Hilfen für Menschen mit Handicap

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 Blindenschrift ermöglicht Sehbehinderten die Teilhabe – hier in einem Restaurant. Über das Leben mit diesem Handicap berichtet
Blindenschrift ermöglicht Sehbehinderten die Teilhabe – hier in einem Restaurant. Über das Leben mit diesem Handicap berichtet ein Betroffener im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in Ertingen. (Foto: Armin Weigel/dpa)
Schwäbische Zeitung

Wie erlebt ein Mensch mit Sehbehinderung die Welt? Wie bewältigt er seinen Alltag? Darüber berichtet ein Betroffener am Samstag, 16. März, im Gerhard-Berner-Haus in Ertingen. Es ist der Auftakt für eine Reihe von Veranstaltungen der Evangelischen Kirchengemeinde zum Thema „Inklusion leben“.

Das Thema Inklusion wird hauptsächlich in Schulen aufgegriffen. Die Evangelische Kirchengemeinde möchte mit diesen Angeboten Begegnungsräume öffnen, in denen Mitgefühl und Verständnis für die verschiedenen Behinderungen entstehen und sich entwickeln können. Menschen, die mit einem Handicap leben, erhalten die Möglichkeit, Betroffenen zu begegnen. Während es im Frühjahr um das Leben mit Blindheit oder Sehbehinderung geht, liegt im Herbst der Schwerpunkt auf dem Leben mit Lähmung und Bewegungseinschränkungen. Im Sommer 2020 folgt der Themenkomplex Leben mit Gehörlosigkeit oder Hörminderung.

Eingeladen sind Menschen, die mit Einschränkungen oder Behinderungen leben und besonders auch Angehörige, Nachbarn, Bekannte und Freunde. Eingeladen sind ebenso im Pflegebereich Tätige oder ehrenamtlich Engagierte in Helferkreisen in den Gemeinden. Eingeladen sind Kinder, Jugendliche, Eltern, Senioren und alle Interessierten. Willkommen sind gerade auch die Menschen, die sich eher „verkriechen“ möchten wegen ihrem „Anderssein“, schreibt die Kirchengemeinde. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Die Veranstaltungsreihe beginnt am Samstag, 16. März, um 19.30 Uhr in Ertingen im Gerhard-Berner-Haus mit Dr. Eberhard Hahn aus Güglingen bei Heilbronn. Er selbst ist blind geboren, hat studiert und das Klavierspiel erlernt. Er wird über die Bedeutung und Erfindung der Blindenschrift sprechen und dabei das Leben dessen Erfinders, Louis Braille, skizzieren. Ebenso wird er aus seinem Leben erzählen. Der Referent bringt dafür verschiedene Hilfsmittel mit, mit denen er seinen Alltag bewältigt.

Eberhard Hahn wird gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls sehbehindert ist, auch am Sonntag um 10.45 Uhr im Gottesdienst in Ertingen teilnehmen. Er wird dabei über die Vereinsamungsgefahr von Menschen sprechen, die mit einer schwindenden Sehkraft oder einer anderen Behinderung konfrontiert sind. Wer für den Gottesdienst einen Fahrdienst benötigt, kann sich im Pfarramt unter Telefon 07371/2567 melden.

Die zweite Veranstaltung zu diesem Thema ist am Mittwoch, 27. März, um 19.30 Uhr, im Johannes-Zwick-Haus in Riedlingen. Ingrid Haag, Geschäftsführerin vom evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienst Stuttgart, wird über Augenerkrankungen, vor allem im Alter, sprechen. Plötzliche gravierende Sehverluste ziehen meist belastende, aufwühlende Emotionen nach sich. Die Referentin gibt eine Einführung in die Erkrankungen des Auges. Sie stellt die Auswirkungen auf den Alltag dar und wird mit vielerlei Tipps darüber informieren, mit welchen Hilfen die Alltagsbewältigung möglichst selbstbestimmt gelingen kann.

Bei der dritten Veranstaltung am Samstag, 13. April, um 15 Uhr wird es gemütlich beim Begegnungsnachmittag im Gerhard-Berner-Haus in Ertingen. Die blinde Kräuterfachfrau Marion Krause aus Königsbronn wird Kräuter erklären und sie im wahrsten Sinne des Wortes „begreiflich“ machen. Danach haben Interessierte die Möglichkeit, sich mit verbundenen Augen durch Haus und Garten führen zu lassen oder bei einer Handmassage mit duftenden Ölen massiert zu werden.

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