Wolfgang Lutz

In Herbertingens „guter Stube“, in der Alemannenhalle, hatten die Gemeinden Herbertingen und Ertingen, ihre Gewerbetreibenden sowie die Michel-Buck-Gemeinschaftsschule zum elften Unternehmerabend geladen.

Als Gastredner bot der Kaufmännische Geschäftsführer der Bregenzer Festspiele, Michael Diem, interessante Einblicke in sein Unternehmen, das gleichzeitig ein Kultur- als auch Wirtschaftsunternehmen darstellt.

Dies kam nicht von ungefähr, denn seit dem Jahr 2017 besteht eine Bildungspartnerschaft der Michel-Buck-Schule mit den Bregenzer Festspielen (Schulleiter Geiselhart: „ein Sechser im Lotto“).

Herbertingens Bürgermeister Magnus Hoppe lobte das Engagement der beiden Gewerbevereine, deren Betriebe den Schülerinnen und Schülern auch die Möglichkeit bieten, über Praktika wertvolle Erfahrungen für die Berufsfindung zu erhalten.

Einen höchst interessanten Unternehmerabend erlebten (hintere Reihe, von links): BdS-Vorsitzender Armin Reck, Bärbel Heydasch, V
Einen höchst interessanten Unternehmerabend erlebten (hintere Reihe, von links): BdS-Vorsitzender Armin Reck, Bärbel Heydasch, Vorsitzende des Herbertinger Gewerbevereins, Uli Ocker, Ertingens stellvertretender Bürgermeister, Herbertingens Bürgermeister Magnus Hoppe, Michael Diem, Gechäftsführer der Bregenzer Festspiele, sowie Schulleiter Markus Geiselhart; davor die Theaterspieler der Gruppe JPS. (Foto: Wolfgang Lutz)

Als Bildungspartner hat die Michel-Buck-Schule auch ein Berufsorientierungsprogramm mit verschiedenen Projekten auf dem Lehrplan, bei dem die Berufsfindung und -Orientierung ebenfalls im Fokus stehen. Als Hausherr freute sich Hoppe natürlich über den guten Besuch der Veranstaltung: „Schön, dass ihr alle gekommen seid.“

Wenn einer „sein Unternehmen Bregenzer Festspiele“ verkaufen kann, dann ist es sicher der Kaufmännische Geschäftsführer Michael Diem. Dies zeigte er eindrucksvoll bei seinem Referat „Die Bregenzer Festspiele – gleichzeitig Kultur- wie auch Wirtschaftsunternehmen“.

Dabei stellte er gleich klar, dass man nur künstlerisch erfolgreich sein könne, wenn man auch kaufmännisch wirtschafte. Daher kooperiere der künstlerische mit dem wirtschaftlichen Bereich. Zugute komme der Seebühne, „dass wir eine einzigartige Technik auf der Seebühne haben, die Natur mit Sonnenuntergang im Bodensee und auch die Berge mit einbeziehen können“, so Diem.

So könne man vor einem großen Auditorium spielen, wobei die 7000 Plätze bei jeder Aufführung ausverkauft seien. Bei Kunst und Kultur sei dennoch nicht viel Geld zu verdienen, aber man müsse „herauskommen“. Dies funktioniert, da von den 30 Millionen, die eine Spielsaison verschlingt, 23 Millionen aus öffentlicher Hand kommen und der Rest selbst erwirtschaftet wird. Dazu beschäftigt die Seebühne 50 fest angestellte Mitarbeiter und während der Spielsaison kommen weitere 1500 hinzu.

Ist die Frage „was spielen wir dieses Jahr?“ beantwortet – „ein Prozess, bei dem die Intendanz das ganze Jahr über die Fäden spinnt und mit der richtigen Auswahl der größte Faktor für eine Erfolgsgeschichte darstellt“–, werde der Schwerpunkt dann auf das Marketing und Vertrieb gelegt.

Dabei werden sämtliche Medien genutzt, aber vor allem werden die Journalisten mit ins Boot genommen und ihnen Hintergrundwissen vermittelt. Nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ könne so eine Win-Win-Situation entstehen. „Wir bauen die Kommunikation auf, wobei unser Publikum auch was in der Zeitung lesen will“, so Diem.

Technik als Erfolgsfaktor

Viel Wert werde dann auch auf die Ausstattung gelegt. Will heißen: Die Opernbesucher schauen auf die Kostüme und auch Requisite und Bühnenbild stehen im Fokus. Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor bei den Bregenzer Festspielen ist die Technik. „Ich bin mir sicher, dass der Zuschauerschwund in Verona auf die schlechte Akustik zurückzuführen ist“, so Diems Einschätzung.

In Bregenz komme an jedem Platz derselbe Ton an. Vor allem liebten die Festspielbesucher chorale Szenen, die so natürlich voll zu Geltung kommen. Nicht zu vergessen dabei das Bühnenbild und die Szenerie, sie seien ein weiterer wichtiger Indikator für eine erfolgreiche Aufführung, ebenso wie die Akteure und die Regie. „Kommen Sie zu uns, ohne Stress, damit Sie ein positives Erlebnis haben“, lud Diem die Zuhörer ein. 2020 steht übrigens im zweiten Jahr Verdis „Rigoletto“ auf dem Programm.

Bei seinen Führungsgrundsätzen war sich Michael Diem sicher, dass sie sich sowohl auf Unternehmen als auch Schulen übertragen ließen. Dabei sei die Ausrichtung auf Resultate, also Ergebnisse, das Ziel. Dazu müsse bei einer ganzheitliche Betrachtung der Mitarbeiter erster Kommunikator und Ansprechpartner sein.

Ebenfalls wichtig: sich auf Weniges zu konzentrieren, ohne sich zu verzetteln. Also Prioritäten setzen, ungestörte Arbeitszeit gewähren und natürlich ganz wichtig dabei: die Stärken der Mitarbeiter nutzen. So könnten natürliche Begabungen der Mitarbeiter gezielt im Unternehmen eingesetzt werden.

„Über allem aber steht an erster Stelle das Vertrauen“, sagte Diem. Zusätzlich müsse eine robuste Führungssituation geschaffen werden. „Ich verzeihe den Arbeitern alles, aber dem Führungsteam weniger.“ Mit Vertrauen schaffe man auch Verlässlichkeit, wobei auch ein positives Denken dazu beitragen könne. „Eine negative Einstellung oder Zynismus haben in einem Unternehmen nichts zu suchen“, so der Referent.

Nach der Schulband entführte dann die Theatergruppe JPS der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule die Gäste in die Märchenwelt. Doch auch hier bleibt die Zeit nicht stehen, was im „Märchen im 21. Jahrhundert“ unstrittig zu erkennen war.

Nach wie vor gilt jedoch: „Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Die Akteure wie auch die Schulband, die an diesem Abend die Besucher unterhielt, ernteten viel Beifall und von Rektor Markus Geiselhart ein dickes Lob. Lob hatte er aber vor allem für den Referenten Michael Diem: „Ich bin mir sicher, die Ideen von Ihnen lassen sich auf die Unternehmen als auch auf unsere Schule duplizieren.“ Stärken stärken, das sei auch hier das Motto.

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