Schwäbischer Möbelhersteller zählt zu Deutschlands Top-Luxusunternehmen

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Wolfgang Kettnaker hat aus der einstigen Tischlerei eine moderne Manufaktur gemacht.
Wolfgang Kettnaker hat aus der einstigen Tischlerei eine moderne Manufaktur gemacht. (Foto: Firma Kettnaker)
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Was haben die Firmen Porsche in Zuffenhausen, Montblanc in Hamburg und Kettnaker in Dürmentingen gemeinsam? Alle drei zählen zu den Top 50 der deutschen Luxusunternehmen. Der oberschwäbische Möbelhersteller wird in diesem Jahr erstmals in dem Ranking geführt, das die Beratungsunternehmen EY, Inlux und Keylens unter 106 Firmen ermittelt haben.

Damit wird Kettnaker zu den stärksten Unternehmen aus dem deutschen Premium- und Luxussegment gezählt – obwohl die Marke den wenigsten Konsumenten geläufig sein dürfte. Sie wird nicht in Anzeigenkampagnen flächendeckend publiziert. „Da haben andere Mechanismen gewirkt“, sagt Firmenchef Wolfgang Kettnaker, „ich weiß nicht, was dahintersteckt.“ Bereits 2011 ist der Dürmentinger in den „Meisterkreis Deutschland“ aufgenommen worden, einen illustren Kreis von „Menschen, Unternehmen und Institutionen, die für Kreativität und höchste Qualität aus und in Deutschland stehen“, wie es auf der Homepage der Organisation heißt.

1870 gegründet

Der Dürmentinger Unternehmer führt einen traditionellen Familienbetrieb, 1870 gegründet, in fünfter Generation. Mit der einstigen Tischlerei hat die Manufaktur aber nicht mehr viel gemein. Den traditionellen Begriff „Kastenmöbler“ – in Unterscheidung zu Herstellern von Polstermöbeln oder Stühlen – mag der heutige Inhaber nicht besonders. „Kastenmöbel“ scheint auch unpassend für die filigranen Schrank- und Einrichtungssysteme, für die Kettnaker schon Designpreise eingeheimst hat. Ein Patent hält er auf die 2009 auf den Markt gekommene Serie „Soma“, die inzwischen der Renner in seinem kleinen, aber feinen Sortiment ist – und eine Ikone im Einrichtungsfachhandel: „Das ist unser 911er geworden“.

Seit 1977 nimmt Kettnaker kontinuierlich an der Internationalen Möbelmesse teil, der Leitmesse der Einrichter weltweit. Seit 18 Jahren darf sich das Dürmentinger Unternehmen in der Halle der Besten, der Premiumhersteller, präsentieren. In dieser Liga sei Topqualität eine Grundvoraussetzung. Profilieren könne man sich ab da nur noch durch Individualität. Wolfgang Kettnaker spricht von einem „emotionalen Mehrwert“. Und da könne ein Produkt wie „Soma“ punkten.

Kein Direktvertrieb

Das kann im Showroom in Dürmentingen zwar besichtigt werden. Kaufen kann man es dort aber nicht. Es gibt keinen Direktvertrieb, sondern 350 exklusive Fachhandelspartner. Die erörtern im Dialog mit dem Endkunden, wie das Möbel aussehen soll. Modulare Bauweise ermöglicht Flexibilität in Breite, Höhe und Tiefe. Welche Oberfläche der Korpus erhalten soll, liegt ganz beim Kunden, sei es Holz, Glas, Kunststoff, Aluminium oder gewalzter Stahl. Er hat die freie Wahl der Farbe, und zwar für jede einzelne Tür oder Schublade. Auf diese Art und Weise werde jedes ausgelieferte Teil ein Unikat. „Designer ist der Kunde mit seinem Fachberater“, sagt Kettnaker. Mit der optionalen Magnetwechseltechnik kann das Design später jederzeit wieder geändert werden.

Auch im Ausland vertreten

Über seine Handelspartner ist Kettnaker auch im Ausland vertreten: In den Benelux-Staaten, in der Schweiz und in Österreich, in Russland und China. „Asien wird kommen“, glaubt Wolfgang Kettnaker, und die USA seien „gerade am Kommen“. Zielkunden sind Zweit- und Dritteinrichter – nicht unbedingt Schwerreiche, aber „Menschen, die das Besondere wertschätzen“. Wer lediglich Stauraum schaffen will, wird vermutlich vor den Preisen zurückschrecken, die bei etwa 1400 Euro für das kleinste Möbel beginnen. Nach oben ist reichlich Luft.

Mit rund 100 Mitarbeitern erarbeitet Kettnaker einen Jahresumsatz von 14 Millionen Euro. Automation hat in der Manufaktur längst Einzug gehalten, aber auch handwerkliches Geschick und Tüftlertum ist immer noch gefragt. Kettnaker bildet Holzmechaniker aus, hat aber auch viele Ungelernte angestellt. Der Frauenanteil ist für die Branche relativ hoch. Der komplette Fertigungsprozess findet an einem Standort statt, beginnend in der Rohteilefertigung im Zweischichtbetrieb. Da exakt produziert wird, was bestellt wurde, braucht es keine Lagerhaltung. Dennoch ist Platz für die Firma mittlerweile ein großes Problem geworden. Um etwa 2000 Quadratmeter Fläche würde Wolfgang Kettnaker gerne erweitern: „Dann wären wir safe für die nächsten zehn bis 15 Jahre.“

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