. Die beiden darüber liegenden Stockwerke dienen als Schul- und Unterrichtsräumlichkeiten für die Schüler zweier Jahrgangsstufen. Von der modernen Pädagogik der Gemeinschaftsschule, mit ihrer der Lebenswirklichkeit der Schüler, aber auch der Eltern zugewandten Konzeption, versprechen wir uns den langfristigen Erhalt unserer Gemeinde als einen zentralen Schulstandort im Illertal. Darüber hinaus sehen wir die ergriffenen Baumaßnahmen als ersten Schritt auf einem Weg, der bis zum Abitur führen könnte, wenn die Gemeinschaftsschule auch von unseren Nachbargemeinden eingeführt wird.

Und die Baustellenzeit an der Schule ist noch nicht vorbei, 2019 folgen weitere Arbeiten. Was wird konkret angegangen?

Sie haben Recht, durch die Verlegung des bisher versteckt liegenden Verwaltungstraktes in den zentralen neuen Eingangsbereich der Schule werden wir die frei werdenden Räumlichkeiten künftig für wichtige andere Dinge nutzen, wie zum Beispiel den praxis- und handlungsorientierten Unterricht der Klassenstufen eins bis vier im naturwissenschaftlich, technischen Bereich. Zudem werden dort zwei Büros für die Berufseinstiegsbegleiter und zwei Lehrerarbeitszimmer für die Unterrichtsvorbereitung entstehen. Der dort liegende ehemalige Lernmittelraum wird für das textile Arbeiten (Nähen) umgebaut werden. Die Arbeiten dazu sind bereits angelaufen. Mit beträchtlichem Aufwand werden wir daneben die digitale Infrastruktur ertüchtigen. Dazu sollen in der ganzen Schule Glasfaserleitungen verlegt werden. Der Aufwand dafür wird nach einer ersten Kostenschätzung bei mehr als 100 000 Euro liegen.

Welche weiteren Projekte konnten 2018 abgeschlossen werden?

Die Frage für mich ist, wie Sie den Abschluss definieren. Ich würde deshalb auf Ihre Frage lieber ausführen, was gegenwärtig alles läuft.

Gerne.

Wie eingangs bereits erwähnt, war das Jahr 2018 für unsere Gemeinde ein überaus intensives und temporeiches Jahr. Neben der Schulhauserweiterung liefen zum Beispiel große Baumaßnahmen in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung. So haben wir begonnen, mit der Nachbargemeinde Berkheim im Zweckverband Illertal Wasserversorgung eine circa zwei Kilometer lange Notwasserverbindungsleitung zum Hochbehälter „Bärenschachen“ auf Gemarkung Rot an der Rot zu bauen, um unsere Wasserversorgung auf zwei unabhängig voneinander funktionierende Säulen zu stellen. Gleichzeitig wird eine Notstromversorgungsmöglichkeit aufgebaut sowie die Elektrotechnik in den Hochbehältern und den Pumpwerken erneuert. Vom Verband werden dafür Kosten in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro zu stemmen sein. Wir werden die Baumaßnahmen im ersten Halbjahr 2019 abschließen.

Wie sieht es beim Anschluss der Ortskanalisation an das Gruppenklärwerk der Stadt Memmingen in Heimertingen aus?

Auch hier ist es weiter vorangegangen. Die notwendigen Leitungsbaumaßnahmen und technischen Einrichtungen, um das Abwasser künftig dorthin pumpen zu können, sind auf Kirchdorfer Markung fast abgeschlossen. Gleiches lässt sich vom Bau der großen Regenwasserentlastungsleitung berichten. Um unsere Wohngebiete in den tiefliegenden Ortslagen unseres Teilortes Kirchdorf bei Starkregenereignissen künftig besser vor Rückstau und Überschwemmung zu schützen, haben wir 2018 für rund 2,85 Millionen Euro eine rund 1,28 Kilometer lange große Entlastungsleitung gebaut. Zum sukzessiven Aufbau eines interkommunalen Breitbandnetzes haben wir in diesem Jahr circa 1,2 Kilometer Leerrohre verlegt. Im Friedhof Kirchdorf wurden neue Erdbestattungsmöglichkeiten für Urnen mit kleinen Stehlen eingerichtet. Auch Aufträge für 2019 wurden schon vergeben zum Beispiel für die Erneuerung der Stadionlaufbahn im Dr.-Hans-Liebherr-Stadion und zur Gestaltung von Ausgleichsflächen für den Naturschutz.

2019 plant die Gemeinde Kirchdorf mit 7,3 Millionen Euro für Investitionen. Wo wird dieses Geld schwerpunktmäßig investiert?

Größte Position im Haushalt wird mit 2,2 Millionen Euro die Erschließung des neuen Baugebietes „Kratzer I“ im Teilort Kirchdorf sein. Rund 1,5 Millionen Euro wollen wir daneben zur Sanierung von Ortsstraßen und Kanälen investieren. 1,4 Millionen Euro stehen daneben für die Michael-von-Jung-Schule zur Verfügung, wobei der Großteil für die Begleichung von noch ausstehenden Schlussrechnungen für den Schulhausanbau reserviert sind. 2,1 Millionen Euro sind für den Grunderwerb vorgesehen, wobei ein nicht unbeträchtlicher Teil dieser Summe benötigt wird, um bereits in Vorjahren getätigte Kaufverträge finanziell abzuwickeln. Neben Mitteln zur Aufstellung eines Bebauungsplanes und neuer Spielgeräte in den Kindergärten beziehungsweise im Bürgerpark sind 180 000 Euro zur Planung eines Feuerwehrgerätehauses zur Bildung eines zweiten Ausrückebezirks eingeplant und noch einmal derselbe Betrag für noch nicht vorliegende Schlussrechnungen zur Erweiterung des Wilhelm-Sailer-Kindergartens in unserem Teilort Oberopfingen. Nach dem Anschluss unserer Ortskanalisation an das Gruppenklärwerk der Stadt Memmingen in Heimertingen werden wir die Regenrückhaltebecken an unserer Kläranlage umbauen müssen. Die Beregnung unserer Sportanlagen – Stadion, Freibad und Nebensportplatz – sowie der Bau eines Buswartehäuschens in unserem Teilort Oberopfingen sind weitere Aufgaben, die wir angehen wollen.

Im diesem Jahr geht Ihre dritte Amtszeit als Kirchdorfer Bürgermeister zu Ende, Sie stellen sich wieder zur Wahl. Mussten Sie lange überlegen, ob Sie sich eine weitere Amtszeit vorstellen können?

Nein, weil mir die Arbeit nach wie vor Freude bereitet und ich mich dabei von einem vertrauensvollen und guten Miteinander sowohl in den Ratsgremien als auch vonseiten der Mitarbeiter unserer Gemeinde getragen sehe. In fast 24 Jahren sind mir unsere schöne Gemeinde und ihre Menschen ans Herz gewachsen. Eine lange Überlegung brauchte es von daher nicht. Auch gesundheitlich bin ich bisher, Gott sei Dank, nicht eingeschränkt, sodass ich mich freuen würde, wenn mir für eine vierte Amtsperiode noch einmal das Vertrauen von unserer Bürgerschaft ausgesprochen würde.

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