Warum das Regenwasser weiter in die Keller fließt

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Bei Starkregen kommt es immer wieder zu Überflutungen. Keller laufen voll und Gullis können die Wassermassen nicht mehr fassen.
Bei Starkregen kommt es immer wieder zu Überflutungen. Keller laufen voll und Gullis können die Wassermassen nicht mehr fassen. (Foto: Sven Grundmann/dpa)

Wenn es viel und plötzlich regnet, laufen in Degernau die Keller voll. Nicht nur bei den extremen Niederschlägen im Jahr 2016, auch in den darauffolgenden Jahren war der Ortsteil Degernau der Gemeinde Ingoldingen immer wieder betroffen. Der Gemeinderat Ingoldingen hat daraufhin erste kleinere Sofortmaßnahmen getroffen. Zudem beauftragte das Gremium vor zwei Jahren das Biberacher Ingenieurbüro Wasser-Müller damit, zu untersuchen, wie das Regenwasser zurückgehalten werden könnte. Dieses Konzept wurde jedoch bis heute noch nicht umgesetzt, was bei manchen Bürgern auf Unverständnis trifft.

Gemeinderat Eugen Kehrle wohnt selbst in Degernau. Immer wieder werde er von Degernauern angesprochen und gefragt, warum bisher noch nichts passiert sei. „Es gibt einige, die wenn der Himmel dunkel wird, zuhause bleiben“, sagt er. Den Bürgern zu erklären, warum die Entwicklung eines schlüssigen Hochwasserschutzkonzepts so lange dauert, sei nicht immer einfach. Es gebe Familien, die es mittlerweile mehrfach getroffen habe - „und dementsprechend verärgert sind diese Menschen“, sagt er. Auch er selbst habe schon in seinem Keller Wasser schöpfen müssen. Jedes Jahr treffe es andere Familien. Umso wichtiger sei es, dass das Konzept alle möglichen Varianten beachte.

Richtlinie hat sich geändert

Was nicht nur Kehrle, sondern auch andere irritiert: Eigentlich gibt es schon seit Längerem ein fertiges Konzept vom Büro Wasser-Müller. Bevor dieses jedoch umgesetzt werden konnte, änderte sich die gesetzliche Situation. Wer Fördermittel erhalten will, muss mittlerweile sein Starkregenkonzept nach den Vorgaben eines vom Land entwickelten Leitfadens erstellen. „Und bei einer geschätzten Gesamtsumme von rund 700 000 Euro geht es ohne Zuschüsse nicht“, so Schell, „daher war klar, dass wir um ein weiteres Gutachten nicht herumkommen“. Die Gemeinde investiert daher nun weitere 30 000 Euro in die Erstellung eines Gutachtens durch die Firma Pro Aqua.

Laut Schell ist inzwischen der erste Teil des Konzeptes, die Analyse der Überflutungsgefährdung mit der Erstellung von Starkregen-Gefahrenkarten, „weitgehend abgeschlossen“. Die Karten wurden mit Hilfe eines Simulationsmodells erstellt und bilden die Gefahr durch Überflutung bei Starkregenereignissen ab. Es werden dabei die maximalen Überflutungsausdehnungen, Überflutungstiefen und Fließgeschwindigkeiten dargestellt. Ebenso wird die Bodenerosion berücksichtigt, die bereits zu Schäden geführt hatte. Die Ergebnisse der Simulation wurden bereits vor Ort „plausibilisiert“ und die Karten angepasst, so Schell.

Der zweite Teil, die Risikoanalyse, wird zurzeit durchgeführt, teilt das Büro Wasser-Müller mit, das mit der Firma Pro Aqua zusammenarbeitet. Dabei wird die Überflutungsgefährdung analysiert, es werden kritische Bereiche und Objekte identifiziert und deren Schadenspotenzial abgeschätzt. Aus der Kombination von Gefährdung und Schadenspotenzial wird dann das Überflutungsrisiko ermittelt.

Im dritten Teil wird ein Handlungskonzept erstellt, welches Probleme und Lösungswege aufzeigen soll. Die Planung von baulichen Maßnahmen, die den Bau von Rückhaltemaßnahmen beinhaltet, ist laut dem Büro Wasser-Müller nahezu abgeschlossen.

Das weitere Handlungskonzept wird noch erstellt. Dieses sieht neben den baulichen Maßnahmen die kommunale Flächenvorsorge und die Informationsvorsorge vor. Bürgermeister Jürgen Schell zeigt Verständnis für jene Bürger, die sich wünschen, dass es in Degernau endlich vorwärts geht. „Ich denke, dass wir in drei Wochen die Planungen abgeschlossen haben und dann Zuschussantrag stellen können“, sagt er. Es tue sich also etwas. Wenn auch vielleicht nicht so schnell, wie manche sich das wünschen würden.

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