Ertingen hat schon jetzt ein volles Programm

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„Schon jetzt ein volles Programm“
„Schon jetzt ein volles Programm“ (Foto: W. Lutz)
Schwäbische Zeitung

Einige große Bauvorhaben sind im vergangen Jahr in Ertingen umgesetzt worden. Die Gemeinde hat derzeit die große Chance, an das Breitbandnetz angeschlossen zu werden. Bürgermeister Jürgen Köhler gibt im Interview mit der Schwäbischen Zeitung einen kleinen Abriss dessen, was in Ertingen alles passiert ist und was 2020 auf der Agenda steht.

Was waren für Sie die herausragenden Ereignisse im Jahr 2019 in Ertingen?

Hier gab es viele Ereignisse, welche unsere Gemeinde geprägt haben und auch für die Zukunft prägen werden. Die derzeit gute konjunkturelle Lage ermöglichte es uns, bereits begonnene Projekte weiterzuentwickeln, neue Maßnahmen zu beginnen und wichtige Schritte für die künftige Entwicklung unserer Gemeinde einzuleiten und voranzubringen. Mit dem größten Sanierungsprojekt in der Ertinger Geschichte, der Sanierung der Michel-Buck-Gemeinschaftsschule, liegen wir im voll im Plan. Diese wird uns durch das komplette Jahr 2020 bis in den Sommer 2021 mit ganzer Kraft beschäftigen. Die nächste Großbaustelle war die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt mit dem Bau des Kreisels im Bereich des Engel-Areals. Im Frühjahr wurde mit der Baumaßnahme begonnen, es wurden im Bereich der Herbertinger, Binzwanger und Michel-Buck-Straße Kanalisations-, Wasserleitungs- und Straßenbauarbeiten durchgeführt.

Was mich besonders freut: Das seit Jahren anhängige und sehr nervenaufreibende Gerichtsverfahren zwischen der Gemeinde Ertingen und dem Shredderwerk Herbertingen wegen dem Großbrand und der folgenden PFT-Trinkwasserverunreinigung in unserem Pumpwerk Donautal wurde vor dem Landgericht Ravensburg mit einem Vergleich über 1,5 Millionen Euro für die Gemeinde Ertingen abgeschlossen.

Die große Wasserverbundleitung Ertingen-Riedlingen ist in den letzten Zügen und wird derzeit ans Versorgungsnetz angeschlossen. Ganz wichtig: Durch die Fertigstellung der großen Wasserverbundleitung ist auch bei einem möglichen Ausfall eines Pumpwerkes die Trinkwasserversorgung für unsere Bürger gesichert.

Die neue „PV-Freiflächenanlage Sulz“, welche Strom für rund 700 Haushalte liefert, ist fertiggestellt. Die Anlage wird im Frühjahr vom Träger Erdgas Südwest mit einem Tag der offenen Tür feierlich eingeweiht.

Beim Glasfaserausbau haben wir als „Modellgemeinde Ertingen“ die einmalige Chance, an das digitale Netz angeschlossen zu werden. Die direkte Glasfaser ist die absolute Zukunft im Bereich der Telekommunikation, größte Daten- und Informationsmengen werden sprichwörtlich in Lichtgeschwindigkeit verschickt. Die verschiedensten Anwendungen, wie surfen, laden, spielen, Arbeiten von zu Hause, das Bedienen der Geräte von unterwegs und in Zukunft das Fernsehen erfordert eine immer höhere Datenleistung. Da die Glasfaser zur Datenübertragung lediglich Licht nutzt, gibt es auch keine Strahlung ab. Wir erhalten einen kostenlosen Glasfaseranschluss bis ins Wohnzimmer, wenn die Bürger dies wünschen. Zur wichtigen Aufklärung und Unterstützung der Bürger hat sich die Interessengemeinschaft „Ertingen pro Glasfaser“ gebildet. Eine Gemeinschaft von Bürgern aller Altersklassen, welche erkannt haben, wie wichtig und zukunftsweisend solch ein Anschluss jetzt und nicht erst in 20 Jahren ist. Besonders herausragend sind für mich die Initiatoren und Helfer der Interessengemeinschaft mit ihrem unermüdlichen Einsatz zu dem großen Ziel „Glasfaser in jedes Haus“ in der Gemeinde Ertingen.

Mit großer Spannung erwartet wurde die Eröffnung des neuen Edeka-Vollsortimentmarktes, in ortsmittiger Lage eine große Bereicherung im Bereich der Infrastruktur für unsere Bürger.

Welche Momente waren für Sie besonders emotional?

Da gab es aufgrund der vielfältigen Themen natürlich viele solcher Momente. Emotional berührt haben mich die Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Partnerschaft mit Granges während des Krähbrunnenfestwochenendes. Die vielen Veranstaltungen unserer Vereine, ob im sportlichen oder kulturellen Bereich ,erfüllen mich immer wieder aufs Neue mit großem Stolz. Dankbar bin ich für die Begegnungen mit den Vereinen in unserer Gemeinde, welche sich in besonderer Form den bedürftigen Menschen annehmen (Altenhilfeverein, Helferkreis Asyl und dem Netzwerk Miteinander). Emotional bewegt hat mich im Persönlichen die Wahl in den Kreisrat: Gestärkt mit einem sehr guten Wahlergebnis und somit einem großen Vertrauensbeweis darf ich die Raumschaft und unsere Gemeinde nach bestem Wissen und Gewissen im Kreistag vertreten.

Welche Vorhaben gilt es nächstes Jahr anzupacken?

Wie schon erwähnt, wird uns die Sanierung der Michel-Buck-Schule bis ins Jahr 2021 begleiten. Bei den Baugebieten war die Entwicklung in den vergangenen Jahren beeindruckend, wir sind schnell gewachsen, parallel zur Innenentwicklung möchten wir wieder Bauland zur Verfügung stellen. In Erisdorf und Ertingen sind wir im Eigentum der benötigten Grundstücke, der Aufstellungsbeschluss für die Baugebiete mit jeweils rund 40 Plätzen wurde bereits gefasst, sodass wir hoffentlich bis Ende des Jahres mit den Erschließungen beginnen können. In Binzwangen sind noch wenige Bauplätze verfügbar, Grundstücksverhandlungen für neue Plätze am Laufen. Bei der Kanalsanierung werden wir das Dringlichkeitskonzept weiter abarbeiten, die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED Schritt für Schritt nach unserem Zeitplan umsetzen. In den nächsten Jahren an verschiedenen Wirtschafts-, Feld- und Gemeindeverbindungswegen eine Sanierung entweder mit Verbreiterung oder dann Belagserneuerungen vornehmen. Für eine Umgestaltung am Friedhof mit neuen Bestattungsformen wird im Gemeinderat zeitnah eine aktuelle Planung vorgestellt. In unseren Kindertagesstätten sind wir mit der Aufnahmekapazität am Rande, vor allem in Ertingen im Bereich der Krippe und beim „Fabeltier“; dieses Thema wird gleich im neuen Jahr auf der Agenda des Gemeinderates stehen. Im Gewerbegebiet Süd sind die Betriebe mit schneller Glasfaser zu versorgen. Beim Hochwasserschutz steht der Bau der beiden Rückhaltebecken in Erisdorf an und noch viele kleinere Maßnahmen. Wie man sieht, haben wir schon jetzt ein volles Programm, das es umzusetzen gilt und die Haushaltsberatungen stehen noch an, es bleibt wie immer spanne und und mit Sicherheit nicht langweilig.

Die medizinische Versorgung ist bei uns Gott sei Dank nach wie vor gut. In Binzwangen wird gerade von einer Ertinger Gemeinschaftspraxis eine neue Arztpraxis gebaut, zwei weitere Ärzte werden zu den bisher vier Ärzten in dieser Praxis hinzukommen, um ab Juli zusätzlich in der neuen Arztpraxis Am Binsenberg in Binzwangen zu praktizieren.

Stehen im kommenden Jahr besondere Jubiläen oder Veranstaltungen an?

Bei über 60 Vereinen in der Gemeinde steht in der Regel immer ein Jubiläum an. Wir freuen uns gleich im Januar auf die Investitur des neuen katholischen Pfarrers Michael Stork. Dann werden im März in Frankreich die Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Granges stattfinden. Ende des Jahres werden die Theaterfreunde Binzwangen ihr 50-jähriges Bestehen feiern, da bin ich gespannt, was sie sich da einfallen lassen. Und dann sind da noch die zahlreichen Veranstaltungen und Konzerte der Vereine über das ganze Jahr hinweg, welche jede einzelne ein Besuch wert ist.

Sie haben drei Wünsche für Ihre Gemeinde frei. Was wünschen Sie sich?

Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts! Schon vor über 150 Jahren erkannte Arthur Schopenhauer mit diesem Zitat, dass Gesundheit das höchste Gut des Lebens ist – Gesundheit für alle Bürger steht mit Abstand an oberster Stelle. Dass wir die Riesenchance als Glasfasermodellgemeinde nutzen, die 1000 benötigten Haushalte in der Vorvermarktungsphase baldmöglichst erreichen und so für die Zukunft mit einem Glasfaseranschluss bis ins Wohnzimmer bestens vorbereitet sind. Dass die Menschen auch weiterhin bereit sind, in Vereinen und Organisationen Verantwortung zu übernehmen und somit einen wesentlichen Teil zur Attraktivität unserer Gemeinde beitragen. Dass das sachliche und konstruktive Miteinander so bleibt wie bisher – dann sind wir mehr als zufrieden.

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