Grachmusikoff auf Abschiedtour

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Gut drei Stunden lang haben die Schwabenrocker von Grachmusikoff am Samstagabend rund 1500 Zuschauer mit neuen und vor allem alten Titeln im Festzelt in Winterstettendorf begeistert. Dorthin hatte die 1978 in Bad Schussenried gegründete Gruppe zum Fantreffen geladen – zum 14. und letzten Mal.

Seit die Grachmusikoff-Gründer Alexander und Georg Köberlein sowie Hansi Fink vor einigen Monaten verlauten ließen, dass Ende 2017 Schluss ist mit den Live-Auftritten, erlebt die Gruppe eine Art dritten Frühling. „Wir spielen dieses Jahr rund 90 Konzerte und hätten auch noch mehr spielen können“, sagte Hansi Fink kürzlich. Die Veranstalter reißen sich um die Schwobarocker auf Abschiedstour. Die Säle, Hallen und Zelte sind voll wie lange nicht mehr. Zu erleben auch am Samstag in Winterstettendorf. „In den vergangenen Jahren kamen zum Fantreffen etwa 800 bis 900 Besucher“, sagt Fink, „heute sind es um die 1500.“

Wie die „Gracher“ selbst sind auch die Fans mit ihren Idolen älter geworden, das Haar lichter und grauer, die Tanzbewegungen etwas dosierter und eckiger. Ähnlich geht es an diesem Abend auch auf der Bühne zu: Die Köberlein-Zwillinge und Hansi Fink, unterstützt von Martin Mohr (Schlagzeug) und Paul Harriman (Bass), verzichten auf Klamauk und Kostümwechsel der früheren Jahre und konzentrieren sich auf das, was sie ohnehin am besten können: gute Musik machen. Am dicht umlagerten Fanstand gibt es neben den inzwischen bekannten „Grachmusikoff – Too Old To Die Young“-T-Shirts auch eine neue CD. „Im Hause Sonnenschein“ heißt sie, und der Titel nimmt Bezug auf die lebensbejahende Betitelung entsprechender Pflegeeinrichtungen, in denen ältere Menschen aus allen Schichten ihre letzte Lebensphase verbringen. „Da blickt man nicht mehr nach vorne, denn da kommt nur noch der Tod“, meint Alexander Köberlein in seiner Ansage. „Man blickt stattdessen zurück und sagt: Was hatten wir für ein geiles Leben!“

Neue CD übers Altern

Grachmusikoff macht es an diesem Abend so ähnlich. Dezent werden vor allem im ersten Konzertteil einige Stücke der neuen CD eingestreut. Der große Teil des Abends bleibt aber den Grachmusikoff- und Schwoißfuaß-Hits vorbehalten. Neben wunderbaren Balladen wie „Bauragriag“, „Franz“ oder „Ikarus vom Lautertal“, sind es vor allem die schwäbisch-urwüchsigen Nummern wie „Heimatlied“, „St. Magnus“ oder „Koiner isch gefeit“, bei denen das ganze Zelt mitgröhlt.

Wie bei früheren Fantreffen ist auch diesmal wieder Schwoißfuaß-Mundharmonikaspieler Riedel Diegel dabei. Er veredelt mit seinem extravaganten Spiel nicht nur einige Grachmusikoff-Stücke wie „Drägglacha-Blues“ oder „Dr große Biffl (Heit gibt’s koine Indianer meh)“, sondern verleiht auch den rockigeren Schwoißfuaß-Nummern ordentlich Drive. „Spreng, Karle, spreng!“, „Paule Popstar“ oder „Oinr isch emmr dr Arsch“, gehen auch heute in jedem Festzelt noch immer richtig ab.

Vier Zugaben spielen Grachmusikoff weit nach Mitternacht für das begeisterte Publikum, die letzte davon „Fremde Zigaretten“ von Schwoißfuaß. „Danke für heute, danke für alles“, sagt Alexander Köberlein und winkt den frenetisch jubelnden Fans zu.

Das ultimativ letzte Konzert der Gruppe gibt es am 28. Dezember im Sudhaus in Tübingen. Im Landkreis Biberach kann man Grachmusikoff in großer Besetzung noch einmal am 29. Juni beim Summernight-Festival in Laupheim erleben.

Und auch für die Zeit nach 2017 gibt es ein kleines Trostpflaster für alle Fans: Hansi Fink hat schon angekündigt, mit anderen Bands weiter live aufzutreten. Und Alexander Köberlein will weiter Songs komponieren und veröffentlichen. Möglich also, dass Grachmusikoff, wie dereinst die Beatles, zwar nicht mehr zusammen auf der Bühne stehen, aber noch das eine oder andere Album veröffentlichen.

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