Kita-Personal immer schwieriger zu finden

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Gute Erzieherinnen sind Mangelware.
Gute Erzieherinnen sind Mangelware. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Immer längere Öffnungszeiten und deutlich mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren: Die Nachfrage nach qualifiziertem Personal in Kindergärten ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für die Gemeinden wird es immer schwieriger, offenen Stellen zu besetzen. Die Schwäbische Zeitung hat in drei Kommunen nachgefragt, wie diese bei der Besetzung ihrer offenen Stellen vorgehen.

Die Gemeinde Eberhardzell hatte in den vergangenen Wochen gleich mehrere Stellen im Kindergartenbereich ausgeschrieben. Mittlerweile sind alle besetzt, sagt Hauptamtsleiterin Christine Haug. „Kindergärtnerinnen sind meistens weiblich und häufig schwanger – und fallen dann aufgrund eines Beschäftigungsverbots oft dann sofort aus“, erklärt sie. Das sei ein Problem, vor allem dann, wenn eine Gemeinde keine Springer beschäftige. Und eine reguläre Ausschreibung dauere eine Weile. In Eberhardzell wird daher Wert darauf gelegt, dass die Mitarbeiter der drei Einrichtungen in einem solchen Fall sich untereinander aushelfen.

Ausgeschrieben war eine Stelle in Oberessendorf, eine in Füramoos und Springerstellen im Kinderhaus. Für die Stelle in Füramoos habe es drei Bewerberinnen gegeben – nicht gerade viel. „Hinzu kommt, dass nicht immer alle Bewerberinnen qualifiziert genug sind“, so Haug. Diese Tendenz habe es auch schon bereits in den vergangenen Jahren gegeben:

„Mittlerweile ist es so, dass die Stellenbewerberinnen es sich aussuchen können, wo wie arbeiten wollen und nicht umgekehrt.“

Um den Kandidatinnen die Stellen in Eberhardzell möglichst schmackhaft zu machen, werden alle noch vor dem offiziellen Bewerbungsgespräch eingeladen, sich die Kindergärten anzuschauen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kindergärtnerinnen am liebsten in modernen Einrichtungen arbeiten und das sind bei uns alle. Das ist unser Vorteil“, so Haug. Daher sei es Eberhardzell auch gelungen, dieses Mal alle Stelle nahezu lückenlos zu besetzen. Haug stellt aber auch klar, dass der Fachkräftemangel in diesem Bereich trotzdem real ist.

In Rot an der Rot ist ab September eine Stelle im kommunalen Kindergarten unbesetzt, das Bewerbungsverfahren läuft noch. Auch wenn es bis dahin nur noch wenige Wochen sind, so hofft Bürgermeisterin Irene Brauchle dennoch, die Stelle zeitnah besetzen zu können. „Bisher sind bei uns vier Bewerbungen eingegangen, also deutlich weniger als früher“, sagt sie. Falls sich kein geeigneter Bewerber bis September findet, ist der Plan, Stellen von Kolleginnen aufzustocken, die bisher in Teilzeit arbeiten.

Mit mehr Urlaub und höherem Gehalt locken

Brauchle findet es gut, dass es mittlerweile auch eine praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin (PIA) gibt, bei der die Auszubildenden verdienen. „Dadurch wird der Beruf auch für Quereinsteiger attraktiver“, glaubt sie. Mit Sondervereinbarungen, wie etwa mehr Urlaub oder einem höheren Gehalt, will sie potentielle Mitarbeiter nicht nach Rot locken. Denn damit keine Ungleichheit entsteht, müssten diese Sondervereinbarungen ja dann auch auf das bestehende Personal ausgeweitet werden, was wiederum große finanzielle Auswirkungen hätte.

Schussenrieds Hauptamtsleiter Günter Bechinka stellt klar: „Wir haben Schwierigkeiten, alle Stellen für Erzieher zu besetzen.“ Derzeit seien aber noch alle Stellen besetzt. Der Gemeinderat in Bad Schussenried hat in der Juli-Sitzung beschlossen, im Kindergarten Sonnenschein in Reichenbach für eine Gruppe die Öffnungszeit zu erweitern, „das hierfür notwendige Personal haben noch nicht“.

Arbeitsklima entscheidend

Es sei geplant, Ende August diese Stelle auszuschreiben. Bei Gehalt und Urlaubstagen werde die Stadt Bad Schussenried sich an die tariflichen Vorgaben halten. Bechinka glaubt, dass für die meisten Mitarbeiter vor allem das Arbeitsklima entscheidend sei. „Daher sind wir dabei dafür zu sorgen, dass das gut ist. Wir unterbreiten Angebote für den Gesundheitsschutz, bieten zahlreiche Fortbildungen an, unterstützen, wenn nötig, auch Coaching-Prozesse. So ist es uns bisher gelungen, die offenen Stellen zu besetzen.“

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