Von Katern, Biber und anderen Plagen

Lesedauer: 6 Min
Hintersinnig wurde das Dorfgeschehen in der Gabelwirtschaft aufs Korn genommen.
Hintersinnig wurde das Dorfgeschehen in der Gabelwirtschaft aufs Korn genommen. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Mit der ersten Gabel ist am Samstag die Dürmentinger Hausfasnet eröffnet. In sechs Gabelwirtschaften inszenierten neun Gruppen mit insgesamt 73 Maschkern in Sketchen und selbst getexteten Liedern das aktuelle Dorf- und Weltgeschehen.

So erfreute sich eine Gruppe von Mexikanern nach tagelanger Durststrecke über den mexikanischen Bierwagen, der sie mit reichlich Corona-Bier versorgte. Die Nachwehen dieser Aktion mussten die armen Mexikaner dann einige Tage ausbaden. Ob dieser Vorfall die Corona-Epidemie auslöste, lässt sich aber nicht abschließend klären, denn das ist eine andere Geschichte.

Auch Sturmtief Sabine zog mit wilden Windböen durch Dürmentingen, es gab zahlreiche Unwetterwarnungen: „Sperrt eure Weiber ein, außer ihr wollt sie loswerden!“ „Geschäftstüchtige Dürmentinger, sägt eure Bäume ab, denn Sturmholz lässt sich schlecht verkaufen!“ Bringt eure Schwiegermütter in Sicherheit, die geliebten in den Keller, die ungeliebten aufs Dach!“

Nachdem im Rahmen neuer Datenschutzverordnungen große Unsicherheit herrscht, ob und wenn dann wer in Zukunft überhaupt noch fotografiert werden darf, lösten die Dürmentinger dieses Problem in ihrem Narrenfahrplan auf raffinierte, typisch närrische Weise: Wer nicht fotografiert werden möchte, klebt sich einen roten Punkt auf die Stirn, dann wird er bei etwaiger Veröffentlichung unkenntlich gemacht. Diese Aufgabe übernahm freundlicherweise die Gruppe Sigital, von der „gesichtsoptisch schwierige Kandidaten“ sogar Vollgesichtsschutzpunkte erhalten konnten.

Nach einem kleinen Umtrunk in einer nahe liegenden Gaststätte, der die Sprech- und Bewegungsfähigkeit der beiden Einkehrenden stark in Mitleidenschaft zog, mussten zwei Dürmentinger vom ortsansässigen Pfarrer nach Hause gefahren und ins Bett gebracht werden. Beim gemeinsamen Nachtgebet verständigte man sich auf den Zusatz „Vater, lass den Kater mein, morgen nicht so schrecklich sein.“

Weil die Anzahl der Busstopps für Pinkelpausen und die Menge der Dixie-Klos auf den Umzugswegen zwischen den Dürmentinger Narren immer wieder unterschiedlich wahrgenommen wird – für die Schalmeien sind es zu wenige, für alle anderen nicht – entwickelten einige verständige Maschker eine neue Maske: das Klooole, ein dreiviertelnärrisches Klohäuschen, das alle blasenschwachen Narren zukünftig auf dem Umzugsweg begleitet.

Nachdem die Seniorenwohnanlage immer noch auf sich warten lässt, erkannten die Dürmentinger Senioren ihre Chance in der neuen Sporthalle. Um die Lebensgeister in Schwung zu bringen – schließlich weiß kein Mensch, wie lange man in dem Alter überhaupt noch hat –, findet dort jetzt Rentnersport mit cooler Mucke und vereinseigener Rentnerhymne statt. Und für den Fall, dass die Wohnanlage doch noch gebaut wird, wäre auch der Weg für Rentner gut zu bewältigen.

Eine Gruppe klärte über die neue Bonpflicht auf. Jetzt gilt: Bon im Prinzip für alles und jedes. Bonpflicht beim Bäcker, Bonpflicht in der Metzgerei, Bonpflicht in jedem Dürmentinger Haus – Narra raus!

Das vielleicht etwas unkonventionelle Vorgehen des Dürmentinger Bauhofs gegen die Biberplage auf dem Sportplatz zog sofort eine Kommentierung in einem Leserbrief nach sich. Doch nachdem auch der Waidmann Dietmar das Problem mit seinem Gewehr nicht optimal lösen konnte, freute sich wenigstens die findige Dürmentinger Apotheke, die zukünftig das Allheilmittel „Biber-geil“ gegen Kopf- und Bauch- und Allesweh und außerdem gut für die Potenz im Angebot hat.

Die aktuelle Demonstrationskultur ist auch in Dürmentingen angekommen: Fridays for Future, Legalisierung des Marihuanaanbaus. Landwirte auf Traktoren – lautstark machten sie alle ihren Standpunkt deutlich. Doch ein kleiner Maschker machte auf das größte Dürmentinger Dilemma aufmerksam: drei Spielplätze mit nichts außer gerade mal einer Schaukel, und die auch noch halb kaputt – das ist die traurige Bilanz. „Kinder sind des Ortes Schätze, drum brauchen wir Spielplätze!“

Auch die Hailtinger „Moskitos“ beteiligten sich an der Dürmentinger Tradition und zogen durch die Gabelwirtschaften, wo sie lautstark ihr musikalisches Können zeigten.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen