Hier werden gerade 400 Tonnen Beton verschoben

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Die Deutsche Bahn ersetzt diese Woche die alte Eisenbahnüberführung bei Hochdorf durch ein neues Bauwerk. Die Straße Hoher Rain bleibt von der Eisenbahnüberführung bis zur Abzweigung auf die B 30 voraussichtlich noch bis 17. April gesperrt.

Bereits seit September laufen die vorbereitenden Arbeiten für den Neubau der Eisenbahnüberführung. Das alte Bauwerk stammt aus dem Jahr 1912, ist also bereits mehr als 100 Jahre alt. Bevor dieses jedoch abgebrochen werden konnte, galt es zuerst, das neue Brückenbauwerk herzustellen, erklärt Jaroslav Kohoutek, der zusammen mit seiner Kollegin Yvonne Coronini die Projektleitung inne hat. Da etwas so Schweres kaum bewegt werden kann, wurde die neue Unterführung direkt vor Ort in Beton gegossen. 400 Tonnen, schätzt Kohoutek, wiegt das Gesamtwerk. In dieser Woche nun erfolgte der Abbruch der alten Brücke. Parallel wurde der Bahndamm an dieser Stelle rückgebaut, was möglich ist, da die Strecke zwischen Biberach und Aulendorf aufgrund der Elektrifizierung der Südbahn momentan gesperrt ist (SZ berichtete).

Der Einschub der neuen Brücke selbst läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst wurde eine Baugrube gegraben und mehrere Brunnen installiert, damit die Baugrube nicht im Schlamm versinkt. Danach verlegten die Bauarbeiter ein Teilfundament aus Beton. Darauf errichteten sie 1,2 Meter hohe Pfeiler aus schichtweise gestapeltem Hartholz. Auf die Holzpfeiler wurden zwei Stahlträger, die sogenannten Verschubträger, aufgelegt.

Anschließend wurde die Brücke mithilfe von Pressen angehoben. In den Zwischenraum zwischen Brücke und Verschubträger legten die Arbeiter Gleitplatten. Auf diesen Gleitplatten wurde das Bauwerk nun am Dienstag zentimeterweise mithilfe der Pressen verschoben. „Das ist der spannende Teil, denn die Pressen können das Bauwerk nur nach vorne, nicht aber nach hinten bewegen“, erklärt Projektleiter Kohoutek. Die Verschiebung erfolgt daher in ganz kleinen Schritten und zwischendurch wird immer wieder gemessen, wie weit das Bauwerk noch verschoben werden muss. Während unten ein Mitarbeiter per Knopfdruck die Pressen betätigt, stehen oben auf den Gleisen mehrere weitere Bauarbeiter und überprüfen mithilfe eines Winkelmessinstruments den Fortschritt. Gegen 15 Uhr ist es dann so weit: Das neue Bauwerk ist an seinem Platz angekommen. Nun muss es noch abgesenkt werden. Auch das ist Millimeterarbeit. Der Absenkvorgang erinnert Zuschauer an das Spiel Jenga: Das Gewicht des Bauwerks wird immer abwechselnd auf vier der insgesamt acht Pressen verteilt, die auf den Holzstapeln montiert sind. Währenddessen können die Holzplatten schrittweise herausgezogen werden. Danach werden die anderen vier Pressen belastet und die nächsten Holzplatten entfernt.

Auf diese Weise wird die Brücke ganz langsam und kontrolliert abgesenkt. Ist das geschafft, geht es darum, das Gelände wiederherzurichten. Die Baugrube wird mit Beton und Schotter verfüllt, die Schwellen und die Schienen kommen wieder an ihren ursprünglichen Platz, sodass die Züge wieder problemlos darüberfahren können. Eine Stopfmaschine stellt die millimetergenaue Lage der Schienen sicher. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 2,3 Millionen Euro.

Auch nach der Fertigstellung der Brücke bleibt der Gleisabschnitt von Laupheim West bis Aulendorf auf der Strecke Ulm - Friedrichshafen bis zum 15. Juli weiter gesperrt, da in dieser Zeit neue Oberleitungsmasten errichtet, Gleise erneuert und Schienen neu verlegt werden.

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