Landkreis beschleunigt Daten-Autobahn

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 Für den Breitbandausbau kommen hohe Kosten auf die Gemeinde zu.
Für den Breitbandausbau kommen hohe Kosten auf die Gemeinde zu. (Foto: Christian Ohde/Imago)
Schwäbische Zeitung
Wolfgang Lutz

Der Landkreis Biberach hat im vergangenen Jahr eine kreisweite Backboneplanung für die Breitbandversorgung in Auftrag gegeben. Diese beinhaltet auch die FTTB-Strukturplanung, also die Glasfaserführung bis zum Gebäude der Nutzer, die nun in der Gemeinderatssitzung für Ertingen und Eisdorf vorgestellt wurde. Dieses kreisweite Glasfasernetz soll nun flächendeckend die Grundversorgung mit schnellem Internet sicherstellen. Obwohl derzeit vonseiten der Gemeinde keine Aktivitäten in dieser Hinsicht geplant sind, stimmten der Gemeinderat Ertingen als auch der Ortschaftsrat Erisdorf der Vorgehensweise zur Herstellung des Netzes durch den Kreis sowie der Netzausschreibung durch Komm.Pakt.Net und der Teilnahme der Gemeinde zu.

Als ein sehr komplexes Thema entpuppe sich die Vorstellung des Breitbandausbaus für die Gemeinden Ertingen und Erisdorf. Zum einen ist eine solche Maßnahme im Gegensatz zum Teilort Binzwangen nicht förderfähig und zum andern müsste man derzeit bei einer Komplettversorgung der zwei Gemeinden mit rund 14,5 Millionen Euro an Investitionskosten rechnen. Der Landkreis Biberach plant die Verlegung eines Backbone-Netzes, also einer kreisweiten Datenautobahn mit Glasfaserkabeln. Dazu werden 684 Kilometer Trassenlänge nötig sein, wovon 213 neu gebaut werden müssen. Für dieses Projekt nimmt der Kreis rund 30 Millionen Euro in die Hand. Für die Gemeinden bedeutet das, dass an ein bis zwei Übergangsstellen mit dem innerörtlichen Netz an die Datenautobahn angedockt werden und somit das Glasfasernetz „vor die Haustüre“ gelegt werden kann.

„Schnelles Internet ist einfach in Zukunft Standard, daher ist der kreisweite Glasfasernetzausbau das Ziel“, so Verwaltungdezernent Manfred Storrer vom Landratsamt Biberach. Dadurch wolle man konkurrenz- und wettbewerbsfähig bleiben. Das Netz bleibe ja Eigentum der Kommunen und daraus können sie ja Erlöse von den Netzbetreibern generieren. Während der Kreis für das flächendeckende Backbone-Netz sorge, ist dann das innerörtliche Netz aufzubauen und zu finanzieren Sache der Gemeinden. Klar sei ihm auch, so Storrer, dass die Kommunen Zeit bauchen, um den Anschluss zu realisieren, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es momentan schwierig sei, überhaupt eine Förderung dafür zu erhalten. „Uns ist es wichtig, dass die Gemeinden uns zeigen, dass sie unseren Weg mitgehen“, so der Vertreter des Landratsamts.

„Mir wird es schwindlig“, so die Aussage von Bürgermeister Jürgen Köhler angesichts der Baukosten, die auf die Gemeinde zukommen. Für Ertingen und Erisdorf müssten auf einer Trassenlänge von 67 459 Metern etwa 88 391 Meter Leerrohre für den kompletten Breitbandausbau verlegt werden. Dabei fallen nach einer ersten Schätzung Kosten in Höhe von 14,36 Millionen Euro an. Wahrscheinlich werden zehn bis 15 Jahre ins Land gehen, bis ein kompletter Datennetzausbau in Ertingen und Ersdorf erfolgt ist, war man sich im Gremium einig. „Trotzdem ist die Planung sinnvoll und für uns nutzbar“, stellte Richard Heinzelmann fest. Wolfgang Gaber war dafür, die Planung des Kreises mitzutragen, obwohl er die innerörtliche Planung für Zukunftsmusik halte. „Wo es geht, sollten wir Leerrohre jetzt schon mit verlegen, und wenn von den Bürgern in fünf oder zehn Jahren Bedarf da ist, haben wir schon Vorarbeit geleistet“, so Amin Höninger. Dies wurde auch so akzeptiert und so sollen bei Neuanlagen oder Sanierungen vonseiten der Gemeinde im Netz entsprechende Leerrohre gleich mitverlegt werden.

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