Treibt ein Katzenschänder sein Unwesen?

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Ein Bild aus besseren Tagen: Luna (links) und Balou.
Ein Bild aus besseren Tagen: Luna (links) und Balou. (Foto: Privat)

Treibt in Ertingen ein Tierquäler sein Unwesen? Katzenhalter befürchten das, weil irgendwer oder irgendwas ihren Tieren merkwürdige Verletzungen zugefügt hat. Einiges spreche dafür, dass diese nicht von Autounfällen herrühren, sondern von brutalen Misshandlungen.

Dass Melissa am Dienstag, 31. Juli, morgens nicht zum Fressen erschien, war untypisch für die acht Monate alte Katze von Familie Kern. Damit der Haushund keine Gewichtsprobleme bekommt, gelten nämlich feste Fütterungszeiten, die Melissa üblicherweise nicht verpasst. Als sie auch zur Mittags- und zur Abendfütterung nicht auftauchte, waren die Kerns ernsthaft besorgt. Die Suche in der Umgebung, auch in den Straßengräben, blieb ergebnislos.


... sind sehr besorgt um Melissa
... sind sehr besorgt um Melissa (Foto: Privat)

Ihre beiden sechs und neun Jahre alten Söhne seien „fast durchgedreht“, erzählt Anna Kern. Erst vor einigen Monaten sei Melissa von einem Auto angefahren worden, was die beiden Jungs schon ziemlich mitgenommen habe. Die Kerns verteilten überall im Ort Flugblätter mit einem Foto und der Beschreibung von Melissa – und der Bitte, doch in den Garagen und Kellern nachzuschauen, ob das Tier nicht versehentlich eingesperrt wurde. Drei Tage blieb Melissa verschwunden.

Bei einer der Suchexpeditionen hörte Anna Kern gegen 20 Uhr ein klägliches, aber vertrautes Miauen. Bei einem Haus, fast vor der Eingangstür, habe Melissa am Boden gelegen und nach Frauchen gerufen. Vor lauter Glück habe sie zunächst gar nicht bemerkt, dass das Tier verletzt war und Schmerzen hatte. Bei der Tierärztin habe sich dann herausgestellt: Becken und Hüftgelenk von Melissa waren gebrochen.

„Das wäre leichter zu ertragen. Ich will nichts Böses denken.“

Die Tierärztin vermutete zunächst einen Autounfall als Ursache. Das wäre auch Anna Kern am liebsten: „Das wäre leichter zu ertragen. Ich will nichts Böses denken.“ Merkwürdig sei aber, dass sie bei der Suche zuvor mehrfach an der Fundstelle vorbeigekommen sei, ohne etwas zu bemerken. Auch den Anwohnern sei nichts aufgefallen, ebensowenig deren Hund. Anna Kern vermutet, dass sich Melissa verletzt nach Hause schleppen wollte. Auffällig seien Kratz- und Schnittverletzungen an der Lippe sowie an den Hinterbeinen – das widerspreche der Unfallthese.

Anna Kern hätte es trotzdem auf sich belassen, hätte ihr nicht ein Nachbar von ähnlichen Erfahrungen mit seinen beiden Katzen berichtet. Manfred wohnt gegenüber in derselben Siedlung in der Segomarstraße. Auch Storrers Kater Balou war ein Wochenende lang vermisst; die Suche verlief erfolglos.

Fell teilweise abrasiert

Als er am Montag wieder auftauchte, wies er unerklärliche Verletzungen auf: Schnittstellen, an denen das Fell abrasiert war, Blutergüsse an den Beinen und entzündete Sehnen. Storrers Katze Luna war es besser ergangen. Sie fehlte zwar gleich fünf Tage, kam dann aber „putzmunter ums Eck“. Kater und Katze seien kastriert, sagt Manfred Storrer. Ihren Bewegungsradius schätzt er auf etwa 500 Meter. Während Luna eher scheu reagiere, sei Balou sehr zutraulich, was möglicherweise ausgenutzt worden sei.

Balou kam mit ungewöhnlichen Verletzungen nach Hause.
Balou kam mit ungewöhnlichen Verletzungen nach Hause. (Foto: Privat)

Schorrers Kater genießt mittlerweile wieder seine Freiheit. Melissa ist noch ein Pflegefall, bis die Verletzungen verheilt sind. „Für die Psyche der Kinder ist das auch schlimm“, sagt Anna Kern. Die ganze Familie sorge sich jetzt um das geliebte Haustier: „Ich habe Angst, dass jemand Fallen aufgestellt hat, mutwillig Katzen fängt und quält.“ Möglicherweise gebe es noch weitere Katzenhalter mit ähnlichen Erfahrungen, die es jeweils für Einzelfälle halten.

Das sagt die Polizei zu den Vorfällen

Der Polizei sind weitere Vorfälle nicht bekannt. Auf Anfrage heißt es, aus Ertingen sei zuletzt im November 2017 ein Fall gemeldet worden, als in der Schachenstraße auf eine Katze geschossen wurde. Grundsätzlich werde jedem Einzelfall nachgegangen: „Das ist unser Job.“

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