Die letzte von vier Ertinger Mühlen

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 Die Ertinger Nahmühle geht auf das Ursprungsjahr 1684 zurück.
Die Ertinger Nahmühle geht auf das Ursprungsjahr 1684 zurück. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz

Hochbetrieb herrscht derzeit vor dem Ertinger Mühlengebäude, der Nahmühle. Bauern liefern mit ihren Traktoren und Anhängern frisch gedreschten Weizen und Gerste an. Ein Saisongeschäft, wie man es seit Jahrzehnten bei der „Nohmiele“ kennt, wie sie im Volksmund genannt wird.

Lorenz Neubrand hat im Jahr 2006 von seinem Vater Rudolf, der bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr im Alter von 88 Jahren noch mitgearbeitet hat, das stattliche Mühlengebäude und den Betrieb übernommen. Er und seine Frau Silvia führen es traditionsgemäß weiter, wobei sich Arbeitsweise und Vermarktung des angelieferten Getreides deutlich verändert haben. Auch wurde mit dem angegliederten Mühlenladen das Angebot für die Kundem erweitert und bietet daher auch einen zusätzlichen Erwerbszweig für den Betreiber.

Wenn man in früheren Jahren mit dem Traktor vor die Mühle fuhr, um sein Getreide abzuliefern, diente es zu damaliger Zeit als willkommenes Tauschobjekt. Der Weizen wurde gewogen und dementsprechend konnte man sich mit Weiß- und Schwarzmehl das Jahr über eindecken, was dann mit dem gelieferten Getreide verrechnet wurde. So wurde das Schwarzmehl vorwiegend zur Herstellung von Brot und das Weißmehl vor allem zum Kuchenbacken verwendet. Dabei war es immer interessant, beim Anliefern des Getreides einen Blick in das Innere der stattlichen Mühle zu werfen, wo man einen brotartig-mehligen Geschmack aufnahm, den man nicht mehr vergisst. Für uns Kinder damals dann das Höchste, als der Vater von Lorenz Neubrand uns aufforderte, mit dem Lastenaufzug, der über eine Transmission betrieben wird, in die einzelnen Stockwerke zu fahren, wo Mahlsteine, Rütteltische, Siebe und manch andere typische Gerätschaft einer Mühle zu bestaunen waren. Doch dieses Tauschgeschäft Getreide gegen Mehl, so Lorenz Neubrand, wurde aufgegeben.

Heute liefern die Bauern ihr Getreide an, das in riesigen Silos im Mühlen-Nebengebäude gelagert und dann der Weiterverarbeitung zugeführt wird. Sei es durch den Verkauf des Getreides oder auch noch zum Mahlen im eigenen Haus. Gerade hier hat sich die Nahmühle einen Namen gemacht, denn „die Liste an Mehlsorten ist lang, die wir produzieren“. Ob reines Mehl oder verschiedene spezielle Mischungen, vom feinen bis griesartigen Mehl, alles wird für den Verbraucher hergestellt. „Und das alles mit heimischem Korn aus unserer Region“, betont Lorenz Neubrand. Die Mühle aus dem Jahr 1648 ist auch die letzte der ehemaligen vier Ertinger Getreidemühlen. Angetrieben werden die Mühlsteine nach wie vor durch eine Wasserturbine, die von der Schwarzach gespeist wird. Zusätzlich produziert Neubrand damit auch Strom, den er ins eigene Netz einspeisen kann. Einstmals war ein riesiges Mühlrad in der Brunnenstube untergebracht, die den gleichen Dienst wie die Turbine versah. Neubrand bedauert schon etwas, dass man dieses stattliche Mühlrad durch eine Turbine ersetzt hat.

Mühlenladen

Als zweites Standbein hat sich Lorenz Neubrand einen Mühlenladen eingerichtet, in dem zum einen eigene Produkte und zum andern auch zugekaufte Waren angeboten werden. Die große Auswahl an Mehl- und Griessorten stammt aus eigener Herstellung, dazu kommen weitere regionale Spezialitäten und Zutaten aller Art. Ein weiterer Verkaufszweig stellt auch das große Angebot an Tiernahrung dar. Trotzdem hat sich im Innern der Mühle nicht allzu viel verändert, als wäre die Zeit stehengeblieben. Aber beim Hinausgehen habe ist immer noch der Geruch von Mehl, von Getreide in der Nase. So was vergisst man nicht, wenn man selbst mal in einer Mühle zu Besuch war.

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