Von Männerschnupfen und Marzipan

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Das schwäbische A-cappella-Kabarett Halbadrui hat für Stimmung in Heggbach gesorgt.
Das schwäbische A-cappella-Kabarett Halbadrui hat für Stimmung in Heggbach gesorgt. (Foto: Gottfried Brauchle)
Schwäbische Zeitung

Einen Abend lang standen die Uhren im Festsaal in Heggbach auf „Halbadrui“. Die singenden Damen aus dem Illertal brachten das Publikum mit ihren Alltagsbeobachtungen rund um Schokolade und Gemüse, Figur und Frisur und natürlich Männer zum Dauerlachen.

„Hejo, mach dei Kloid zua, 's goht glei los!“ Natürlich war keine von ihnen „g’richt“ und so geriet schon das Vervollständigen der Garderobe und das wenig damenhafte und doch typisch weibliche Gerangel um einen Platz zum Umziehen „hendr dr Bühne“ – also „Bäggsdeidsch“ – zum Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer. Bevor es dann richtig zur Sache ging, begrüßte Angela Gschwender, Organisatorin der Veranstaltungsreihe des Heggbacher Wohnverbunds „Kultur in Heggbach“, das Publikum. „Wir freuen uns ganz arg, dass der Saal proppenvoll ist.“

Gerappte Adipositas-Warnung

Gewandet in Omas Sonntagskleidung – braves Kostüm, Polyesterkleid und Fuchsstola – beleuchtete „Halbadrui“ dann auf herrlich vergnügliche Weise unverfälscht schwäbisch, urkomisch und stimmlich überzeugend die Fallstricke des Alltags. Ausläufer der Grippewelle hatten aus dem Sextett ein „Feiftett“ gemacht, was die Mädels aus Unteropfingen aber nicht aus dem Konzept brachte. Unbeirrt verglichen sie singend und schwätzend Schokolade, Gemüse und Männer und kamen trotz fetzig gerappter Adipositas-Warnung zu dem Schluss, dass nur Schokolade wirklich glücklich macht. Oder doch Diamanten? „Klunker sind meine beschte Fraind“ – ein gesungenes Meisterstück, ebenso wie Armstrongs „Wonderful World“, das in der Halbadrui-Version natürlich mit einem schwäbischen und eigens auf den Ort des Auftritts zugeschnittenen Text untermalt wurde: „Dia Kend, wo umanand schbringed ... isch des schee z’Heggbach.“

Überhaupt waren die Künstlerinnen gut vorbereitet und wussten etwa vom Heggbacher Sommerfest, dass „se de do schier verdappet“ und dass die Franziskanerinnen in dem einstigen Kloster „dia, wo ma niana hau hot wella, aufgnomma hont“. Witzig und hintergründig ging es im Verlauf des Abends um die Fragen, ob die Strumpfhose „unterm Bauch oder überm ersten Ring“ besser platziert ist, ob es sich bei Marzipankartoffeln, Schnapsbohnen und Schokolinsen nun um Gemüse oder doch um Schokolade handelt und um andere delikate Themen.

Das Publikum ging von Anfang an begeistert mit und wollte die Gäste am Ende fast nicht gehen lassen. Mit „Guten Abend, gut Nacht“ und einem „mir hont furchtbar gära gsunga für ui“ verabschiedeten sich „Halbadrui“ schließlich ganz leise und wunderschön. Eingeschlafen, wie verschmitzt erhofft, sind die Zuschauer dabei aber nicht. Einige haben mitgesungen und alle sind mit einem Lächeln im Gesicht aufgestanden.

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