Glosse: Unterwegs im Muttensweiler Schilderwald

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Hier endet die 30er-Zone. Und dahinter: Wald und Wiesen.
Hier endet die 30er-Zone. Und dahinter: Wald und Wiesen. (Foto: Bölstler)

Straßenschilder sind wichtig. Sie weisen den gesetzestreuen Bürger darauf hin, wann er 50 km/h fahren darf und wo er besser nicht parken sollte. In manchen Fällen ist es jedoch recht kurios, wo überall Straßenschilder aufgestellt werden, um der deutschen Straßenverkehrsordnung gerecht zu werden. So etwa in Muttensweiler. Einem aufmerksamen Bürger, der lieber ungenannt bleiben möchte, ist aufgefallen, dass in seiner Siedlung in Muttensweiler seit einigen Tagen mehrere neue Schilder stehen. Drei davon stehen direkt am Ortsrand, genauer gesagt: am Beginn eines Feldwegs. Diese Schilder weisen den Bürger darauf hin, dass wenn er diesen Feldweg betritt, er die 30er-Zone verlässt und ergo dort wieder schneller fahren darf. Im ersten Augenblick denkt man sich da: Na, das hätte ich mir auch ohne Schild zusammengereimt. Noch kurioser wird es jedoch, wenn die Zeitungsredakteurin bei der zuständigen Behörde im Landratsamt nachhakt, warum diese Schilder ausgerechnet jetzt aufgestellt wurden. Die Antwort: Anscheinend ist vor Kurzem einem Anwohner aufgefallen, dass obwohl eigentlich im Wohngebiet schon lange durchgängig Tempo 30 gilt, die Straßenverkehrslage nicht überall eindeutig ist. Es standen zwar schon einige Schilder, die auf diesen Umstand hinwiesen, jedoch anscheinend nicht genügend, um der Straßenverkehrsordnung gerecht zu werden. Bei der Überprüfung der Sachlage durch das Landratsamt kam heraus: Die Entscheidung, die Geschwindigkeit in diesem Wohngebiet zu drosseln, fällte der Ingoldinger Gemeinderat bereits im Jahre 1992. Doch aus irgendeinem Grund wurde sie nicht konsequent umgesetzt. Warum, kann heute keiner mehr nachvollziehen, auch Bürgermeister Jürgen Schell nicht. Als nun bekannt wurde, dass dieser Teil von Muttensweiler seit den 90er-Jahren eine quasi straßenverkehrsrechtlich-freie Zone ist, musste natürlich etwas geschehen. Und so wurden nun also ganz gewissenhaft weitere Schilder aufgestellt, rund um das gesamte Wohngebiet. Und das grenzt eben an jene Feldwege an. Wie oft ein Autofahrer diese tatsächlich nutzt, um von hinten in das Wohngebiet zu gelangen, ist der Redaktion unbekannt. Der deutschen Bürokratie ist nun auf jeden Fall Gerechtigkeit widerfahren und alle gesetzestreuen Bürger können nun wieder ruhig schlafen.

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