Maschinenbaustudenten entwickeln Rollstuhltrainer

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Schwäbische Zeitung

Die eigenen Produktentwickler des Hochdorfer Unternehmens medica Medizintechnik arbeiten nach Auskunft einer Sprecherin viel mit Rehakliniken zusammen, um die Angebote auf die Bedürfnisse der Therapeuten abzustimmen. Anregungen haben sie jüngst auch von Maschinenbaustudenten der Hochschule Reutlingen erhalten: Diese haben ein mobiles Trainingsgerät für Rollstuhlfahrer entwickelt, das laut einer Mitteilung der Hochschule die Rehabilitation für Menschen mit Behinderung und Bewegungseinschränkung positiv verändern könnte.

Angeregt wurde das zunächst einmalige Kooperationsprojekt von einem Professor. Die Firma medica stellte den Studenten eine Aufgabe: ein Trainingsgerät zu entwickeln, das als Nachrüstsatz oder direkt bei der Herstellung in marktübliche Rollstühle integriert werden kann, sodass es im Rollstuhl ständig dabei sein kann. Der Nutzen für die Hochschule liegt auf der Hand: Damit erhielten die Studenten „die Möglichkeit, das erlernte Wissen auch praktisch anwenden zu können“, sagt Professor Sven Steddin. Professor Paul Wyndorp umreißt die Ziele dieser „zeitgemäßen Form der Ingenieursausbildung“: „Über den Tellerrand blicken, gemeinsam an Zielen arbeiten und vor allem praktische und sinnvolle Innovationen entwickeln, die einen echten Nutzen haben.“

Rollstuhlfahrer gibt Tipps

Elf studentische Teams erläuterten kürzlich in Hochdorf ganz unterschiedliche technische Lösungen für einen Rollstuhltrainer. Die Details des Siegerentwurfs hält die Hochschule noch geheim, weil die Anmeldung zum Patent aussteht. Praktische Unterstützung erhielten die Studenten von Nicolas Menschenmoser. Durch einen Unfall sitzt er seit zwölf Jahren im Rollstuhl und konnte Hinweise geben, „was es bedeutet, wenn man sich eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen kann“.

Otto Höbel, technischer Geschäftsführer von medica, zeigt sich beeindruckt von den Ideen: „Es gab bereits zuvor Ansätze, Trainingsgeräte in Rollstühle zu integrieren. Diese schränkten aber den Nutzerkreis, die Antriebsart des Rollstuhls oder den Zeitpunkt der Nutzung sehr stark ein.“ Ob medica ein solches Gerät produzieren wird, ist laut der Firmensprecherin offen: Außer technischen Fragen spielten dabei immer auch wirtschaftliche Gesichtspunkte und Fragen der Produktzulassung eine Rolle. Aber wertvolle Anregungen bringe die Kooperation allemal.

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