In der Kälte liegt die Kraft

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Im Winter ins Wasser: Theresa Weitzmann bietet ab Oktober Kurse am Baggersee Ertingen an.
Im Winter ins Wasser: Theresa Weitzmann bietet ab Oktober Kurse am Baggersee Ertingen an. (Foto: Annette Laubenberger)
Schwäbische Zeitung

Für die meisten ist die Badesaison im September vorbei. Nicht so für Theresa Weitzmann. Die Winterschwimmerin aus Bad Saulgau weiß die vielen positiven Effekte des eisigen Gewässers zu schätzen und bietet nun auch Kurse in Ertingen an.

Es ist ein kalter, nebliger Tag im November 2019. Während es sich andere auf dem Sofa oder bei einer Tasse Tee gemütlich machen, steht Theresa Weitzmann im Badeanzug am Ufer eines Baggersees. Sie nimmt allen Mut zusammen und springt kopfüber in das zirka 10 Grad kalte Wasser. Der Kälteschock trifft sie wie ein Schlag. „Heute weiß ich, dass ich völlig falsch an die Sache herangegangen bin“, so die Saulgauerin.

Wie es das Schicksal will, ist sie an diesem Tag nicht die einzige Winterschwimmerin. Zwei Männer aus Osteuropa kommen regelmäßig an den Baggersee, um im eisigen Wasser zu baden. Von ihnen lernt Weitzmann, wie es richtig geht: Die kälteempfindlichen Hände unter die Achseln geklemmt, schreitet man zügig, aber ruhig ins Wasser. Da über den Kopf viel Wärme verloren geht, ist eine Mütze ratsam, auch Handschuhe und Schuhe aus Neopren sind hilfreich. „Außerdem ist es wichtig, tief und bewusst zu atmen“, erklärt die 39-Jährige. Anfängern empfiehlt sie, sich zunächst nur wenige Sekunden oder Minuten im Wasser aufzuhalten und nie alleine loszugehen. „Der Rest ist Kopfsache.“

Beim Winterbaden wird der Körper einem starken Temperaturreiz ausgesetzt. Das soll die Durchblutung verbessern, den Stoffwechsel anregen und das Immunsystem stärken. Auch viele Leistungssportler machten sich diesen Effekt zu Nutze, da der Körper durch die Ausschüttung entzündungshemmender Stoffe schneller regenerieren könne, so Weitzmann. Zudem komme es zur Ausschüttung von Adrenalin. „Das Glücksgefühl, das sich im Anschluss einstellt, ist unbeschreiblich“, schwärmt die Saulgauerin.

Inzwischen zieht es sie zwei bis fünfmal die Woche ins Wasser, egal ob Sommer oder Winter. Wenn sie von ihrem außergewöhnlichen Hobby erzählt, hört sie oft „Du bist sicher richtig abgehärtet.“ Doch für sie ist das Gegenteil der Fall. „Ich finde vielmehr, dass es mich offener und feinfühliger macht, ich werde also eher weicher als härter.“ Auch die besondere Verbindung zur Natur ist für sie einmalig. „Wenn ich bei totaler Stille durch Nebelschwaden schwimme, wird mein Geist ganz klar und ich fühle mich eins mit dem See.“

Die vielen positiven Effekte und den Spaß möchte die Winterschwimmerin nun in der Gruppe mit anderen teilen. Von Oktober bis April bietet sie in Ertingen Kurse an – inklusive Aufwärmübungen, heißem Ingwer-Zitronen-Wasser, hin und wieder Fotosessions und Impulsen für den Geist. Lediglich für Menschen mit Herzerkrankungen, Bluthochdruck oder Kälteallergie ist Winterbaden tabu. „Alle anderen werden sicher begeistert sein, welch unglaubliches Potenzial diese Erfahrung birgt und sich zudem für immer an den Winter 2020 erinnern“, verspricht Theresa Weitzmann.

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