Almabtrieb auf Schwäbisch

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Wenn der Almsommer für Mensch und Tier ohne tödliche Unfälle verlaufen ist, werden in vielen Gegenden Österreichs und Bayern die Herden für den Abtrieb kunstvoll geschmückt und mit Musik und Tamtam ins Tal hinab geführt. Das können wir auch, dachten sich Ende der 80er-Jahre ein paar junge Männer in Winterstettendorf – und trieben aus Gaudi eine einzelne Kuh durchs Dorf. Daraus hat sich eine feste Tradition entwickelt – organisiert von der Jugend im Dorf.

Nach vier Jahren Pause findet der Almabtrieb wieder diesen Sonntag statt. Los geht es um zehn Uhr. Die Tiere, die mitlaufen, stammen alle aus dem Dorf, denn Winterstettendorf ist immer noch eine ländlich geprägte Gemeinde mit vielen Bauernhöfen. Die meisten der Organisatoren, die zwischen 14 und 35 Jahre alt sind, haben einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft. „Schätzungsweise zehn von uns haben selbst noch einen Hof oder arbeiten auf einem“, erklärt Florian Sigg. Wie viele der Winterstetter ist der Almabtrieb für ihn eine wichtige Tradition. Seit seinem achtem Lebensjahr läuft Sigg mit. Wie bei so vielen Veranstaltungen im Dorf geht es auch hier vor allem um die Gemeinschaft – alle packen mit an, alle sind dabei.

Die jetzigen Organisatoren sind die Kinder der ersten „Rißtalsenner, wie sich die Begründer der Tradition damals selbst genannt haben. Und sie legen sich ordentlich ins Zeug, um aus der Veranstaltung etwas ganz Besonderes zu machen. So haben die jungen Leute dieses Jahr sogar ein witziges Youtube-Video gedreht, um auf den Almabtrieb aufmerksam zu machen.

Beim Umzug selbst wird es wie in den Vorjahren bunt zugehen: Nebst der üblichen Herde Rinder laufen neun Kranzkühe mit und fünf von Kindern geführte Kälber. 14 Pferdefuhrwerke haben ihre Teilnahme angemeldet, dabei unter anderem ein vierspänniger Ponywagen, ein Alphornwagen, ein zehnspänniger Wagen mit Gaisen, ein Glockenwagen mit 50 Kuhglocken und ein Wagen mit einem historischen Güllefass. Außerdem mit dabei ist die Volkstanzgruppe in historischer Tracht. Rund 100 Teilnehmer kommen so zusammen – vor fünf Jahren waren es noch 50.

Der Aufstellungsplatz und Sammelpunkt ist in der Alenbergstraße. Der Umzug verläuft dann von Wattenweiler kommend in Richtung Getreidemühle Winterstettendorf, dann über die Schmidsgasse und Waldseerstraße, die Dorfstraße bis zum Ortsende Richtung Winterstettendorf, um dann im Viehscheid-Stadl am Widder zu enden. Dort wird für Verpflegung und Musik durch das Riedberg Quintett gesorgt. Für den kulinarischen Genuss sorgt der Moschd-Joggl mit selbstgemachtem Süßmost.

Vorab findet am Freitag, 12. Oktober, der Häge-Ball, auch bekannt als Viehscheid Warm-Up, im Maschinenschopf von Familie Köberle am Widder statt.

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