Brauchtumspflege statt Event

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 Als ein Höhepunkt einer gelungenen Fasnetskampagne wurde beim Konvent das Jubiläumsringtreffen in Bad Buchau hervorgehoben.
Als ein Höhepunkt einer gelungenen Fasnetskampagne wurde beim Konvent das Jubiläumsringtreffen in Bad Buchau hervorgehoben. (Foto: Archiv: Klaus Weiss)
Schwäbische Zeitung

Beim Konvent der Vereinigung Freier Oberschwäbischer Narrenzünfte (VFON) in Heudorf hat sich Präsident Reinhard Siegle erneut für einen Richtungswechsel in der „Fest- und Feierkultur“ ausgesprochen, „damit die Fasnet nicht zum Event verkommt wie bei vielen anderen.“ Qualität gehe vor Quantität. Das bleibe ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit.

Der VFON dürfe sich aber nicht nur als Brauchtumshüter verstehen, sondern auch als „Vermittler und Multiplikator denen gegenüber, die unser Brauchtum nicht verstehen und mit dem sie nichts zu tun haben wollen“. Gesellschaftlichen Veränderungen gegenüber müsse man offen bleiben – „mit dem Ziel unser Brauchtum dem Zeitgeist anzupassen und so lebendig zu erhalten“.

Das sei auch so bei der Anerkennung der schwäbisch-alemannischen Fasnet als nationales Kulturerbe von der Unesco so formuliert worden. Als „Bibel“ gelte der Normenkodex, in dem die Formalien aufgeführt sind. Verantwortlich für das Label ist die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Nachdem offensichtlich öfter nicht normengerecht verfahren wurde, habe die Unesco die Entscheidungsgewalt über Anträge von Mitgliedszünften ausschließlich auf die VSAN übertragen. „Ergebnis war – und das spüren jetzt auch unsere zwei Anträge, die sich in der Warteschleife befinden – dass die VSAN von einer Antragsflut zugeschüttet wurde“, so Siegel. Wartezeiten von über einem Jahr seien nun die Regel.

Nach neuesten Informationen müssen die Anträge künftig zur endgültigen Genehmigung an die Unesco weitergeleitet werden. Das Verfahren verzöger sich dadurch zusätzlich. Man wolle nun einen Antrag auf Bezuschussung einer Teilzeitkraft für die Bearbeitung der Anträge stellen. „Ursächlich für das Ganze ist wieder einmal der Missbrauch, der genau von denen betrieben wird, die wir eigentlich auf unserer Fasnet nicht haben wollen“, ärgerte sich Siegle.

Auf einem guten Weg sei der Verband, Verbesserungen wegen der immer strenger werdenden Vorschriften und Auflagen und Vorschriften bei Veranstaltungen herbeizuführen. Bei drei Treffen am Runden Tisch im Innenministerium wurden Themen wie Sicherheitsauflagen, Datenschutz, Brandschutz und Hygieneverordnungen besprochen. Siegel äußerte die Hoffnung, „dass bald Bewegung in die Sache kommen wird.“

Rückblickend sprach Siegle von einer „durchwegs positiven Fasnetskampagne“ – und einer der längsten überhaupt. Als Höhepunkt der vergangenen Saison nannte er die Verleihung des oberschwäbischen Fasnetspreises an Sonja Schrecklein. Um dieses Ereignis werde der Verband beneidet. Als „großartiges Wochenende“ würdigte Siegle das Jubiläumsringtreffen in Bad Buchau, das erstmals von einer Landschaft statt einer einzelnen Zunft ausgerichtet wurde: „Es war ein mehr als würdiger Start in unser 50. Jubiläumsjahr.“ Dem pflichtete auch Brauchtumsmeister Elmar Herter bei: „Was wir dieses Jahr beim Umzug gezeigt haben, war erste Klasse.“ Die Höhe der Ringlinde gab Herter mit 8,82 Meter an (plus 29 Zentimeter).

Das Ringtreffen 2023 wurde einstimmig an die Narrenzunft Gammertingen vergeben. Die nächsten Ringtreffen sind 2020 in Blaustein, 2021 gemeinsam in Daugendorf und Unlingen und 2022 in Obermarchtal Der Konvent 2020 ist in Blaustein, der Senat im selben Jahr in Ebenweiler.

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