Fünf Schnittstellen zum Backbonenetz

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Der Landkreis Biberach will die Gemeinden mit Glasfaserleitungen verknüpfen. Eberhardzell begrüßt das Vorhaben und will ein inn
Der Landkreis Biberach will die Gemeinden mit Glasfaserleitungen verknüpfen. Eberhardzell begrüßt das Vorhaben und will ein innerörtliches Verteilnetz mit Glasfasern folgen lassen – was allerdings einige Jahre dauern könnte. (Foto: Carsten Rehder/dpa)

Zusatzinformationen: Mit Glasfaser ins Haus gibt’s technisch kein Limit

Mit Glasfaser bis zu den Telekom-Verteilerschränken (FTTC) sind Internet-Bandbreiten von 50 bis 100 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen möglich, antwortete Patrick Burger vom Fachbüro Geo Data Frank Metzger. Mit Glasfaser bis ins Haus gebe es technisch kaum Grenzen, „die Frage ist dann nur, was der Anschlussnehmer zu zahlen bereit ist“.

Dass die Investitionen der öffentlichen Hand sinnvoll seien, war Konsens im Rat. Monika Ludy-Wagner vom Landratsamt betonte, dass vorher kommerzielle Anbieter gefragt und ein Marktversagen nachgewiesen werden mussten. Obwohl sich kein privater Investor zum Ausbau binnen drei Jahren verpflichtet, wird „der private Markt nicht stillstehen“, sagte Bürgermeister Guntram Grabherr. Wiewohl ein klarer Backbone-Befürworter, sieht er daher Doppelstrukturen voraus „und das tut mir als Steuerzahler ein bisschen leid – aber das ist nicht zu ändern.“ (mad)

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Eberhardzell zieht mit beim Backbonenetz des Landkreises: Der Gemeinderat hat einstimmig die nötigen Beschlüsse gefasst. Mittlerweile haben 40 Kommunen zugestimmt; eine Handvoll steht aus, dann wäre die Bedingung des Kreistags erfüllt, um mit Glasfaserleitungen zwischen den Gemeinden die Grundlage für eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet zu legen.

Bürgermeister Guntram Grabherr bezeichnete diesen Ansatz als richtig und sieht für Eberhardzell auf längere Sicht den Vorteil, „dass auch unsere kleinen Ortschaften und Weiler die Chance haben, Glasfaser zu bekommen“. Zwar gelten die Teilorte zumindest für den Moment als gut versorgt, aber die abgelegenen Siedlungen schauen in die Röhre. Wobei klar ist, dass es „ein finanzieller Kraftakt für den Kreis und für uns wird“, bis das Netz in alle Winkel verzweigt sein wird. Dies soll in Stufen erfolgen: Der Kreis finanziert die überörtlichen Leitungen und garantiert jeder Gemeinde mindestens zwei Übergabepunkte, ab denen diese auf eigene Kosten ein innerörtliches Verteilnetz anfügen. In diesem Fall sind gleich fünf solcher Schnittstellen geplant, in Eberhardzell, Dietenwengen, Füramoos, Mühlhausen und Oberessendorf. Laut der Kommunalamtsleiterin im Landratsamt, Monika Ludy-Wagner, waren keine x-beliebigen Umwege möglich; aber wo möglich, streife die Backbonetrasse Weiler entlang der Strecke.

So könnte die Gemeinde künftig etwa Ritzenweiler und Hetzisweiler über Eberhardzell/Mühlhausen anbinden und Hedelberg an die Kreistrasse Dietenwengen - Eberhardzell. Aber nicht gleich: Auf eine Frage von Alois Denzel sagte Ludy-Wagner, der Landkreis wolle das Backonenetz binnen vier Jahren bauen – vorbehaltlich einkalkulierter Landeszuschüsse und ausreichender Kapazitäten der Baufirmen. Aber naturgemäß rollen die Bagger und Kabelpflüge nicht überall gleichzeitig an und so arbeiten Fachleute an einer Prioritätenliste nach technischen Gesichtspunkten. Die Glasfaser Eberhardzell - Dietenwengen wäre zusammen mit dem Radweg an der Kreisstraße sinnvoll. Grabherr erkannte darin – ganz der verschmitzte Sachwalter örtlicher Interessen – eine Steilvorlage für den schnellen Bau dieses Radwegs durch den Kreis. Doch fürs Erste ist dieser nur bis zu den Allgaierhöfen geplant und so dürfte die Glasfaser nicht sofort durchgezogen werden.

Die Hauptstränge des Kreises sind Schritt eins, und dazu gehört, dass die Gemeinde Leerrohre für ein künftiges Ortsnetz mitverlegt, wo der Kreis für neue Trassen Gehwege aufgraben lässt. Dies bezieht sich auf die geschlossenen Ortschaften, nicht die freien Strecken dazwischen, und kostet Eberhardzell etwa 244 000 Euro. Die zweite Stufe hat noch mal eine ganz andere Dimension: Die Gemeinde verpflichtet sich, ein innerörtliches Netz mit Glasfasern bis auf jedes Grundstück (FTTB) anzugehen. Eine Zeitvorgabe gibt es nicht; aber grobe Pläne sind zeitnah erwünscht – schließlich soll alsbald der Netzbetrieb ausgeschrieben werden und ein Anbieter möchte das Kundenpotenzial für Internetanschlüsse abschätzen.

Mehr als 20 Millionen Euro

Für diese zweite Stufe verfügt Eberhardzell von früher über eine Planungsgrundlage und Grabherr bezeichnete es als „glücklichen Zufall“, dass diese vom gleichen Fachbüro stammt wie die Backboneplanung. Bei allen Tiefbauarbeiten, ob für eine Wasserleitung oder wie derzeit am Dorfanger in Oberessendorf, sollen Leerrohre mitverlegt werden. Grabherr sagte, dass dafür in der Finanzplanung jährlich 200 000 Euro berücksichtigt seien. Das deutet darauf hin, dass ein FTTB-Ortsnetz keine Sache weniger Jahre ist: Gemeinderat Manfred Lämmle bezifferte die Investition auf mehr als 20 Millionen Euro (womit der Ausbau rein rechnerisch 100 Jahre dauern würde, wenn man Synergieeffekte mit anderen Tiefbauarbeiten und zusätzliche Geldbewilligungen in der Zukunft mal ausklammert).

„Das muss auch geschultert werden“, sagte Lämmle im Einklang mit Grabherr, finanziell wie personell. Lämmle ist Fraktionsvize der Freien Wähler im Kreistag und hält die Pläne „unstrittig für richtig, aber es wird ein paar Jahre dauern“. Von Beruf ist er Breitband-Projektleiter der Telekom und er sagte, bis dahin sei Glasfaser bis zu den Telekom-Verteilerkästen „eine sinnvolle Zwischenlösung“ – die Kupferleitungen für die letzte Meile bis zu den Kunden habe also für geraume Zeit nicht ausgedient.

Zusatzinformationen: Mit Glasfaser ins Haus gibt’s technisch kein Limit

Mit Glasfaser bis zu den Telekom-Verteilerschränken (FTTC) sind Internet-Bandbreiten von 50 bis 100 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen möglich, antwortete Patrick Burger vom Fachbüro Geo Data Frank Metzger. Mit Glasfaser bis ins Haus gebe es technisch kaum Grenzen, „die Frage ist dann nur, was der Anschlussnehmer zu zahlen bereit ist“.

Dass die Investitionen der öffentlichen Hand sinnvoll seien, war Konsens im Rat. Monika Ludy-Wagner vom Landratsamt betonte, dass vorher kommerzielle Anbieter gefragt und ein Marktversagen nachgewiesen werden mussten. Obwohl sich kein privater Investor zum Ausbau binnen drei Jahren verpflichtet, wird „der private Markt nicht stillstehen“, sagte Bürgermeister Guntram Grabherr. Wiewohl ein klarer Backbone-Befürworter, sieht er daher Doppelstrukturen voraus „und das tut mir als Steuerzahler ein bisschen leid – aber das ist nicht zu ändern.“ (mad)

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