Neuer Chef der IHK-Ulm kommt erstmals zu Firmenvisite in die Region Riedlingen

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 Staunen über die Innovationskraft beim Unternehmen Georg Schlegel: der einstige Ulmer IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle mit
Staunen über die Innovationskraft beim Unternehmen Georg Schlegel: der einstige Ulmer IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle mit seinem Nachfolger Max-Martin Deinhard bei der Firmenvisite mit Christoph Schlegel (von rechts). (Foto: Bernd Geisinger)
Schwäbische Zeitung

Der scheidende Ulmer IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle hat mit seinem Nachfolger Max-Martin Deinhard das Dürmentinger Unternehmen Georg Schlegel besucht. Für Deinhard war es eine Premiere: Es war seine erste Firmenvisite im Raum Riedlingen. Nach dem Besuch zeigten sich Sälzle und Deinhard angetan von der Fertigungstiefe und den Automatisierungsprojekten des Dürmentinger Befehlsgeräte-Spezialisten. Bei der Visite kamen aber auch Themen wie Fachkräftemangel, die schwierige Suche nach Auszubildenden und die Industrie 4.0 zur Sprache.

Die Geschäftsführer des Dürmentinger Unternehmens, Christoph Schlegel, Wolfgang Weber und Eberhard Schlegel, hießen den bisherigen und den künftigen IHK-Hauptgeschäftsführer in der Firma willkommen. Christoph Schlegel, selbst Mitglied der IHK-Vollversammlung, hatte die beiden kurzfristig nach Dürmentingen eingeladen. Der 38-jährige Diplom-Politologe Max-Martin Deinhard hat am 1. Januar offiziell den Posten des IHK-Hauptgeschäftsführers übernommen. 23 Jahre lang stand sein Vorgänger Sälzle an der Spitze der Selbstverwaltungsorganisation.

Traditionsunternehmen treibt Automatisierung voran

Mit einer Präsentation stellte Christoph Schlegel das Unternehmen vor. Die Georg Schlegel GmbH & Co. KG, die 2020 ihr 75-jähriges Bestehen feiert, stellt Taster, Schalter und Not-Aus-Geräte für die Industrie und den Maschinenbau her. Aber nicht nur das: Auch in italienischen Luxusjachten, in Hochgeschwindigkeitszügen, in medizintechnischen Produkten oder in E-Autos der Hochschule Bochum finden sich Schlegel-Produkte. Die heben sich neben der Qualität vor allem durch ihr Design ab. Die Produkte finden weltweit Abnehmer, in rund 80 Ländern hat das Unternehmen Vertretungen. „Es ist überraschend, wo man überall Taster braucht“, sagte Deinhard hernach und war angesichts der Vielfalt und der Innovationskraft des Unternehmens beeindruckt. Mehr als 4000 Artikel werden am Standort Dürmentingen hergestellt. Und dies mit einer großen Fertigungstiefe: „Das Kunststoffgranulat, die Schrauben und die Federn werden zugekauft – fast alles andere machen wir selbst“, sagt Schlegel.

Dabei wird die Automation im Unternehmen immer wichtiger. Beim Rundgang durch die Fertigung wurden auch vier Automatisierungsprojekte begutachtet, die in der jüngsten Vergangenheit umgesetzt worden sind. Die Gäste aus Ulm sahen auch den neuen Prüfroboter für Not-Halt-Schalter. In einer Stunde können 500 Stück auf Drehmomente, Kräfte und Wege geprüft werden. In eineinhalb Jahren Entwicklungszeit wurde der Roboter im Hause Schlegel durch zwei junge Mitarbeiter entwickelt, konstruiert und letztlich gebaut.

Georg Schlegel kämpft gegen Fachkräftebedarf an

„Das ist ein sehr gutes Beispiel für ein Digitalisierungsprojekt in der Region“, sagte Sälzle. Der IHK sei es ein Anliegen, den Mittelstand für die Digitalisierung fit zu machen und zu gewinnen. Diese Automation ist für den vormaligen IHK-Hauptgeschäftsführer ein Vorzeigeprojekt. Er regte daher an, dass die beiden Mitarbeiter ihre Arbeit in den Lernfabriken an den Berufsschulen in Ehingen und Biberach vorstellen. Lernfabriken 4.0 sind Labore, die im Aufbau und in der Ausstattung industriellen Automatisierungslösungen gleichen und in denen Grundlagen für anwendungsnahe Prozesse erlernt werden können. Auch im „Digitalhub“, der Anlaufstelle für Digitalisierung in Riedlingen, könnte dieses Projekt präsentiert werden, so Sälzle.

Solch ein Projekt lasse sich nur umsetzen, wenn „man engagierte junge Leute hat und die Chefs dies auch zulassen“, meinte Sälzle. Und das sei im Hause Schlegel gegeben. Das Familienunternehmen lege großen Wert auf Ausbildung, auch um dem Fachkräftemangel angemessen zu begegnen. Derzeit würden 18 junge Erwachsene bei Schlegel in acht Berufen ausgebildet, teilte die Firma Georg Schlegel mit.

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