Wendelinusritt ist am Sonntag

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 Etwa 500 Reiter werden am Sonntag in Gutenzell beim Wendelinusritt erwartet.
Etwa 500 Reiter werden am Sonntag in Gutenzell beim Wendelinusritt erwartet. (Foto: Archiv: Ferdinand Leinecker)
Schwäbische Zeitung

Am dritten Sonntagn im September findet traditionell der letzte der großen oberschwäbischen Flurritte statt – der Wendelinusritt in Gutenzell. Etwa 500 Reiter mit ihren Pferden, sieben Musikkapellen, Pilger und Zuschauer machen sich am Sonntag, 16. September, auf den Weg von Gutenzell nach Niedernzell.

Der Wendelinusritt hat eine lange Tradition. Die katholische Kirche gedenkt des heiligen Wendelin, der ursprünglich aus königlichem Hause stammte, es aber bevorzugte, ein einfaches Leben als Landarbeiter und Viehhirte zu führen. So wird er bis heute als Schutzpatron der Hirten und der Landleute, der Bauern und Taglöhner verehrt und angerufen. Sein Name leitet sich vom althochdeutschen Wort „Wendalinus“ ab und bedeutet Wanderer/Pilger. An diesem Tag bitten die Reiter und Gläubigen in Gutenzell um den Segen der beiden Bauernpatrone Wendelin und Leonhard für Haus, Hof, Mensch und Tier.

Der diesjährige Festprediger und Reliquienträger, Tutilo Burger, seit 2011 Erzabt von St. Martin in Beuron, schreibt in seinem Grußwort an die Pilger, die Tradition des Wendelinusrittes ist deshalb gut, „weil unser Glaube an Jesus Christus nicht im Jahre 2018 stehen bleiben darf, sondern von jedem von uns lebendig gehalten werden muss. Damit entfaltet der Wendelinusritt auch in diesem Jahr seinen Sinn. Mit diesem Brauch bestärken Sie sich gegenseitig und zeigen Außenstehenden, dass Ihr Gottvertrauen Sie durchs Leben trägt, gleichsam, wie das Vertrauen des Reiters zu seinem Pferd. Der Ritt lasse Sie erfahren, wie gut und schön es ist, gemeinsam an Gott zu glauben.“

Der Festtag in Gutenzell und Niedernzell beginnt um 9 Uhr mit einem festlichen Hochamt in der ehemaligen Klosterkirche „Kosmas und Damian“ in Gutenzell. Den Besuchern wird eine besondere Messe von Wolfgang Amadeus Mozart geboten. Die Orgelsolomesse Missa in C ist die kürzeste Messe Mozarts. Sie ist straff komponiert, Wiederholungen selten. Mit nur 29 Takten hat der Meister hier sein kürzestes Kyrie überhaupt komponiert. Trotz der Kürze ist die Orgelsolomesse von Mozart aber wegen ihrer Feierlichkeit berühmt und beliebt. Das Benedictus glänzt durch einen besonderen Orgelpart. Außer der eigenen Sopranistin des Chors, Christiane Bednarski, konnten für den Alt und Tenor sowie Bass weitere Solisten gewonnen werden. Unterstützt wird der Kirchenchor außerdem durch ein kleines Orchester mit Streichern und Bläsern des Musikvereins Gutenzell.

Wallfahrtsmesse um 14 Uhr

Mit dem 12-Uhr-Läuten setzt sich der Wendelinusritt von Gutenzell nach Niedernzell durch den festlich geschmückten Ort und durch die frühherbstliche Flur in Gang. Nach dem Eintreffen der Reitergruppen, Musikkapellen und der Fußprozession in Niedernzell beginnt um 14 Uhr die Wallfahrtsmesse mit Festpredigt bei der traditionsreichen bis ins Jahr 1747 zurückreichenden Wendelinuskapelle. Der Wendelinusritt findet bei jeder Witterung statt.

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