Gewerbebetriebe bestätigen ihren Bedarf, zu erweitern

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Wo in Zukunft Wohnungen und Gewerbegebiete entstehen, wird über den Flächennutzungsplan geregelt.
Wo in Zukunft Wohnungen und Gewerbegebiete entstehen, wird über den Flächennutzungsplan geregelt. (Foto: Michael Reichel)

Der Flächennutzungsplan (FNP) der Verwaltungsgemeinschaft Biberach hat jüngst auch den Gemeinderat Eberhardzell beschäftigt. Genauso wie die Gremien in Attenweiler, Biberach und Hochdorf, stimmten auch die Eberhardzeller Gemeinderäte für die Änderung und Fortschreibung des FNP (SZ berichtete ausführlich am 11. April auf Seite 20).

Der FNP soll als vorbereitender Bauleitplan helfen, die Siedlungsentwicklung zu steuern. Er legt in Grundzügen fest, wo Wohnbebauung möglich sein soll, wo Gewerbegebiete entstehen könnten und was der Landwirtschaft vorbehalten bleibt. Konkret ging es jetzt um die 4. Änderung des bis 2020 reichenden Plans, um dessen 5. Änderung für das interkommunale Industriegebiet Rißtal sowie um die Fortschreibung bis zum Jahr 2035. Der Gemeinderat Eberhardzell ermächtigte seine Vertreter, im gemeinsamen Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft zuzustimmen.

Protest im Vorfeld

Im Vorfeld hatte es seitens der Bürger Protest gegen die neu aufgenommene gewerbliche Baufläche Klee in Oberessendorf sowie gegen die Aufgabe der geplanten gewerblichen Baufläche Weiher in Eberhardzell-Weiher gegeben. Hierzu gab es in der Gemeinderatssitzung jedoch keine weitere Aussprache mehr.

Die anlässlich der frühzeitigen Beteiligung der Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen hat die Verwaltung wie folgt beantwortet:

Wohnbaufläche Weiher in Füramoos: Die Gemeinde Eberhardzell unterstützt die geplante Verlagerung der emissionsrelevanten Tätigkeiten der Firma Lämmle an den Standort Knöbel und ist nach eigenen Angaben in intensiver Abstimmung mit den Behörden. Zur Planung wurde eine gutachterliche Einschätzung hinsichtlich der Verträglichkeit der geplanten Wohngebiete mit dem Gewerbebetrieb eingeholt. Das Ergebnis: Aufgrund der Nähe zu bestehender Wohnnutzungen seien keine weiterführenden Einschränkungen des Gewerbetreibendens zu erwarten.

Gewerbliche Baufläche Kappel II in Kappel: Mehrere Behörden hatten Bedenken angemeldet. Das Gebiet befindet sich in der Talaue, welches ein Überschwemmungsgebiet darstellt. Die Ausweisung neuer Baugebiete auf diesen Flächen ist unzulässig. Die Flächenausweisung wird aus dem Verfahren herausgenommen.

Gewerbliche Fläche Bergäcker in Kappel: Das geplante Gewerbegebiet, das ohne Kompensation der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen werden soll, befindet sich unmittelbar neben dem landwirtschaftlichen Betrieb Albinger. Das Landratsamt Biberach verwies daher auf immissionsschutzrechtliche Einschränkungen, die durch den Betrieb entstehen könnten. Die Gemeinde geht von einer Verträglichkeit der Nutzungen aus – das Ganze soll genauer im Bebauungsplanverfahren betrachtet werden. Die vorgesehene Flächengröße von 4,7 Hektar wird vom Betrieb als Mindestfläche genannt.

Gewerbliche Baufläche Klee in Oberessendorf: Es bestanden zunächst Bedenken seitens des Landratsamts aufgrund des Landschaftsverbrauchs. Der benachbarte Gewerbebetrieb hat jedoch konkreten Bedarf angemeldet. Zudem weist die Gemeinde darauf hin, dass durch das neue Gewerbeflächenentwicklungskonzept der grundsätzliche Bedarf an Gewerbeflächen dargelegt ist. Die im Gewerbegebiet Kalmus-Nord vorhandenen Bauflächen sind für andere Nutzungen vorgesehen.

Gewerbliche Baufläche Gemse in Ritzenweiler: Auch hier liegt ein konkreter Bedarf des benachbarten Gewerbebetriebs vor. Es gibt keine wesentlichen Einwände.

Die bestehenden und geplanten Gewerbegebiete können den Gewerbeflächenbedarf überwiegend ortsansässiger Gewerbebetriebe nicht decken – so das bisherige Fazit. Um dem Bedarf ein Angebot gegenüberzustellen, ist zusätzlich die Entwicklung eines größeren Industriegebietes erforderlich. Im Aufstellungsbeschluss der 4. Änderung des FNP war die gewerbliche Baufläche „nördliches Rißtal“ mit einer Plangebietsgröße von 45 Hektar als ein erster Baustein enthalten. Aufgrund der komplexen Abstimmungsprozesse soll die geplante Bauflächenausweisung in einem separaten Verfahren durchgeführt werden.

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