Batman und Robin retten Hailtingen

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 Von US-Präsident Trump nach Oberschwaben verbannt, warten Batman (Holger Hermann) und Robin (Alexander Härle) auf den ersten No
Von US-Präsident Trump nach Oberschwaben verbannt, warten Batman (Holger Hermann) und Robin (Alexander Härle) auf den ersten Notfalleinsatz in Hailtingen. (Foto: Anton Munding)
Anton Munding

Der traditionelle Ha-No-Ball war auch in diesem Jahr wieder der Höhepunkt der Hailtinger Fasnet. Im rappelvollen BräuhausSaal spielte der Fasnets-Stammtisch unter dem Motto: „Helden meiner Kindheit“ ein hochkarätiges Unterhaltungsprogramm. Erst nach Mitternacht konnten die närrischen Gäste zum gemütlichen Teil übergehen.

Punkt 20.07 Uhr Ortszeit fanden sich die zwei Superhelden Batman und Robin „am Arsch der Welt“, das heißt, auf der Bühne im Hailtinger Bräuhaus, ein. Wegen ungebührlicher Bemerkungen über den US-Präsidenten hat dieser die beiden in das 406-Seelen-Dorf strafversetzt. Um hier, im tiefsten Oberschwaben, auch verstanden zu werden, inhalierten die beiden Dialektspray. Batman bekam jedoch statt Schwäbisch nur noch eine Wolke Sächsisch ab und sorgte damit für erhebliche Heiterkeit während des Abends. Den ersten Lapsus leisteten sich die beiden dann gleich bei der Begrüßung. Feuerwehr, Kriegerverein, Landjugend und sogar sämtliche Buden wurden erwähnt, fatalerweise die „Turnfrauen“ aber ausgelassen. Damit war der erste Tumult im Saal angezettelt. Die Vergessenen durften dann als Ausgleich über den Abend verteilt noch manche ihrer Anekdoten des vergangenen Jahres zu hören bekommen.

Auch über das Festival ohne Bands gab es manchen Schwank unter dem Titel „Tour de (Ge)Ländle zu berichten. Busfahrer Hubert Kesenheimer durfte auf der Backstage-Tour mit den beiden Rentnern Eva Städele und Till Otto die Festivalbrennpunkte besichtigen, aber auch verschiedene Notfall-Materialien und Menschen in Not durchs Gelände kutschieren. Gleich zum Start ein Riesenbrüller. Man durfte gespannt sein, wie das noch weitergeht.

Nun der 17-jährige Servicetechniker Christopher Witt wurde genial von einer scheinbar senilen älteren Frau um ein nagelneues Laptop geprellt. Ja und dann noch mit der über 30 Jahre alten Schreibmaschine von Senior Franz Traub, wegen des hängenden „F“ in den Wahnsinn getrieben. Das Altersimperium schlägt zurück. Die jungen Superheldinnen: Marina Reich, Madeline Eppensteiner, Julia Münst, Lara Hugger und Jessy Kohler begeisterten mit ihrer Tanzdarbietung als Supergirl, Batgirl, Catwoman und Lara Croft durch Eleganz und tolle Kostüme. Gänsehaut brachte dazu die Melodie von Falcos „Jeanny“.

Gleich zwei Episoden rankten sich danach um Hailtingens Weihnachtsbaum 2018. Bürgermeister Dietmar Holstein aus Dürmentingen war passend als Nadelbaum mit dem Spruch „Grüße aus Heudorf“ gekommen. Auch Ortsvorsteher Schlegel wurde in die Verschönerungsaktion bis zum waidgerechten Fällen von Hailtingens hässlichstem Christbaum aller Zeiten einbezogen. Zwischenzeitlich hatte Robin das Batmobil geschrottet, und so musste beim ortsansässigen Autohaus Ersatz beschafft werden.

Eine praktische, wenn auch delikate Lösung für Raucher am Pissoir hatte die Landjugendlichen zu einem deftigen Sketch verarbeitet.

Als abgelaufene Milchpackung, schmierige Lyoner, schrumpelige Tomate mit Orangenhaut und einer Hausfrau, die jetzt „no gschwend“ leckeres Essen für ein halbes Dutzend hungrige Mäuler zubereiten sollte, brachten Jessy Kohler, Marina Reich, Pamina Otto und Simone Heckenberger auch nachdenkliche Töne auf die Bühne. Ihre Songs von Blues über Rock bis zum „Dankeschönlied für Oma Rosa“ hatten Klasse und Tiefgang, der berührte. Aber mit Tränen auf den Wangen wollten die Kühlschrank-Punkerinnen ihr Publikum nicht sitzen lassen und sangen vor allem für die weiblichen Gäste: „In jeder Frau steckt ein Stück Hefe – in manchen Männern aber auch“. Das war dann nochmals ein glänzender Höhepunkt.

Mitternacht war dann schon durch, als die Regisseure Thomas Rettich und Peter Kesenheimer ihren Vorstellungsabspann machten und der Hoildenger Guggamusik Moskitos die Bühne zum Abschluss-potpourri freigaben.

Wieder einmal haben die Hailtinger gezeigt, dass auch in einer kleinen Gemeinde ohne offiziellen Narrenverein ganz tolle Fasnet gemacht werden kann. Ha-No.

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