Von fleischlosen Freitagen und schwäbischen Bräuchen

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Viel Applaus gab es am Ende des Abends für alle Beteiligten.
Viel Applaus gab es am Ende des Abends für alle Beteiligten. (Foto: Josef Aßfalg)
Jsef Aßfalg

Dass Lyrik und Männergesang gut zusammenpassen, haben die Mitwirkenden des literarischen Abends am Sonntag im Dorfgemeinschaftshaus Oberessendorf bewiesen. Die Autorin Gabi Rief-Mohs las aus ihren Büchern und Gedichtsbänden und ein Männerdoppelquartett präsentierte schwäbische klassische und heitere Lieder.

„Gabi Rief-Mohs ist in unserer ‚Hauptstadt’ Eberhardzell aufgewachsen“, sagte Hans Hänle, Vorstand der Dorfgemeinschaft Oberessendorf und Sänger, bei seiner Begrüßung. Bei den Erzählungen von Gabi Rief-Mohs stehen meist einfache Menschen im Mittelpunkt. Alltägliche Dinge wie einkaufen, der Waschtag in der Küche, mit dem Milchtopf auf der neuen Waschmaschine oder die Mithilfe bei der Kartoffelernte, werden zu spannenden Ereignissen. Rief-Mohs erzählt dabei aus der Perspektive eines Kindes und beobachtet ihre Mitmenschen.

Der Vater war Metzger und der fleischlose Freitag sei für Katholische hart gewesen, erinnerte sich die Autorin. „Dr’ Landjäger hot am Freitig en Leberkäswecka kauft, aber der war evangelisch“. Sonntags habe es Taschengeld gegeben. Ein Teil davon musste in die Spardose und der Rest habe gerade für eine Kugel 10er-Eis gereicht. „S’Geld war schnell weg und s’Eis au“, erinnerte sich die Autorin schmunzelnd.

Im Herbst gab es verschiedene Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Die Nachbarn brauchten Helfer für die Kartoffelernte. „Mit dem Bauer fuhren wir aufs Feld“ und „Reihe um Reihe, Korb um Korb, arbeiteten wir uns den Acker entlang“. Mit der Zeit schmerzte der Rücken und die Wetten, wer schneller den Korb voll hatte, wurden weniger. „Am Abend fuhren wir heim; müde, hungrig und zufrieden. Selten schmeckte die schwarze Wurst beim Vesper so gut, wie nach der harten Arbeit.“ „Seelen und Knauzen“, das sei ihre Lieblingsgeschichte, verriet Gabi Rief-Mohs. „Wir hatten immer gut zu essen: Eier, Milch und Fleisch von den eigenen Tieren und der große Garten lieferte Beeren, Salat und Gemüse. Das Brot musste zugekauft werden.“ „Es gab drei Bäcker im Ort und jeder hatte seine eigene Spezialität“, wusste Rief-Mohs. Bei einem wurde Brot gekauft, beim anderen Zopfbrot oder Kuchen „und der dritte im Oberdorf hatte die besten Seelen und Knauzenwecken“. Gabi Rief-Mohs brachte mit ihren Anekdoten und Gedichten die rund 140 Zuhörer immer wieder zum Schmunzeln und Lachen und erntete dafür reichlich Beifall.

Passend zu den Lesungen und Gedichten präsentierte Chorleiter Hubert Hänle mit den Männern des Doppelquartetts, tonrein und in feiner dynamischer Abstufung, klassische Männerchorstücke und schwäbische Lieder. Nach lang anhaltendem Beifall wurden die Sänger erst mit zwei Zugaben entlassen. Sie habe viel Freude gehabt „und viele alte Bekannte getroffen“, erzählte die in Mittelbiberach wohnende Gabi Rief-Mohs am Ende des Abends.

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