Arbeitskreis veröffentlicht Chronik über die Geschichte der Eberhardzeller Zehntscheuer

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Diese Postkarte zeigt die Zehntscheuer vor dem Zweiten Weltkrieg, als sie als Erholungs- und Altersheim St. Michael genutzt wurd
Diese Postkarte zeigt die Zehntscheuer vor dem Zweiten Weltkrieg, als sie als Erholungs- und Altersheim St. Michael genutzt wurde. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Die Mitglieder des Arbeitskreises Heimatgeschichte haben eine neue Broschüre herausgebracht. Sie trägt den Titel „Eberhardzell und seine Zehntscheuer – Herrschafts- und Kirchengeschichte“. Dieses Thema für die neue Veröffentlichung zu wählen, lag nahe, da die Zehntscheuer beim Eberhardzeller Rathaus seit zwei Jahren zu einem Kultur- und Verantstaltungsort umgebaut wird und noch in diesem Jahr eröffnet werden soll.

Der als heimatkundlicher Kenner bekannte Biberacher Wolfgang Merk hat sich als Mitglied des Arbeitskreises dieses Themas angenommen und die bislang umfangreichste Chronik des Arbeitskreises verfasst. In seinen Recherchen ging Wolfgang Merk nicht nur auf die Geschichte der Zentscheuer selbst ein, sondern erweiterte seine Dokumentation um die historischen Herrschafts- und Kirchengeschichte der Gemeinde. So entstand mit diesem Werk gleichzeitig eine umfangreiche Ortschronik, die die Epoche vom Spätmittelalter bis zum Ende der frühen Neuzeit umfasst.

Wolfgang Merk beschreibt in seinem 136 Seiten umfassenden Werk umfänglich von den vielfältigen großen und kleinen kirchlichen wie auch adligen Herrschaften, die mit der Eberhardzeller Historie im Zusammenhang standen. So fand bereits um 805 nach Christus eine urkundliche Erwähnung des Ortes statt, mit Hinweis auf die Herren von Waldsee. Anfänglich noch „Zell“ genannt erhielt es durch das Kirchenpatrozinium den Zusatz „Maria“ (Maria Zell) und im 14. Jahrhundert, abgeleitet durch den damaligen Ortsherren, den Namenszusatz „Eberhard“. Im 15. Jahrhundert war Eberhardzell im Besitz des Tiroler Adelsgeschlechts von Neideck. Diese ließen eine Burg nahe der jetzigen Heinrichsburg bauen. Letztmalig wurde Burg Neideck 1607 erwähnt, ehe sie abgetragen und zum Bau der Heinrichsburg verwendet wurde. Heute erinnern noch die „Neideck-Hexen“ der Narrenzunft Eberhardzell an die früheren Besitzer. Wechselhaft ging die Geschichte um den Besitz des Ortes weiter. So war Eberhardzell sowohl in österreichischer wie auch später im württembergischen Besitz.

Die Zehntscheuer selbst wurde 1736 zum ersten Mal erwähnt, jedoch 1746 unter Abt Siard Frick zusammen mit dem schlossähnlichen ehemaligen Pfarrhaus, dem heutigen Rathaus, als Sommersitz für die Äbte von Schussenried in seiner jetzigen Form erbaut. Wechselhaft ging auch die Geschichte um die Zehntscheuer weiter. So blieb sie lange im kirchlichen Besitz ehe mit der Säkularisation der Besitz in weltliche Mächte überging und die Adelshäuser Waldburg-Wolfegg-Waldsee nun lange Zeit Besitzer waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Gemeinde Eberhardzell das Areal erwerben, verkaufte dieses jedoch bereits ein Jahr später weiter an die Diözese Rottenburg, die die Scheune zu einem Männerwohnheim und später zum Alten- und Erholungsheim St. Michael umbauten. Dieser Teil der bewegten Geschichte zur Zehntscheuer sowie dem (neuen) Haus St. Michael bis hin in die Neuzeit wurde von Arbeitskreismitglied Alois Schmid aufgearbeitet und erscheint als Folgewerk zu einem späteren Zeitpunkt.

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