Kinder erschüttert: Unbekannte verwüsten Schulgarten

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Paul (von links), Radostina, Frederik und Nashat ernten Zwiebeln im Gemüsegarten der Ingoldinger Grundschule.
Paul (von links), Radostina, Frederik und Nashat ernten Zwiebeln im Gemüsegarten der Ingoldinger Grundschule. (Foto: Birga Woytowicz)
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Wer der Schule Sachspenden, Saatgut oder einen neuen Apfelbaum überlassen möchte, kann sich per E-Mail an info@wunschgarten-atelier.dean Mandy Hopp wenden.

Jahrelange Arbeit innerhalb weniger Minuten zunichte gemacht: Nachdem Unbekannte den Gemüsegarten der Ingoldinger Grundschule vor einigen Wochen völlig zerstört haben, machen die Schüler der Garten-AG das Beste draus und packen mit an. Doch so schnell lassen sich die Spuren der Verwüstung nicht beseitigen. Auch die Kinder sind erschüttert und können noch nicht begreifen, was den oder die Täter antrieb.

„Ich habe erst mal drei Stunden in mein Kissen geschrien, weil ich so sauer war“, erinnert sich Radostina. Sie besucht wie Paul die dritte Klasse. Der erzählt, er habe sich nach der traurigen Nachricht in sein Zimmer verkrümelt und seinen Stressball geknetet. Er frage sich: „Was bringt denen das? Wir haben doch nichts getan!“

„Jemand, der älter und stärker ist, findet das vielleicht cool. Aber es ist gemein, weil es gegen uns geht, auf die Kleinen“, sagt Karl. Der Viertklässler sei traurig gewesen, als er über das Mitteilungsblatt der Gemeinde von dem Vorfall erfuhr. „Alles, was zerstört wurde, stammt aus Kinderhand. Darauf scheinen es die Täter gezielt abgesehen zu haben“, bedauert auch Schulleiterin Jessika Völker. Am letzten Wochenende in den Pfingstferien schlugen die Unbekannten zu. Über das Flachdach seien sie in den Gemüsegarten eingestiegen, erklärt Mandy Hopp, die die Garten-AG an der Grundschule leitet. Die Anbaufläche befindet sich im Innenhof der Schule. „Im Schulgartennetzwerk haben immer alle gesagt: Ihr habt es gut, euer Garten ist sicher.“ Es sei der erste Angriff auf den Gemüsegarten gewesen, sagt Hopp.

Bienenhotel zerstört

Gemüsebeete wurden zertrampelt, mitsamt der bunten Holzrahmen rundherum. Statt vier können die Kinder derzeit nur drei Beete bepflanzen – in abgespeckter Version. „Wir mussten erst einmal aufräumen und waren bisher nicht so produktiv wie sonst“, sagt Hopp. Zudem zerstörten die Unbekannten ein Bienenhotel, mehrere Vogelhäuschen und ein Blumenbeet. Sie fluteten ein Wasserbecken und versenkten dort Holzbänke und -tische sowie alle Gartengeräte. „Und dann haben sie noch einen Schlauch in das offene Klofenster geleitet und das Wasser aufgedreht.“ Draußen hätten die Unbekannten schließlich das Abflussrohr mit Steinen verstopft. „Deswegen hatten wir auch eine neue Dachrinne nötig. Wenn das Dach überläuft, laufen erst der Garten und schließlich die Schule voll mit Wasser“, sagt Hopp.

Apfelbaum herausgerissen

Besonders traurig sind die Schüler um ihren Apfelbaum. Vor zwei Jahren haben sie ihn gepflanzt, in zwei weiteren hätte er erste Früchte getragen. „Das hat so lange gedauert, jetzt müssen wir einen neuen pflanzen und warten“, sagt Radostina. Auch viele der Gemüsepflanzen fielen den Tätern zum Opfer. Nur die Zwiebelpflanzen haben überlebt: Sie steckten noch tief genug im Boden.

Doch der Wiederaufbau kostet nicht nur Zeit und Mühe. Insgesamt ist ein Schaden im mittleren vierstelligen Bereich entstanden. Der ließe sich nicht ohne Weiteres ersetzen, erklärt Hopp. „Wir haben ein begrenztes Budget zur Verfügung. Das ist vor allem für Saatgut und Pflanzen gedacht.“ Einige Geräte seien gespendet, so auch die Gießkannen. „Die haben die Täter auch kaputt getreten. Dabei hatten wir sie doch gerade erst einmal benutzt“, sagt Paul. Inzwischen gibt es neue Gießkannen. Mandy Hopp hat Zucchinipflanzen verkauft und den Erlös gespendet. Damit kann ein Teil des Wiederaufbaus des Gartens gegenfinanziert werden. Auch wenn der Anfang schleppend war. Eine große Hilfe seien Hausmeister Gerhard Kloos und dessen Ehefrau gewesen. „Herr Kloos hat den Schaden als erster entdeckt und sofort reagiert. Er hat einen Großteil aufgeräumt“, sagt Mandy Hopp.

Ob man den Gemüsegarten noch besser absichern kann? Allenfalls könne man die Sitzmöbel vor der Schule wegsperren, sagt Mandy Hopp. Darüber seien die Täter auf das Schuldach gelangt. Radostina hat eine andere Idee: „Man könnte einen Stromzaun aufstellen.“ Sie verstehe nicht, warum jemand so aufwändig Möbel verrücke, wenn er doch jederzeit erwischt werden könnte.

Rachegefühle empfindet keiner der Schüler. Ihnen geht es viel mehr um Gerechtigkeit. „Ich möchte, dass die Täter das alles ersetzen und sich entschuldigen“, sagt Paul. Dabei denkt er an alle, außer an sich selbst. „Dabei seid ihr doch die wichtigsten“, sagt Mandy Hopp. Niemand sonst stecke so viel Zeit und Freude in den Gemüsegarten wie die Kinder.

Wer der Schule Sachspenden, Saatgut oder einen neuen Apfelbaum überlassen möchte, kann sich per E-Mail an info@wunschgarten-atelier.dean Mandy Hopp wenden.

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