„Weil es um die Würde der Opfer geht“

 Ludwig Zimmermann hielt einen Vortrag über Bischof Sproll im Gemeindehaus.
Ludwig Zimmermann hielt einen Vortrag über Bischof Sproll im Gemeindehaus. (Foto: Günter Brutscher)
Schwäbische.de

Gut zwei Stunden hat Ludwig Zimmermann aus Mochenwangen über die Vertreibung des in Schweinhausen geborenen und aufgewachsenen späteren Bischofs Joannes Baptista Sproll im gleichnamigen Gemeindehaus im Geburtsort des Bischofs referiert. So konnte der ehemalige Realschullehrer und Gastwirtssohn aus Baustetten die etwas mehr als 20 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer fesseln.

Zimmermann hat sich schon als Jugendlicher mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt, mit vielen Zeitzeugen gesprochen, recherchiert und schon als Bub schriftliche Notizen erstellt. Er, der mittlerweile bald 84-jährige, der im Jahr der Vertreibung des Bischofs geboren wurde, hat unter anderem davon berichtet, wie auch seine Familie während der Zeit Leid erfahren hat, etwa als eine seiner Tanten im Rahmen des so genannten Euthanasieprogramms in Grafeneck ermordet wurden.

Schwerpunkt seiner Ausführungen, die er immer auch mit kurzen Passagen aus seinem Buch „Das katholische Oberschwaben im Nationalsozialismus“ ergänzte, waren allerdings die Umstände, die dazu führten, dass der siebte Bischof der damaligen Diözese Rottenburg gleich zwei Mal in kurzer Zeit fliehen musste, wenngleich er, seinem Leitspruch gemäß, „fortiter in fide“, also stark im Glauben daran festhalten wollte, in seiner Diözese zu verbleiben: „Ich bin der Bischof von Rottenburg und ich bleibe der Bischof von Rottenburg.“ Zimmermann verschwieg in diesem Zusammenhang auch nicht, dass Sproll von Teilen der Diözesanleitung in Rottenburg und gar von Rom aus, wiederholt gedrängt wurde, von seinem Amt zurückzutreten.

Ausführlich erläuterte er bis ins Detail, welchen Anfeindungen der Bischof ausgesetzt war, als er 1938 nicht zur Wahl ging. Dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich hätte Sproll ja noch zustimmen können. Allerdings war mit dieser Zustimmung auch die Stimme für die Liste Adolfs Hitlers für die Wahl des „Großdeutschen Reichstags“ verbunden. Das konnte Sproll nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Zimmermann schilderte in seinem Vortrag, wie mit Franz Weiß, dem Stadtpfarrer von Söflingen, dem in Ummendorf geborenen Pfarrer von Allmendingen Karl Sailer, Kaplan Josef Gantert, dem gebürtigen Laupheimer und späteren Stadtpfarrer in Ulm St. Michael und Jugendkaplan Albert Nusser, ab 1956 Stadtpfarrer und Dekan in Biberach, sowie Amtsbruder Ernst Hofmann mutige Geistliche Bischof Sproll, der kurzfristig in Bayern war, im Mai 1938 in die Diözese zurückholten. Eine kurzfristige Rückkehr in die Bischofsstadt war allerdings erst im Juli 1938 möglich. Heftige Demonstrationen und Attacken gegen den Bischof an mehreren Tagen führten schließlich dazu, dass Sproll Ende August verhaftet und nach Freiburg gebracht wurde. Von dort aus gelangte er über mehrere Stationen schließlich im Jahre 1941 nach Krumbad, wo er bis zu seiner Rückkehr in die Diözese im Juni 1945 blieb.

Bis ins Detail eines DKW-Fluchtfahrzeugs berichtete Zimmermann in seinem von der Erwachsenenbildung der Seelsorgeeinheit Heimat Bischof Sproll organisierten Vortrag von der Flucht und Verbannung des Bekennerbischofs und davon, wie die Gläubigen und einige mutige und entschlossene Unterstützer dem Bischof treu blieben. Zimmermann verschwieg allerdings auch nicht, dass eben auch von der Kirchenleitung die Solidarität mit dem Bischof nicht immer mit letzter Entschiedenheit spürbar war. Dabei gestand er durchaus ein, dass es schwierig sei, angemessen über die damalige Zeit zu sprechen, wenngleich es längst Zeit sei, „endlich auch die Verbrecher zu benennen, weil es um die Würde der Opfer des Nationalsozialismus geht“, so Zimmermann wörtlich.

Gisela Christ erinnerte daran, dass sich der Seligsprechungsprozess für Joannes Baptista Sproll mittlerweile im elften Jahr befinde. Ein Abschluss desselben sei allerdings noch nicht absehbar.

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