Den Handwerkern über die Schulter schauen

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 Der Schmied bei der Arbeit: Im Dorfmuseum Dettingen leben mehrere alte Handwerkersberufe wieder auf.
Der Schmied bei der Arbeit: Im Dorfmuseum Dettingen leben mehrere alte Handwerkersberufe wieder auf. (Foto: Hermann Hummel)

Sichelhenke, das hört sich heutzutage, da auf den Getreidefeldern wahre Ungetüme das Erntegeschehen bestimmen, eigentlich wie ein Anachronismus an. Trotzdem gelingt es dem Dettinger Dorfmuseum alle Jahre wieder, seine Besucher auf eine Zeitreise mitzunehmen und bei den Älteren Erinnerungen an oft schon vergessene landwirtschaftliche und handwerkliche Geräte zu wecken.

Auf drei Stockwerken eines ehemaligen Bauernhauses sind sie ausgestellt: alte Maschinen, Arbeitsgeräte und Hilfsmittel in der Landwirtschaft. Das Werkzeug der Illerflößer und der Krettamacher; die Werkstatteinrichtungen des Schusters, des Schreiners, Wagners, Sattlers, der Zimmerleute sowie des Schmiedes und vieles mehr. Vieles sei anlässlich des großen Jubiläums „1100 Jahre Dettingen an der Iller“ im Jahr 1976 gesammelt und erstmals ausgestellt worden, erläutert Bürgermeister Alois Ruf, der an diesem Nachmittag als Helfer in der Küche im Einsatz ist. Der dabei geweckte Wunsch, all diese Exponate beisammen zu lassen, habe dazu geführt, das zur Verfügung gestellte Haus als Museum einzurichten. 1991 ging es in den Besitz der Gemeinde über, wurde mit viel Eigenleistung der Freunde des Dorfmuseums saniert und durch zusätzliche Gebäude, unter anderem eine Schmiede und ein Backhäusle, ergänzt.

Betreut wird es seitdem von einer Gruppe von Männern und Frauen um Franz Lang. Während der Sommersaison organisieren sie die regelmäßigen Öffnungszeiten mit Führungen, bauen im jährlichen Wechsel einen Fronleichnamsaltar auf und veranstalten zum Abschluss die Sichelhenke. Bei strahlendem Oktoberwetter lockte sie auch heuer wieder zahlreiche Besucher nach Dettingen, die sich die Ausstellungsstücke mit den der jüngeren Generation oft schon nicht mehr geläufigen Namen und deren Verwendung erklären ließen. Dazu schauten sie dem Schmied, der Klöpplerin, beim Backen und Mosten zu und ließen sich von zwei Musikanten auf historischen Instrumenten unterhalten.

Einblick in die Historie

Ein besonderer Anziehungspunkt war die Dokumentation über eine Protestaktion gegen einen Senderbau. Vor 50 Jahren wollte die Bundespost für die Deutsche Welle einen Großsender im württembergischen Illertal errichten. Dagegen protestierten die Illertalgemeinden über Monate hinweg mit Schreiben an die Kreisverwaltung, an die Landespolitiker und an die Bundespost, mit Info-Veranstaltungen in den einzelnen Gemeinden, mit zahlreichen Presseartikeln und Leserbriefen.

Höhepunkt war ein Fahrzeugkorso durchs Illertal mit einer Kundgebung auf dem Dettinger Sportplatz. Letztlich eine von Erfolg gekrönte Aktion, denn die Post gab ihre Planungen auf und verwirklichte sie im bayerischen Kammlachtal. Für die „Rebellen vom Illertal“, wie man sie bezeichnete, war es eine große Genugtuung und zugleich Ermutigung, dem Jahre später drohenden Atomkraftwerk ebenso entschlossen entgegenzutreten.

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