Ein Ständchen zum 100. Geburtstag

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 Der stellvertretende Bürgermeister Uli Ocker überbrachte die Glück- und Segenswünsche zum 100. Geburtstag von Elisabeth Kramer
Der stellvertretende Bürgermeister Uli Ocker überbrachte die Glück- und Segenswünsche zum 100. Geburtstag von Elisabeth Kramer und das Ensemble des Musikvereins Ertingen gratulierte mit einem musikalischen Ständchen. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz

„Schaffa, schaffa“ ist laut Elisabeth Kramer aus Ertingen die beste Medizin, um 100 Jahre alt zu werden. Sie hat es geschafft und zu ihrem Festtag lud sie ihre Angehörigen am Sonntagnachmittag zum Kaffekränzle ins Pflegeheim ein. Neben vielen Gratulanten wartete auch eine Abordnung des Musikvereins Ertingen mit einer musikalischen Überraschung auf. Seit über 25 Jahren unterstützt Elisabeth Kramer als passives Mitglied den Musikverein und dafür wurde ihr nun mit einem Ständchen zu ihrem Ehrentag gratuliert und vom Vorsitzenden Urban Diesch gab es noch kleine Geschenke. .

Elisabeth Kramer wuchs mit einem Bruder und zwei Schwestern auf dem elterlichen Hof in Ertingen auf und da hieß es schon in jungen Jahren mit anzupacken. Kaum aus der Schule, musste sie zum Unterhalt der Familie beitragen. In der ehemaligen Samtfabrik in Ertingen, die sich im Bereich des ehemaligen Bahnhofs befand, arbeitete sie vier Jahre lang, bis es sie nach Untertürkheim verschlug. Dort war sie in einem Haushalt tätig, aber nach vier Jahren zog es sie wieder in die Heimat zurück. "Zusammen mit meiner Tante, die ebenfalls in Untertürkheim beschäftigt war, sind wir zu Fuß nach Ertingen gelaufen und waren froh, dass wir die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs überstanden hatten", erinnert sich die 100jährige. In der Heimat fand sie dann erneut eine Anstellung in der Samtfabrik.

Nach dem Krieg waren die Möglichkeiten sich zu vergnügen oder jemanden kennen zu lernen etwas beschränkt. Zu ihrem Vater kamen aber regelmäßig Kriegskameraden und Nachbarn zum Kartenspielen. Als Ersatz durfte sie hie und da einspringen. Zu dieser Runde zählte auch Felix Binder. Mit ihm freundete sie sich an und daraus wurde schließlich mehr. Im Alter von 32 Jahren heiratete Elisabeth ihren Felix. Die beiden bewirtschafteten in Ertingen eine Landwirtschaft. 18 Jahre später starb ihr Mann und sie selbst musste ein Jahr in einer Art Kurklinik in Stetten am Kalten Markt verbringen, wo ihre Wirbelerkrankung geheilt wurde. In dieser Klinik lernte sie eine Frau aus Geisingen mit ihrem Mann kennen, die an der selben Erkrankung litt. Sie verstarb nach dem Krankenhausaufenthalt und Elisabeth Kramer ehelichte deren Mann Paul. So wurde ein zweites Mal im Jahr 1972 geheiratet und Elisabeth Kramer zog zu ihrem Mann nach Geisingen, der dort eine Schreinerei betrieb. „So isch boide g’holfa gsei.“ Nach dessen Zurruhesetzung zog es die beiden nach Ertingen, wo sie 1980 ein Haus bezogen. 1994 verstarb Paul Kramer. Mit 91 Jahren gab Elisabeth Kramer dann ihren eigenen Haushalt auf und zog 2008 ins Pflegeheim in Ertingen, wo sie nun ihren Lebensmittelpunkt hat.

Auf das Rezept angesprochen, wie man 100 Jahre alt wird, kam es wie geschossen aus ihrem Munde: „Schaffa, schaffa, Häusle baua“. Und: „I han bloß g’schaffet, drom bin i so alt wora“, so die Jubilarin. Ein Hobby von ihr ist die Gobelin-Stickerei. Von über 30 großen und kleinen Bildern hat sie eine Auswahl in ihr Zimmer gehängt und kann sich daran erfreuen. Ihre Nichte bringt ihr zudem wöchentlich die Schwäbische Zeitung, „wo i da hintra Doil leas“, so Elisabeth Kramer. 27 Mädchen gingen mit ihr einstmals in die gleiche Klasse, aber allein sie habe die 100 geschafft, ist sie stolz. Da ihre Ehen kinderlos blieben, hat sie ihre noch zwei lebenden Schwestern und deren Familien ins Pflegeheim zum Kaffeekränzchen eingeladen. Ihre Wünsche für die Zukunft sind bescheiden: „Schlofa, no hond alle a Ruah vor mir und koine Schmerza, des isch wichtig.“

Im Garten des Pflegeheims hatte sich unterdessen schon ein Ensemble des Musikvereins Ertingen aufgestellt und nach dem ersten Stück, war es der stellvertretende Bürgermeister Uli Ocker, der Grüße und Glückwünsche der 100-Jährigen überbrachte. „Es ist ein besonderer Tag, wenn eine gebürtige Ertingerin das hohe Alter von 100 Jahren erreicht“, so Uli Ocker. So sei es angebracht, namens des Bundespräsidenten, des Landrats, des Bürgermeisters und der ganzen Einwohnerschaft gratulieren dürfe. „Der Blumenstrauß ist vom Landrat, muss ich ausrichten“, so der stellvertretende Bürgermeister. Das werde er sich wohl leisten können, denn allzu viel Kreisbewohner kämen ja verständlicherweise nicht in den Genuss. Inzwischen hatten sich auch einige Heimbewohner im Garten versammelt, um dem Geburtstagskind zu gratulieren und auch den Musikstücken zu lauschen. Auf jeden Fall war Elisabeth Kramer überrascht, dass man ihr auch eine musikalische Freude bereitet hat.

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