Bonelli: Schutz vor Starkregen „funktioniert nur miteinander“

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Das Bild weckt ungute Erinnerungen: Es zeigt Überschwemmungen 2016 in Schweinhausen. Je schneller das Wasser Hänge über den Orts
Das Bild weckt ungute Erinnerungen: Es zeigt Überschwemmungen 2016 in Schweinhausen. Je schneller das Wasser Hänge über den Ortschaften hinunterfließt, desto mehr Material führt es mit. (Foto: archiv Katrin Bölstler)

Die Gemeinde Hochdorf möchte sich beim Schutz vor Starkregen weiterhin nicht darauf beschränken, Schaden von öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden abzuwenden – was in einem Leitfaden des Landes fürs kommunale Risikomanagement Vorrang genießt. In der Debatte über den Entwurf für ein Schutzkonzept legten Thomas Booch und andere Räte Wert darauf, dass die Gemeinde sich darüber hinaus den „eklatant großen Sorgen bei sämtlichen Bürgern“ widmet. Otto Höbel erinnerte daran, dass in den vergangenen elf, zwölf Tagen schon bei vergleichsweise geringen Regenmengen wiederum Privathäuser im Gebiet Auwiesen in Hochdorf betroffen waren – obwohl die Gemeinde nach den erheblich stärkeren Regenfällen vom Mai 2016 am Hang oberhalb eine Rückhaltegrube und einen kleinen Wall geschaffen hatte. „Da liegen die Nerven blank“, sagte Höbel.

Bürgermeister Klaus Bonelli betonte, dass die Gemeinde bereits 2015 und 2016 viel unternommen habe und dass die ergriffenen Maßnahmen durchaus wirkten. Das zeige die Erfahrung mit dem starken Gewitter in der Nacht auf 1. Juni über Hochdorf und Schweinhausen. „Die Dinge haben angeschlagen“, auch die besagte Grube habe Schlamm aufgefangen. Speziell hier sei jedoch teilweise „Wasser an Stellen ausgetreten, wo es nicht erwartet wurde“ – an der Grube vorbei. Insofern gilt für Bonelli: „Wir müssen aus jedem Regenereignis lernen und nachjustieren.“

Je weiter oben, desto besser

Der Rathauschef betonte zugleich, und zwar aufs gesamte Gemeindegebiet gemünzt: „Mehr denn je muss jedem klar sein, dass es nur geht, wenn alle mitmachen – Landwirte, Eigentümer und Gemeinde.“ Denn beim Thema Starkregen besteht die Herausforderung in den teils steilen Hängen östlich der drei Ortschaften Hochdorf, Schweinhausen und Unteressendorf: Es wird daher nicht das eine Rückhaltebecken oder den einen Damm geben können, um alle Probleme zu lösen. Als Ziel gab Bonelli aus, Wasser, Schlamm und mitgeschwemmtes Material so weit oben wie möglich abzufangen, im Hochgeländ. Aus seiner Sicht ist dafür ein Beitrag der Landwirte unerlässlich, um die Bodenerosion an Hanglagen einzudämmen. „Ich möchte einen Runden Tisch machen mit den Landwirten“, um darüber zu sprechen, was Experten als „gute fachliche Praxis“ bezeichnen.

Gemeinde braucht Grundstücke

Auch die Bürger sind gefragt: Zum einen ist die Gemeinde für bauliche Schutzmaßnahmen mitunter auf Grundstücke privater Eigentümer angewiesen und Bonelli schilderte an einem Beispiel, dass er hier allzu oft auf taube Ohren stößt. Zum anderen müssten Eigentümer auch selbst vorsorgen. „Man muss sich an den Anblick gewöhnen, dass bei mancher Garage Sandsäcke liegen“, sagte Bonelli.

„Gemeinde kommt von Gemeinschaft – es funktioniert nur miteinander“, sagte er und erläuterte, dass die Verantwortlichen im Rathaus nicht untätig bleiben wollen: Außer weiteren baulichen Maßnahmen, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, „schwebt mir die Anschaffung mobiler Rückhalteelemente vor“, kündigte Bonelli an. Konkret deutete er an, dass für diese Sofortmaßnahme Geld genommen werden könnte, das im Haushalt 2018 für die Straße Wettenberg - Fischbach eingeplant ist; diese werde dieses Jahr wohl nicht mehr gerichtet. Außerdem sprach sich der Bürgermeister dafür aus, „eine Art Gewässerwart“ mit geringem Beschäftigungsumfang einzustellen, der nach Regenfällen Gräben kontrolliert und bei Bedarf freiräumt.Das hätten der Bauhof und die Feuerwehren schon bisher neben ihren anderen Aufgaben gemacht, aber sie hätten begrenzte Kapazitäten.

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