Nach erweitertem Suizid ist die Frage nach dem Hintergrund weiter ungeklärt

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Die Leichen, die vergangene Woche in Unteressendorf in einem ausgebrannten Haus gefunden wurden, sind identifiziert. Es handelt sich um die 77 Jahre alte Bewohnerin des Hauses und ihren 44 Jahre alten Sohn. Die DNA-Untersuchungen seien eindeutig, teilt die Staatsanwaltschaft Ravensburg mit. Das Haus brannte Dienstag vor einer Woche komplett nieder.

Der 44 Jahre alte Sohn hatte als Jäger nicht nur eine waffenrechtliche Erlaubnis, sondern auch einen Sprengstoff-Erlaubnisschein, der ihn berechtigte, bis zu 1 Kilogramm Schwarzpulver zu erwerben.

Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl

Die Spurensicherung hat indes neue Erkenntnisse erbracht. Im Schlafzimmer wurden laut Staatsanwaltschaft erhebliche Reste von Brandbeschleuniger (Diesel) festgestellt.

Brandbeschleuniger: Diesel und Schwarzpulver?

Zur Spurensicherung waren sowohl speziell ausgebildeten Spürhunde als auch Brandsachverständige des Landeskriminalamt Baden-Württemberg im Einsatz. Nicht abschließend geklärt ist, ob zusätzlich als Brandbeschleuniger Schwarzpulver eingesetzt wurde. Hierfür spricht, dass es nach dem Ergebnis der derzeitige Ermittlungen bei dem Brand zu einer Verpuffung beziehungsweise Explosion gekommen ist. „Der 44 Jahre alte Sohn hatte als Jäger nicht nur eine waffenrechtliche Erlaubnis, sondern auch einen Sprengstoff-Erlaubnisschein, der ihn berechtigte, bis zu 1 Kilogramm Schwarzpulver zu erwerben“, sagte Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl.

Beide starben an Schussverletzungen

„Nach wie vor ist es so, dass der tatsächliche Geschehensablauf, also was sich vor der Brandlegung im Wohnhaus abgespielt hat, nicht mit Sicherheit aufklären lassen wird. Es spricht allerdings viel für einen sogenannten erweiterten Suizid“, so Diehl. Die kriminaltechnischen Untersuchungen – Spurensicherungsmaßnahmen, Lage der beiden aufgefundenen Leichen, Auffinden der Schusswaffenreste – sowie insbesondere das Obduktionsergebnis sprächen dafür, dass der 44 Jahre alte Sohn zunächst seine Mutter erschossen habe.

„Die Obduktion hat bei der Mutter als Todesursache eine schwerwiegende Herzverletzung in Folge einer Schussabgabe mit einem Schrotgewehr ergeben. Der Sohn ist dem vorläufigen Obduktionsergebnis zufolge an einem Kopfschuss verstorben, den er sich – so die Annahme nach dem derzeitigen Ermittlungsstand – mit einer Pistole selbst beigebracht hat“, erläuterte Diehl.

Rauchvergiftung ausgeschlossen

Inzwischen wisse man, dass die Schussverletzungen zum Tod der beiden Personen geführt hätten. Denn die Obduktion habe ergeben, dass beide Personen keinen Ruß in der Lunge hatten. Eine Rauchvergiftung kann damit als Todesursache ausgeschlossen werden.

Die Hintergründe für die Tat bleiben unklar. Der Sohn befand sich laut Staatsanwaltschaft seit längerer Zeit wegen Angststörungen in psychologischer Behandlung. Diese hätten sich nach dem Tod seines Vaters im vergangenen November noch verstärkt. Ob hier ein Zusammenhang bestehe, könne man jedoch nicht sagen, so Diehl. Hinweise auf die Tat habe es im Vorfeld nicht gegeben. Die Ermittlungen gelten nun als weitgehend abgeschlossen.

Autofahrer meldeten das Feuer

Der Wohnhausbrand war am Dienstag vor einer Woche gegen 2.30 Uhr in der Früh von mehreren Auto- und Lastwagenfahrer, die auf der B30 an Unteressendorf vorbeifuhren, gemeldet worden. Als die ersten Feuerwehrleute eintrafen, stand das Haus komplett in Flammen und es war unmöglich, in das Haus einzudringen. Erst nach mehreren Stunden gelang es ihnen, das Haus zu betreten und nach den vermissten Personen zu suchen. Die stark verbrannten Leichen befanden sich laut Feuerwehr im gleichen Zimmer.

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