„Damit es nicht dunkel wird“

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 Monika Schaufler weiß Bescheid über Hilfsmittel für Blinde.
Monika Schaufler weiß Bescheid über Hilfsmittel für Blinde. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz

Seelsorgerische und geistige Unterstützung für sehbehinderte und blinde Menschen ist eine der vielen Aufgaben der Blindenseelsorgerin Monika Schaufler aus Ertingen. Nach über 30 Jahren ist sie wieder in die Heimat, in das Haus ihrer Eltern gezogen, wo sie sich auch ihr Büro eingerichtet hat. Von hier aus ist sie zuständig für den Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit 1,85 Millionen Christen, reicht von Friedrichshafen bis Mergentheim und von Villingen bis Ulm. Für Monika Schaufler ein riesiges Betätigungsfeld, aber die Arbeit mit Blinden und Sehbehinderten ist für sie Erfüllung und „es gibt nichts Schöneres, als jemandem in der Not zu helfen“, so die Blindenseelsorgerin der Diözese.

Ob es Zufall oder Fügung war, vermag Monika Schaufler nicht mehr zu beurteilen. Auf jeden Fall hat sie den Zugang zu blinden Menschen schon als junges Mädchen in Ertingen gefunden. Der Vater ihrer Schulkameradin war im Krieg erblindet und der Umgang der Familie mit ihm habe sie geprägt. Diese Erfahrung setzte sich bei ihr fest und das Ziel, einmal mit Blinden zu arbeiten, hat sich schließlich erfüllt. Dabei habe sie sich an ihrem Arbeitsplatz in Heiligenbronn gefragt: „Was ist schlimmer: blind oder gehörlos?“.

Mit blinden Erwachsenen zu arbeiten, das war dann ihre Berufung, denn mit ihnen könne man reden, was ihr mehr entgegen kam. Mit dem blinden Pater Matthias Hierlinger lernte sie dann den Blindenseelsorger der Diözese kennen und von 2000 bis zum Jahr 2016 unterstützte sie diesen in seiner Arbeit in Stuttgart/Giebel. Nach seinem Tod ernannte sie die Diözese Rottenburg-Stuttgart zu seiner Nachfolgerin und nachdem die Salvatorianer, zu denen Matthias Hierlinger gehörte, im Jahr 2017 ihren Sitz Stuttgart geschlossen haben, zog Monika Schaufler in ihre alte Heimat nach Ertingen zurück.

„Blindheit ist nicht gleich Blindheit“, weiß Monika Schaufler. Oftmals handle es sich um eine altersbedingte Makula, einem Sehkraftverlust im zentralen Sichtfeld. „Oft höre ich dann, ich bin noch lange nicht blind“. Aber man müsse nachlassende Sehkraft sich zunächst selbst eingestehen. Es gebe eine Vielschichtigkeit von Sehbehinderungen. Ob zum Beispiel eingetrübtes Sichtfeld oder nur schattenhaftes Sehen mit Hell-Dunkel-Effekt. Gerade für solche Sehbehinderungen hat Monika Schaufler eine ganze Menge an Hilfsmitteln parat, von denen sie viele vom Blinden- und Sehbehindertenverband zur Verfügung gestellt bekommt. Das können kleine Hilfsmittel sein, die in ihrer Wirkung für den Sehbehinderten im Alltag aber enorm viel bringen. Ob es ein Strumpfhalter ist, der mit gewaschen wird und der vor allem das Anziehen erleichtert oder auch akustische Geräte, die das Leben für Sehbehinderte und Blinde vereinfachen können, kommen hier zum Einsatz. Hier müsse man offen miteinander reden und auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen, was sie auch gern in deren Wohnstätten vor Ort macht. „Ich dränge niemandem was auf, ich will einfach Hilfe zur Selbsthilfe anbieten“, so Monika Schaufler.

Was braucht der Blinde?

Ein Schicksalsschlag ist natürlich eine plötzliche Totalerblindung, wie sie sie unlängst selbst miterlebt hat und wo sie ans Krankenbett des Betroffenen gerufen wurde. Wie kann man hier Hilfe angedeihen lassen, was braucht ein solcher Mensch in erster Linie? Was will der Blinde von mir? Diese Fragen stehen dann im Raum, so Monika Schaufler. Hier trete dann auch die Seelsorge an die erste Stelle, damit die Betroffenen wieder Sinn am Leben finden, damit sie wissen, wie wertvoll sie trotz Behinderung sind, und dass sie wissen, wie viele Ressourcen sie trotzdem noch haben.

„Sich der Seele annehmen, damit es nicht dunkel wird“, sei hier erstes Gebot. Wichtig, so Monika Schaufler, sei es vor allem auch, dass sich Blinde als auch Sehbehinderte vernetzen, sich treffen und austauschen. „Wenn sie sich zurückziehen, vereinsamen sie und das sollte nicht passieren“. „Das Leben hat noch viele Freuden“, das den Betroffenen nahe zubringen, zähle ebenfalls zu ihren Aufgaben, denn „Blindheit ist keine Strafe Gottes“. Bei ihrer Arbeit, sei es alltäglicher oder spiritueller Natur, sei sie aber der Überzeugung, dass der Glaube unterstützende Heilung bewirken kann.

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