Josef Wehrle bringt seine Skulptur mit dem Traktor

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Schwäbische Zeitung

Normal geht’s den umgekehrten Weg: Marc Decoene kommt aus Barcelona nach Erolzheim und eröffnete vergangenen Freitag hier eine kleine, feinen Galerie in der Leutkircher Straße 3, weithin sichtbar mit Josef Wehrles mannshoher Skulptur namens „Besinnung“ an der Außenwand, die jener mit dem Traktor brachte.

Von unserem Redakteur  Michael Hänssle

Warum wählte der 64-jährige Belgier Decoene die Illertalgemeinde als Domizil für seine Galerie namens Marc Decoene Fine Arts“ aus? Der Betriebswirt einer international agierenden Firma hatte in den vergangenen Jahren mehrere Domizile , und immer wieder kehrter in das Heimatdorf seine Ehefrau Marlies zum erholen. Die einen fahren in den Süden, wir machen es seit Jahren im Sommer umgekehrt: Wir lieben Oberschwaben. Die Gegend ist nicht überlaufen und ein Radfahrparadies, lobt er seine Wahlheimat.

Da Marc Decoene Ende des Jahres in Pension geht, hatte, er vor gut zwei Jahren entschieden, sich verstärkt seines Lieblingshobbys, der Kunst zu widmen. Den ersten Versuch wagte er mit dem jungen kroatischen Künstler Stjepan Sandrk und der Pariserin Sabrina Morel bei zwei befreundeten Galeristen in Barcelona und Paris. „Es war ein Test und kam erfreulicherweise bestens an. Da er das halbe Jahr in Erolzheim weilt, kam ihm dann die Idee, eine kleine Galerie im ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäude in der Leutkircher Straße 3 zu eröffnen, die er schlicht Galerie Marc Coene- Fine Arts“ nennt. Zudem gibt er zu bedenken, dass in Barcelona oder Paris Galerien dicht an dicht stehen, und hochgerechnet auf 10000 Einwohner eine Vernissage kommt, während hier mit Qualität ein Einzugsbereich von Memmingen bis Biberach mit neuer Kunst zu erreichen ist.

Was ihn interessiert, sind junge aufstrebende Künstler wie etwa die beiden vielversprechenden Neorealisten Stjepan Sandrk und Mario Brakuza, aus Zagreb, aber auch schon renommierte Künstler wie den Florenzer Kunstprofessor Enrico Piovanelli oder die aus München stammende Uli Schulz, die er in Barcelona kennenlernte, noch bekannter zu machen. Für ihn ist’s dabei kein Widerspruch, dass er auch einen regional bekannten Pensionär protegieren möchte, Josef Wehrle aus Unteropfingen, der mittlerweile seinen Bauernhof abgab: „Er ist enorm jung im Kopf. Und ich denke, von ihm sind noch viele neue, ungewohnte Arbeiten zu erwarten.„Nun hat er vielleicht noch mehr Zeit für seine Kunst“. Einige seiner Arbeiten habe erschon in Barcelona in der Galeria Kalos ausgestellt – „Wehrle kam in Spanien gut an“.

Die Resonanz auf die Vernissage am vergangenen Freitag sei über Erwarten groß gewesen, und da für das Gros der Künstler der Weg nach Erolzheim nicht zu weit war, gab es nach den Erläuterungen der einzelnen Arbeitsweisen durch Marc Decoene in der naheliegenden Marktschmiede noch ausgiebig Gelegenheit, sich näher kennenzulernen. Für einen besonderen Blickfang sorgte Josef Wehrle, der seine mannshohe Eichenholzskulptur „Besinnung“, die nun an der Außenwand der neuen Galerie prangt, mit dem Traktor nach Erolzheim brachte.

Die reizvolle Gruppenausstellung mit acht Künstlern aus Zagreb, Warschau, Paris, Florenz, Barcelona, München und Unteropfingen ist bis 30. September, immer Donnerstags und freitags von 15 bis 9 Uhr sowie samstags von 10bis 13 Uhr zu sehen.

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