Speicherkarte auf Island gefunden: Biberacher VW-Käfer löst große Emotionen aus

Lesedauer: 8 Min
 Die ganze Familien liebt das Kult-Auto: Josef und Margot Kohler mit Enkelin Natascha und Hündin Cora
Die ganze Familien liebt das Kult-Auto: Josef und Margot Kohler mit Enkelin Natascha und Hündin Cora (Foto: Daniel Häfele)

Wenn Josef Kohler und seine Frau Margot auf der Autobahn unterwegs sind, kann es passieren, dass ihnen wildfremde Autofahrer zuwinken. Mit ihrem babyblauen VW-Käfer (Baujahr 1968) fallen die beiden Dettinger nahezu überall auf. „Bei uns ist alles ein bisschen Käfer“, sagt der 76-Jährige. Er ist ein absoluter Liebhaber des Fahrzeugs mit Kultstatus.

Als die „Schwäbische Zeitung“ kürzlich nach dem Besitzer einer Speicherkarte suchte, half das Bild eines Hochzeitsautos vor der Biberacher Stadtpfarrkirche entscheidend mit.

Der VW-Käfer mit einem alten Koffer auf dem Heck verfügte über einen solch großen Wiedererkennungswert, dass die Redaktion zügig auf die richtige Fährte gelockt wurde. „Von vorne ist er übrigens noch schöner,“ sagte Josef Kohler über seinen Oldtimer. Davon wollte sich die SZ natürlich selbst überzeugen und suchte ein paar Tage später den Schwaben auf.

 Früher hatte Josef Kohler auch einen Wohnwagen, den er an das Auto anhängen konnte.
Früher hatte Josef Kohler auch einen Wohnwagen, den er an das Auto anhängen konnte. (Foto: Daniel Häfele)

„Eigentlich wollte ich ihn vor ein paar Jahren verkaufen“, sagt der Senior. Doch viele hätten ihm davon abgeraten, selbst seine Enkel meinten: „Opa, behalte ihn doch!“ Also entschied er sich, weiterhin mit dem 40-PS-starken Gefährt durch die Region zu kurven: „Das Herz hängt einfach an solch einem Auto.“ Warum? Das weiß er selbst nicht so genau: „Der Käfer ist einfach ein nettes Auto, der aber auch seine Macken hat.“

Kaum Reparaturen notwendig

Dennoch habe ihm das Fahrzeug in all den Jahren gute Dienste erwiesen. An Reparaturen sei nicht viel zu machen gewesen. Ölwechsel, Abschmieren oder Lampenwechsel erledigt er daheim. Eine Werkstatt habe er bislang nur wegen des TÜVs aufgesucht. Gekauft hat er den VW-Käfer mit Hilfe seines Schwagers vor 13 Jahren in Wesel (Nordrhein-Westfalen) für 3800 Euro.

 Ein Blick in den Motorraum, der sich beim VW-Käfer hinten befindet.
Ein Blick in den Motorraum, der sich beim VW-Käfer hinten befindet. (Foto: Daniel Häfele)

Nur in der Garage steht das 50 Jahre alte Auto nicht – im Gegenteil. Josef Kohler holt mit ihm zum Beispiel die Enkel von der Schule ab oder transportiert mit einem Anhänger auch mal eine Ladung Kies. Besonders zu Geltung kommt das Auto bei Oldtimertreffen, welche seine Frau und er regelmäßig besuchen. „Dort ist kein einziger VW-Käfer vertreten, wie wir ihn haben“, sagt Josef Kohler, der alles rund um den Käfer wie Fotos, Zeitungsartikel oder Miniaturmodelle sammelt. Bei Veranstaltungen in Schwäbisch Gmünd, Herbertingen, Augsburg oder im Schwarzwald waren sie unter anderem schon.

Der Kugelporsche ist nicht nur aufgrund seines babyblauen Farbtons ein Hingucker, sondern auch wegen der liebevollen Dekoration. So klemmt am Armaturenbrett eine Vase mit pinken Tulpen, an der Heckscheibe sitzen Puppen und in einem Gepäckträger auf dem Dach befinden sich ein Kinderwagen sowie ein Käfer-Bobbycar. Im Winter werden Skier und ein Christbaum aufs Dach geschnallt. Weitere Gegenstände sammelte Josef Kohler über die Jahre oder erhielt sie von Bekannten.

 Josef Kohler sammelt in seiner Garage vieles, was mit dem VK-Käfer zu tun hat.
Josef Kohler sammelt in seiner Garage vieles, was mit dem VK-Käfer zu tun hat. (Foto: Daniel Häfele)

Egal, wohin die Kohlers mit dem VW-Käfer fahren, eines ist sicher: Sie stehen im Fokus. Viele winken ihnen entgegen, manche schwenken gar mit dem Feuerzeug, weil Erinnerungen wach werden. An das erste eigene Auto, an den Urlaub in Italien oder die Wirtschaftswunderzeit. Mehr als 21,5 Millionen Käfer sind seit 1938 weltweit aus den Werkshallen gelaufen. Das endgültige Aus für den Käfer kam erst 2003, als in Mexiko der letzte Ur-Volkswagen mit dem luftgekühlten Boxer-Motor im Heck montiert wurde.

Selbst die Enkelin ist fasziniert

Doch nicht nur die ältere Generation gerät beim Anblick des Modells in Schwärmen. Die elf Jahre alte Enkelin der Kohlers, Natascha, ist ebenfalls von dem Auto ganz angetan. „Als sie noch etwas jünger war, stand sie plötzlich im Schlafanzug vor uns, weil sie unbedingt mit auf unsere Ausfahrt wollte“, schildert Margot Kohler. Eigentlich sei das so nicht geplant gewesen. Kurzerhand wurde die Enkelin mitgenommen und im angehängten Wohnwagen umgezogen. „Ich möchte einmal Automechanikerin werden“, erzählt Natascha. Das Tüftler- und Erfindergen dürfte sie dabei haben, denn der Opa schraubt nicht nur gerne am VW-Käfer, sondern fertigt beispielsweise auch in mühevoller Handarbeit Figuren aus Glas.

 Immer wieder bringen ihm Bekannte alte Gegenstände vorbei, die seinen Erfindungsgeist wecken.
Immer wieder bringen ihm Bekannte alte Gegenstände vorbei, die seinen Erfindungsgeist wecken. (Foto: Daniel Häfele)

Beruflich hatte Josef Kohler mit Autos übrigens nichts am Hut. Nach einer Ausbildung zum Maurer arbeitete er bis zu seiner Rente als Baggerfahrer. Das war nicht immer ungefährlich, so stieß er beim Ausheben einer Grube einmal auf eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. „Das war in einem Baugebiet in Blaubeuren. Ich musste die Bombe freibaggern, damit sie entschärft werden konnte“, schildert er. Währenddessen sei sogar der Zugverkehr gesperrt worden.

In Rente bleibt natürlich etwas mehr Zeit für den Käfer. Ganz wichtig ist ihm dabei, dass das Auto gepflegt ist. „Ein Gaul muss bei einer Sonntagsfahrt schon sauber sein“, witzelt er. Seine Frau kann das zeitintensive Hobby ihres Mannes zwar nicht immer ganz verstehen, teilt aber grundsätzlich seine Leidenschaft: „Das schöne an den Oldimertreffen daran ist, dass man immer wieder auf dieselben Leute trifft. “ Teilweise sind Freundschaften entstanden, man schreibt sich zu Weihnachten oder gratuliert zur Geburt der Enkel. Der Käfer „1300“ ist der sechste, den die Kohlers im Lauf ihres Lebens bereits ihr eigen nennen durften.

Im Winter bleibt er in der Garage

Nicht der VW-Käfer der Kohlers feiert mit seinen 50 Jahren heuer ein Jubiläum, sondern auch die Kohlers selbst. Im Baujahr des Käfers gaben sie sich das Ja-Wort. Im Dezember begehen sie ihre goldene Hochzeit. Der VW-Käfer wird an diesem Ehrentag voraussichtlich aber nicht zum Einsatz kommen, weil er den Winter in der Garage verbringt. Tausalz könnte das Auto rosten lassen. Und das möchten Josef Kohler verhindern, damit er mit seiner Frau noch viele weitere Jahre mit dem VW-Käfer fahren kann.

 Der Innenraum ist gut gepflegt.
Der Innenraum ist gut gepflegt. (Foto: Daniel Häfele)
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen