Michael Altinger: Parforceritt zwischen Himmel und Höllenglut

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Michael Altinger
Michael Altinger (Foto: Rolf Fuchs)
Schwäbische Zeitung

Mit mimischer und gestischer Verve hat Michael Altinger, bayerischer Kabarettpreisträger des Jahres 2017, die faszinierten Besucher im vollen Hüttisheimer Kulturstadel mit seinem aktuellen Programm „Hell“ ins Helle geführt. Die Frage bleibt jedoch offen: Bedeutet „Hell“ nun Himmel oder Höllenglut?

In einem wahren Parforceritt pflügte der Frontmann des BR-Schlachthofs in seinem Kabarett-Theater durch die Unbilden des Themas Wahrheit. Ausgangspunkt des mitunter philosophischen, dann wieder munter derb-deftigen verbalen Gewitters ist ein Parkunfall in München, den Altinger nutzt, um sich der Frage der Schuld zu widmen. Sein Protagonist erkennt, dass er sich der persönlichen Verantwortung stellen muss. Eine wahrhafte Herausforderung, der nur wenige gewachsen sind.

Es geht also um das „Ich“, um Entsolidarisierung, offenbar der einzig gangbare Weg, um eine Lichtgestalt zu werden. Alle kriegen ihr Fett ab: Die Stand-Up Paddler werden genauso Opfer seines brachialen Spotts wie die Bienenschützer, die SUV-Mamis oder sein musikalischer Begleiter Martin Faber, der Altinger bei seinen raustimmigen Gesangseinlagen stützt.

Köstlich, wenn dieser Immanuel Kants kategorischen Imperativ anstimmt, dann aber enttäuscht abbricht, da das Publikum offensichtlich nicht mitmachen will: „Die haben keinen Bock darauf“. Auf Altingers „Hell“ hatten sie auf alle Fälle Bock. Zwei erklatschte Zugaben waren tosender Beweis genug.

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