Interview: „Wir können alle geplanten Investitionen angehen“

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 Ingoldingens Bürgermeister Jürgen Schell erläutert den neuen Haushaltsplanentwurf.
Ingoldingens Bürgermeister Jürgen Schell erläutert den neuen Haushaltsplanentwurf. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Der Haushalt 2019 in Ingoldingen weist ein Defizit von rund 400 000 Euro aus. Davon nahm der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag Kenntnis. Erstmals wurde der Haushalt von Kämmerer Berthold Hengge im Doppik-Verfahren aufgestellt. Er umfasst Einnahmen von rund 6,7 Millionen und Ausgaben von rund 7,6 Millionen Euro. Durch Abschreibungen reduziert sich das Minus auf rund 400 000 Euro. Endgültig beschlossen werden soll die Vorlage der Verwaltung dann in der nächsten Sitzung am 16. Mai. Michael Mader hat mit Ingoldingens Bürgermeister Jürgen Schell über den vorgelegten Haushalt gesprochen.

Herr Schell, warum wurde der Haushalt erst so spät vorgelegt?

Das ist mir auch nicht recht. Allerdings gibt es dafür auch Gründe. Zum einen die Umstellung auf das neue Verfahren und zum anderen der krankheitsbedingte Ausfall des Kämmerers im Januar über nahezu zwei Monate. Dennoch sind wir nicht die letzten im Kreis Biberach. Auf der anderen Seite habe ich fest vor, für den Haushalt 2020 die notwendige Eröffnungsbilanz und den Haushalt im Dezember dieses Jahres vorzulegen. Das ist unser Ziel.

Wie beurteilen Sie den Haushalt insgesamt?

Mit dem leichten Verlust können wir leben. Alle geplanten Investitionen können wir erledigen, ohne zusätzliche Kredite aufnehmen zu müssen. Zudem müssen wir die Hebesätze für die Grundsteuern nicht erhöhen. Allerdings müssen wir die weitere Entwicklung im Blick haben. Da greife ich Meinungen und Anregungen aus dem Rat auf. Wir müssen jeden einzelnen Punkt überprüfen, möglicherweise werden wir auch um Gebührenerhöhungen nicht herumkommen. Grundsätzlich sollten wir aber nicht vergessen, zu sparen und nicht über unsere Verhältnisse zu leben.

Die Liquidität ist auch nicht die beste. Wie gehen Sie damit um?

Durch den Verkauf von Bauplätzen bei unseren zwei neuen Baugebieten in Muttensweiler „Stationen Süd“ und in Ingoldingen „Am Muttensweiler Weg“ ist die Liquidität zur Erschließung der beiden Baugebiete gesichert und wir können unsere geplanten Investitionen ohne Druck angehen.

Auch in Ingoldingen ist die Gewerbesteuer zurückgegangen. Von rund 950 000 auf planerisch für 2019 auf 800 000 Euro. Auch ein Schlag ins Kontor?

Nein, denn wir haben auch in den vergangenen Jahren lediglich mit 800 000 Euro kalkuliert. Deshalb haben wir uns über den leider einmaligen Überschuss gefreut, haben jetzt aber auch kein Problem auf ein von uns geplantes Aufkommen. Unser Dank gilt den hiesigen Unternehmen, die für dieses Steueraufkommen sorgen.

Der größte Posten im Haushalt sind die Personalkosten. Mehr als ein Drittel der Mittel werden dafür gebraucht. Eine gefährliche Entwicklung?

Auch da ein klares Nein, denn wir brauchen das Personal. Wir haben die Kinderbetreuung schon ausgebaut und werden dies weiter tun. Dies geht nicht ohne zusätzliches Personal, zumal auf der anderen Seite auch die Einnahmen in diesem Bereich steigen. Allerdings müssen wir diese Position genau beobachten.

Sie haben es schon mehrfach erwähnt. Es stehen Investitionen in diesem Jahr an. Können Sie die wichtigsten nennen?

Da geht es zunächst und als erstes um den Hochwasserschutz in Degernau. Die Maßnahmen mussten ein paar Mal schon verschoben werden. Jetzt wollen wir aber endgültig im Juni damit beginnen – vorbehaltlich der konkreten Zuschüsse des Landes. 200 000 Euro sind in diesem Jahr dafür vorgesehen. Weiteres Geld soll in den Folgejahren folgen. Zweitens steht der Kauf eines neuen Fahrzeugs für die Feuerwehr in Ingoldingen auf dem Plan. Auch da sind allerdings noch keine konkreten Zuschusszahlungen bekannt. Im zweiten Halbjahr dieses Jahres müssen wir rund 400 000 Euro in den Abwasserzweckverband Riß einzahlen und der avisierte Neubau der Kinderkrippe steht an. Sicherlich der dickste Brocken für die allernächste Zukunft.

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