„Da kommt schon Wehmut auf“

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„Noch abschließend zu klären ist der genaue Standort, hierzu laufen Gespräche“, sagt der Kirchberger Bürgermeister Jochen Stuber
„Noch abschließend zu klären ist der genaue Standort, hierzu laufen Gespräche“, sagt der Kirchberger Bürgermeister Jochen Stuber zum geplanten Neubau eines Feuerwehrhauses. (Foto: privat)

Die Gemeinde Kirchberg hat im vergangenen Jahr bei der Einwohnerzahl erstmals die 2100er-Marke geknackt. Dies erzählt Bürgermeister Jochen Stuber im SZ-Jahresinterview. Außerdem spricht er über seine Wiederwahl, den „Glücksfall“ Dr. Urucu in der Arztpraxis im „Haus am Markt“ und den Hochwasserschutz an der Iller – und Stuber erklärt, bei welchem Thema er etwas wehmütig wurde.

Herr Stuber, im April sind Sie mit 94,8 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit als Kirchberger Bürgermeister gewählt worden. Wie wichtig ist ein solch klares Bekenntnis der Bürger?

Sehr wichtig, denn es zeigt, dass nicht alles schlecht gewesen sein kann. Viel wichtiger erachte ich aber die Wiederwahl für die Gemeinde Kirchberg – wurde nach immerhin 40 Jahren mal wieder ein Amtsinhaber im Amt bestätigt – und das tut uns – unabhängig von meiner Person – in Verwaltung, Gremien und Bürgerschaft so richtig gut. Denn jeder Wechsel wirft einen zwangsläufig erst Mal zurück.

Abgesehen von der Wahl: Welches Projekt war 2018 das wichtigste?

Das war die Baumaßnahme in der Gutenzeller Straße in Kirchberg, welche aufgrund der guten Wetterlage zeitgerecht von der örtlichen Firma Halder&Veit ausgeführt werden konnte. Neben den kommunalen Maßnahmen wie Sanierung der Bachquerung, Kanäle und Wasserleitungen wurden auch die Straßenbeleuchtung und die DSL-Leerrohre neu installiert. Im westlichen Bereich wurde ein Gehweg (300 Meter) neu angebaut um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Der Landkreis Biberach hat im Zuge dieser Maßnahme den Straßenbelag auf der ganzen Länge (800 Meter) innerorts neu asphaltiert. So haben wir nun wieder einen ganzen Straßenzug komplett saniert, was auch unserem Ortsbild zugute kommt. In Sinningen wurde der Brückenneubau über den Gießen in der Illerstraße abgeschlossen. Somit ist hier für viele Jahrzehnte wieder die notwendige Sicherheit gewährleistet. Auch der Kapellenvorplatz wurde in diesem Zuge in Abstimmung mit der Kirchengemeinde neu gestaltet und lädt nun zum Verweilen ein.

Welche weiteren Themen haben Kirchberg im vergangenen Jahr bewegt?

Die Einwohnerzahl hat mit einem gesunden Wachstum von drei Prozent das erste Mal die 2100er-Marke überschritten. Als wahren Glücksfall können wir die Arzt-Nachfolge Anfang 2018 bezeichnen, denn mit Frau Dr. Urucu kam richtig Leben in die Arztpraxis im „Haus am Markt“, worüber wir uns sehr freuen. In der Schule haben wir die letzte 9. Klasse der ehemaligen Werkrealschule im Sommer verabschiedet – da kommt schon ein bisschen Wehmut auf. Den Borkenkäfer bekamen wir leider in den Wäldern auf unserer Gemarkung und somit auch im Gemeindewald mit voller Wucht zu spüren. Verwaltungsintern waren die Kasse und Kämmerei sehr stark mit der Vorbereitung der Umstellung auf die Doppik zum 1. Januar 2019 beschäftigt.

Wie realistisch ist der Bau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung K 7594/L 260 bei Sinningen, wo es 2018 wieder zu schweren Unfällen kam?

Keine Ahnung. In der diesjährigen Gemeindeweihnachtskarte steht der Spruch von Carl Ludwig Schleich: „Um Wunder zu erleben, muss man an sie glauben.“ Ich persönlich glaube daran, dass hier irgendwann ein Kreisverkehr installiert werden wird. Aktuell sind wir der Verkehrsschau dankbar, dass hier erstmalig ein Handlungsbedarf gesehen worden ist. Und das mit der Anordnung einer Stopp-Stelle mit Haltelinie auch schon die ersten konkreten Maßnahmen eingeleitet worden sind. Die Umsetzung ist Stand heute noch nicht erfolgt, wir hoffen aber auch hier auf eine zeitnahe Erledigung. Weiteren Aufschluss geben sicher auch die angekündigten Geschwindigkeitsmessungen. Und dann wird sich zeigen, ob diese Maßnahmen greifen und die Verkehrssicherheit erhöhen und die Unfallzahlen sinken lassen. Aufgrund der bisherigen Unfallgegebenheiten glaube ich noch nicht daran, lasse mich aber gerne positiv überraschen. Die Gemeinde wird auf jeden Fall an der Forderung eines Kreisverkehrs festhalten.

Wie weit sind die Pläne für die Nachnutzung der Räume der ehemaligen Werkrealschule?

Nachdem wir bereits im Juni 2018 den Grundsatzbeschluss zum Umzug/Erweiterung des Kindergartens an der Schule unter Finanzierungsvorbehalt gefasst haben, waren jedoch noch einige Prüfungen und Überarbeitungen des Vorentwurfes nötig. In seiner Sitzung im Dezember wurde nun vom Gemeinderat ein Vorentwurf verabschiedet, auf Basis dessen nun das Architekturbüro die Genehmigungsplanung inklusive der Details- und Fachplanungen ausarbeitet. Parallel wird die Verwaltung entsprechende Zuschussanträge stellen. Denn nur mit einer gewissen Fördersumme ist das Gesamtprojekt mit einem Investitionsvolumen von 2,2 Millionen Euro für die Gemeinde finanziell in den Haushaltsjahren 2019/2020 darstellbar.

Was tut sich beim Hochwasserschutz an der Iller in diesem Jahr?

Hier gibt es zwar im immer noch laufenden Verfahren immer wieder Verzögerungen, wir rechnen aber mit der Genehmigung im Frühjahr 2019 und mit dem Baubeginn ab Herbst 2019.

Der Neubau eines Feuerwehrhauses klingt auch immer wieder an. Was passiert hier im Jahr 2019?

Ja, hier besteht dringender Handlungsbedarf und es handelt sich hierbei auch um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. In Abstimmung mit dem Bauausschuss der Feuerwehr und einem Architekten werden Vorentwürfe und Raumprogramme erarbeitet. Noch abschließend zu klären ist der genaue Standort, hierzu laufen Gespräche. In diesem Zusammenhang werden wir auch eventuell einen Antrag auf das Landessanierungsprogramm stellen um gegebenfalls die Reaktivierung von Altlasten-Gewerbe-Brachen stemmen zu können.

Welche Projekte stehen 2019 außerdem auf der Agenda?

Klappen wird der Spielplatzneubau im Frühjahr im Baugebiet Häldele. In einer Gemeinschaftsaktion der Gemeinde Kirchberg und dem Markt Altenstadt wird der Kiosk am Nordufer vom Sinninger Badesee eine grundlegende Sanierung und einen Pächterwechsel erfahren. Sodass die Badegäste ab dem Sommer hoffentlich wieder bestens versorgt werden können. Sorgen bereitet noch die weitere Aufnahme von zehn Flüchtlingen bis 31. Dezember 2019, da die bisherigen Unterbringungsmöglichkeiten ausgelastet sind oder sein werden. Gespannt bin ich auf die Europa-, Kreistags- und Kommunalwahlen, mit all ihren Auswirkungen.

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