Halligalli auf dem Campingplatz

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Redakteurin SZ Riedlingen

Auf den ersten Blick ist das Festivalgelände des Festivals ohne Bands, das am Donnerstag in Hailtingen begonnen hat, ein ganz normales: Essens- und Getränkestände, Absperrungen, Dixiklos und ein mit vielen bunten Zelten gefüllter Campingplatz. Nur mit der Bühne ist etwas anders als sonst: Zwar geht laute Musik von ihr aus und sie ist mit blinkenden Lichtern dekoriert. Aber sie ist verlassen – und bleibt es auch.

„Imagine Stage“ ist auf einem Banner über der Bühne zu lesen – Bühne der Vorstellungskraft. Wer also doch eine Band auftreten sehen will, muss seine Fantasie benutzen. Tatsächlich hatte der Radiosender Das Ding am Donnerstagabend eine Band mitgebracht – Qunstwerk aus Ulm. Auf die Bühne schafften sie es zwar nicht, dafür aber auf den Campingplatz. Und der ist auch offiziell fürs Musikmachen freigegeben.

Überhaupt scheint der Campingplatz das Zentrum des Festivals zu sein. Dort feiern die Besucher und ziehen die verrückten Aktionen durch, die sie sich überlegt haben. Joschi Vogel aus Binzwangen etwa hat am Freitagmorgen vom Bauernhof seiner Familie ein frisch geschlachtetes Ferkel abgeholt und grillt es nun am Spieß im Kreise seiner Freunde. Sechs bis acht Stunden wird es dauern, bis das Fleisch gar ist.

Vom Ferkel zu „Ferkel“

Keine zehn Meter weiter hat Roman Bloching aus Ehingen sein Zelt aufgeschlagen. Als „D’r Graf vom Bussa“ ist er als DJ unterwegs. Aber er betreibt auch einen Handel für Skateboard-Bedarf, der sich „Ferkel“ nennt. Klar, dass die dazugehörigen Aufkleber irgendwie ihren Weg zu der Binzwanger Gruppe mit dem echten Ferkel finden. So läuft das bekanntermaßen auf Festivals: Man lernt sich über verrückte und lustige Zufälle kennen und hat die restliche Zeit über Spaß miteinander.

Von insgesamt 2000 Besuchern sind am Donnerstag bereits rund 1400 angereist. Das freut Veranstalter David Lüke aus Hailtingen sehr, auch wenn ihm der Stress der vergangenen Tage anzusehen ist. „Wir hatten nur mit etwa 800 Besuchern gerechnet“, sagt er. Der erste Gast, der mit seinem Auto am Einlass zum Campingplatz ankam und ein Festival-Bändchen erhielt, kam aus dem Norden Deutschlands. „Das war der schönste Moment“, schwärmt Lüke. „Es ist wirklich jemand gekommen!“ Wie gesagt, bis zum Abend wurden es dann noch rund 1400 Besucher.

Am Freitagmittag gegen 13 Uhr ergießen sich dann die ersten Regentropfen auf das Festivalgelände. Nach eineinhalb Stunden wird per Lautsprecherdurchsage vor möglichen Wetterkapriolen gewarnt: „Starkregen, Hagel, Unwetter – sichert Eure Zelte!“ Doch es dauert nicht lange und die Sonne scheint wieder.

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen mussten bisher jedoch – Stand Freitagnachmittag – vier Personen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die betreffenden Besucher waren gestürzt oder hatten Drogen konsumiert. Außerdem mussten Lüke und sein Team zwei Besuchern das Festivalbändchen abnehmen und sie des Geländes verweisen. Der eine hatte ein Auto beschädigt, der andere eine Bierbank gestohlen. „Wir als Veranstalter wollen den Besuchern viele Freiheiten gewähren“, sagt Lüke, aber er betont: „Es gibt auch Grenzen.“

Der Festivaltag zum Nachlesen

Ich finde das Festival ohne Bands...

...unbeschreiblich! Ich will gar nicht mehr auf ein anderes Festival. – Stefan Baumgarten (28) aus Gersthofen

...hat schon was. Der Stress ist auf jeden Fall weg. Aber irgendwo fehlt es auch, wenn man sich nicht auf eine Band freuen kann. – Stefan Rodi (27) aus Eichbühl.

...gut, weil hier jeder abchillen kann, der möchte, egal, ob es regnet oder die Sonne scheint. – Felix Schlienz (25) aus Unterhausen

...suuuper! – Ramona Peter (23) aus Uttenweiler.

...genial! Endlich mal keine Band verpasst. – Jens (28) aus Uttenweiler

...ist das Beste, das ich je erlebt habe. – Jenny Faust-Peter (28) aus Uttenweiler.

...lauter als alle anderen Festivals. – Marc Moser (24) aus Eberhardzell

...saugeil! – Roman Bloching (37) aus Ehingen

...wie sagt man so schön auf Schwäbisch? Scho recht. – Armin Vogel (32) aus Binzwangen

...sehr entspannt, weil man keinen Stress hat. Die Atmosphäre ist gut, weil alle voll nett sind . – Laura (18) aus Heubach

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