„Hier wird man innerlich gelassener“

Lesedauer: 4 Min
 Ein entspannendes Wochenende auf dem Therapiebauernhof in Burgau verbrachten Kinder und Väter unter Regie der Gemeinnützigen St
Ein entspannendes Wochenende auf dem Therapiebauernhof in Burgau verbrachten Kinder und Väter unter Regie der Gemeinnützigen St. Fidelis Jugendhilfe und der St. Elisabeth-Stiftung. (Foto: Jürgen Emmenlauer/St. Elisabeth-Stiftung)
Schwäbische Zeitung

Fröhlich und entspannt waren die Papas und Kinder, die beim „Vater-Kind-Wochenende“ des Projekts Geschwisterzeit auf dem Therapiebauernhof Kanzachhof in Burgau weilten. Die Geschwisterkinder von chronisch kranken oder geistig behinderten Geschwistern – letztere stehen aufgrund ihrer Einschränkungen meist im Mittelpunkt der Familie – sollen mal Zeit mit ihren Vätern verbringen können. Was gelingt.

Jennifer und Pierre Köhler genossen die lockere Atmosphäre inmitten der Naturidylle des Therapiebauernhofs in Burgau. Einfach mal die Seele baumeln und den Alltag hinter sich lassen – das war angesagt. Der Papa und seine zwölfjährige Tochter sind Stammgäste beim jährlichen „Vater-Kind-Wochenende“ auf dem Kanzachhof, das Teil des Projekts der Stiftung „Kinder in Not“ der Region Biberach, der St. Elisabeth-Stiftung und der Gemeinnützigen St. Fidelis Jugendhilfe ist.

„Wir sind schon seit Beginn des Projekts mit dabei. Mit den Jahren haben sich richtige Freundschaften zwischen uns Vätern gebildet, und auch unsere Kinder haben Freunde gefunden“, schwärmt Pierre Köhler, dessen andere Tochter Melanie bedingt durch einen Herzfehler und eine Muskelschwäche auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Wir freuen uns jedes Mal auf das Wochenende. Meine Jennifer genießt die Auszeit sichtlich“, sagt der Dellmensinger.

Durch die Familie Köhler ist der Kontakt mit dem Verein „Ulmer Herzkinder“ zustande gekommen, der dem Projekt „Geschwisterzeit“ nun eine Spende in Höhe von 1000 Euro zukommen ließ. Pierre Köhlers Ehefrau Ramona ist Geschäftsführerin der „Ulmer Herzkinder“.

Auch Emilia (11) und ihr Papa Reiner Keller aus Laupheim kommen seit Jahren zum „Vater-Kind-Wochenende.“ Bei den ersten Treffen sei viel über die „erkrankten“ Geschwisterkinder geredet worden, mittlerweile stehe aber das miteinander Zeit verbringen, das los lassen im Vordergrund. „Wobei der Austausch natürlich immer noch stattfindet. Wir haben ja irgendwie alle die gleichen Herausforderungen“, berichtet Reiner Keller. Andreas Schick und sein Sohn Timo (9) aus Gutenzell sind ebenfalls schon Jahre dabei. Tochter Pia (4) hat Mukoviszidose und benötigt daher mehr Zuwendung. „Hier wird man innerlich gelassener. Sobald wir angekommen sind, fällt alle Schwere von uns ab“, merkt er an.

Genau dies sei das Ziel des „Vater-Kinder-Wochenendes“ und im Gesamten auch der „Geschwisterzeit“, erläuterte Wolfgang Hönig. Der Projektmitarbeiter der Gemeinnützigen St. Fidelis Jugendhilfe mit Sitz in Heudorf am Bussen erachtet den unbeschwerten Kontakt und Austausch als wertvoll. „Diese zwei Tage lassen die Geschwisterkinder wieder durchatmen. Sie können ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern. Das stärkt auch die Vater-Kind-Beziehungen, die wegen eines kranken Kindes daheim oft zu kurz kommt. Und die Väter profitieren im Zusammensein mit den anderen Vätern“, weiß Rita Mast vom Bereich Wohnen und Begleiten der St. Elisabeth-Stiftung in Ingerkingen.

Das war beim „Vater-Kind-Wochenende“ reihum zu spüren. Beim Kanufahren am Badesee, einer Schatzsuche bei Nacht, vielen Spielen und beim Relaxen wurde deutlich, wie wertvoll diese Auszeit ist.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen