„Der Volkstrauertag ist ein Tag der Mahnung“

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 Mit Kränzen wurde in Ertingen den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt gedacht.
Mit Kränzen wurde in Ertingen den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt gedacht. (Foto: W. Lutz)
Wolfgang Lutz

Jedes Jahr erinnern sich die Bürger am Volkstrauertag der Opfer, die durch Krieg den Tod erlitten haben. Dieses Gedenken soll aber nicht nur Mahnung dafür sein, dass sich solches nicht wiederholt, sondern auch an das erinnern, was sich derzeit Schreckliches auf dem ganzen Erdball abspielt. Dazu sagten auch die Bilder der Künstlerin Marianne Quénérvehé eindringlich aus, die im Rathaus ausgestellt sind. In einem ökumenischen Gottesdienst in Ertingen führten Gemeindereferentin Andrea Hoffmann und Pfarrerin Julia Kaiser anhand dieser Werke den Menschen vor Augen, was sich für eine Ungerechtigkeit, was für ein Elend sich auf der ganzen Welt abspielen. Auf dem Friedhof gedachten dann alle Ertinger Vereine sowie die Bevölkerung den Opfern von Krieg, Terror und Gewalt.

„Der Volkstrauertag ist längst nicht nur ein Tag des Gedenkens, er ist ein Tag der Mahnung“, so Bürgermeister Jürgen Köhler am Kriegerdenkmal. Obwohl die beiden Weltkriege schon lange Zeit zurückliegen, sei dieser kostbare Frieden nicht selbstverständlich. Das westliche Modell liberaler Demokratie verliere an Souveränität und öffne Tür und Tor für Verunsicherung, Politikverdrossenheit und extreme Strömungen. China wolle immer mehr weltweiten Einfluss nehmen, der Nordkorea-Konflikt habe die Menschen in Atem gehalten und auch die Spannungen zwischen den USA und dem Iran seien hoch explosiv. Der Brexit ziehe sich hin, zum Nachteil Europas. Aber auch der leidvolle Krieg in Syrien mit einer einhergehenden Flüchtlingswelle habe die Menschen berührt. „Umso dankbarer dürfen wir sein, dass weitere Kriege verhindert wurden und dass sich dafür unzählige Menschen erfolgreich eingesetzt haben“, so der Bürgermeister.

Eine herausfordernde Aufgabe sah er darin, an einem starken Haus Europa zu bauen, denn das werde entscheidend sein für weiterhin Freiheit, Wohlstand und Demokratie für die Menschen. Europa sei aus dem Boden der Zerstörung und Verwüstung durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hervorgegangen. Die Entwicklung habe nun aus dem Bösen mit Europa auch was Gutes erwachsen lassen. Und Europa wuchs, nicht zuletzt auch durch den Schutz der USA. „Wir Europäer haben aber das Schicksal Europas an andere delegiert und uns wie hinter einem Schutzwall gemütlich eingerichtet“, so die Feststellung von Jürgen Köhler. Doch dieser Schutzwall bröckele immer mehr ab.

Auf die USA könne man sich als Verteidiger unseres Friedens nicht mehr verlassen. „Hinter dem Schutzwall aus delegierter Verantwortung war es komfortabel, dass wir vergessen haben, dass der, der ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln soll, eine gemeinsame Identität braucht.“ Man habe vergessen, den Menschen zu vermitteln, dass Europa nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft darstelle, sondern dass dahinter ein Versprechen auf Frieden, Freiheit und Wohlstand stehe, das in Zukunft alle Kriege zwischen den Ländern verhindern soll. Wir Europäer müssten uns endlich wieder zusammenschließen in dem Bewusstsein, dass man aus der Geschichte heraus eine historische Verantwortung habe für das stetige Bemühen um ein friedliches Zusammenleben aller Menschen.

Dazu müsse auch am „Haus Europa“ weiter gebaut werden. Die Politiker sollen auf die Männer und Frauen an der Basis in ihren Ländern schauen. „Wir wissen, wie Europa geht und beweisen es täglich im Alltag“, stellte Bürgermeister Jürgen Köhler klar. Man wolle ein starkes Europa, ein Europa, das geht. Dafür stehe man ein. Die Menschen die Aufgabe, sich für eine starke Gemeinschaft und vor allem für ein starkes Haus Europa einzusetzen. Während sich die Fahnen am Kriegerdenkmal senkten, wurden unter dem Spiel der Musikkapelle zum Gedenken der Opfer Kränze niedergelegt. Mit einem dreifachen Salut der Reservistenkameradschaft ging eine würdevolle Gedenkfeier auf dem Friedhof zu Ende.

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