Im Pfarrhaus gibt es eine Spendenaffäre

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Nach der Begegnung mit der Aeriobic-Lehrerin hat der Domkapitular die Nase voll und will den Pfarrer versetzen.
Nach der Begegnung mit der Aeriobic-Lehrerin hat der Domkapitular die Nase voll und will den Pfarrer versetzen. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz

Wie man auf unkonventionelle Art Geld auftreiben kann, um damit die notwendige Kirchenrenovation zu stemmen, ist im Lustspiel „Um Himmels Willen“ von Bernd Gombold von der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Ertingen eindrucksvoll demonstriert worden. Vor allem die Karten spielende und Alkohol trinkende Runde um den Ortspfarrer und seinen Mesner war es, die so manches Chaos auslöste und in einem wahren Gewirr von Verwechslungen und Intrigen gipfelte. Der Beifall der Besucher in der vollen Kulturhalle war der Beweis für eine tolle Leistung des Laienschauspielensembles unter der Regie von Ruth Munding.

Es ist mal wieder eine durchzechte Nacht, bei der der Pfarrer Alfons (Oliver Weigand) beim Kartenspiel seinen „Schafen“ das Geld aus der Tasche zieht. Alles für einen guten Zweck, nämlich die Kirchenrenovation. Hierbei kann er auf seinen arbeitsscheuen Mesner Johannes Höll (Urban Diesch) zählen. Sehr zum Leidwesen der resoluten, aber auch schlitzohrigen Mesnerin Hermine (Julia Diesch), die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält und als einzige die Übersicht in dem sich anbahnenden Chaos behält. Nicht zu vergessen Emma Höll (Elke Schenzle), die Frau des Mesners, die ihren Göttergatten auf Trab hält, aber aus Versehen dem Pfarrer eine Abreibung verpasst. Kartenspiel, Schnapsbrennen - das reicht alles nicht aus. Eine weitere Einnahmequelle muss her. Fremdenzimmer im Pfarrhaus: Jetzt nimmt das Ganze erst Fahrt auf, wobei eine kleine Maus das Ihre dazu tut.

Jeder hat eigene Interessen

Dann taucht Elfriede Engel (Stefanie Gulde) auf. Die Pfarrgemeinderatsvorsitzende will die Spendenaktion fürs Pfarrhaus in ihren eigenen Wahlkampf stecken und ihre Nichte Uschi Engel (Sarah Neubrand) als Nonne im Kloster unterbringen. Zuerst liest sie aber Pfarrer Alfons die Leviten. „Na ja, der Herrgott kann sich sein Bodenpersonal auch nicht immer aussuchen“, so der Geistliche. Er ermahnt die Dame aber, so viele Spenden wie Beschwerden zu sammeln. Domkapitular Dr. Jüngling (Uli Ocker) soll die Schandtaten im Pfarrhaus aufdecken und beenden. Als ersten will er sich Pfarrer Alfons vorknöpfen, der sich aber gerade um die Mäuse auf der Pfarrwiese kümmert. „Na prima, der Pfarrer beim ,Mausen' und der Mesner im Talar“, so der Domkapitular. „Wie soll ich das dem Bischof beibringen? Ich bleibe, bis die Ordnung im Pfarrhaus wieder hergestellt ist.“ Das soll er noch bereuen.

Inzwischen flutscht die Zimmervermietung im Pfarrhaus ganz gut. Ein pfiffiges Kerlchen, Siggi Bischoff (Benjamin Christ), heimlicher Freund von Uschi Engel, hat sich nicht ganz uneigennützig eingemietet. Er gerät gleich in die Mühle von Verwechslungen und fühlt sich in seinen Rollen als Angestellter im Pfarrhaus und Pastoralreferent wohl. Ganz im Gegensatz zu Hans Meßmer (Stefan Klekler), einem Heiratswilligen, für den im Pfarrhaus „keine Sau“ Zeit hat. Der Domkapitular hat sich gut eingelebt und ist den leiblichen Genüssen der Pfarrhaushälterin erlegen: Leber mit Apfelscheiben.

Doch dann steht eine Mieterin auf der Matte, die es krachen lässt: Aerobic-Lehrerin Heidi Blum (Sabrina Gotterbarm). Erstes Opfer: Domkapitular Dr. Jüngling, den sie huckepack nimmt und ihm fast das Kreuz ausrenkt. Das ist genug für den Gottesmann. Die Konsequenz: Er hält die Predigt am Sonntag und verkündet: „Der örtliche Pfarrherr wird nach Mochenwangen versetzt.“

Jetzt werden alle Geschütze aufgefahren, denn das muss verhindert werden. Und obwohl das Chaos schon auf den Höhepunkt zusteuert, platzt auch noch Handarbeitslehrerin Heidemarie Rosenfeld (Martina List) ins Zimmer. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, schießt sich die Haushälterin jetzt mit voller Dröhnung auf den Domkapitular ein. Er weiß von nichts und der „Stoff“ in seinem Blut löst ungeahnte Hormone aus: „Nur ein Streber isst freitags keine Leber“.

Ganz am Ende steht einer großzügigen Kirchenrenovation nichts mehr im Wege. Tosender Beifall für das ganze Team am Ende der Aufführung war ein Zeichen dafür, dass die Theaterbesucher ihren Spaß hatten. Zum Erfolg beigetragen haben dabei aber neben den Schauspielern auch Ruth Munding (Regie), Johanna Reuter (Souffleuse) und Erika Neubrand, die für die „Maske“ verantwortlich zeichnet.

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