Kulturverständnis als Schlüssel zum Erfolg

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Die aus Daugendorf stammende Sonja App hat ein Buch über virtuelle Teams geschrieben. (Foto: privat)
Bruno Jungwirth

Ein spanischer Hersteller von Gesellschaftsspielen will auf dem deutschen Markt ein Spiel einführen. Doch trifft das die deutsche Mentalität? Wann am besten einführen? Wer ist Zielgruppe? Und wie über welche Kanäle in Deutschland? Mit solchen Fragen kommt das spanische Unternehmen zu Sonja App – und sie kann helfen. Die Daugendorferin hat sich in München als Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt auf interkulturelles Management selbstständig gemacht hat. Besonders im Fokus ist die Arbeit länderübergreifender, virtueller Projektgruppen. Nun hat sie darüber ein Fachbuch geschrieben, das Anfang März erscheint: „Virtuelle Teams.“

Zwei globale Trends machen das interkulturelle Management immer wichtiger. Die Globalisierung und die „Internetisierung“. Geschäfte über Gesellschafts- und Kulturgrenzen hinweg sind heute an der Tagesordnung. Auch bei kleineren und mittleren Unternehmen.

Und gemeinsame Projekte von Mitarbeitern über Ländergrenzen hinweg über das Internet sind Gang und Gäbe. Das können Mitarbeiter eines weltweit operierenden Unternehmens sein, die virtuell über das Internet zusammenwirken oder Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten. „Rund 30 Prozent aller Angestellten arbeiten bereits in solchen virtuellen Teams“, sagt App.

Dabei hemmen nicht nur die Sprachbarrieren ein gutes Miteinander. Auch das unterschiedliche kulturelle Verständnis stört den Ablaufprozess. Sonja App hat ein einfaches Beispiel: „Die Deutschen arbeiten viel mit E-Mail. Sie stellen konkrete Fragen und erwarten konkrete Antworten.“ Und dann ärgern sie sich, wenn sie keine Antwort erhalten. Doch ihre Partner in anderen Ländern haben häufig ein anderes Verständnis: Wenn es wichtig ist, wird telefoniert.

Zeitverschiebung als Problem

Auch die Zeitverschiebung kann ein Problem sein: Wenn aufgrund der unterschiedlichen Arbeitszeit eine Besprechung für einen Teilnehmer immer abends um 21 Uhr ist, wenn für ihn längst Feierabend wäre, führt das mittelfristig zu Ärger und zu Irritationen. Auch ist es mehr als ein Fauxpas, wenn man muslimische Geschäftspartner in einen Biergarten einlädt. Das führt zu Verstimmungen, die sich auf das gemeinsame Geschäft auswirken.

Das sind nur kleine Beispiele. Aber schon die zeigen auf, wie wichtig es ist, die jeweilige Kultur zu beachten. Des Öfteren scheitern Auslandsengagements von Unternehmen an diesem Thema. Gerade bei Geschäftspartnern im europäischen Ausland glauben viele, dass es nicht nötig ist, weil einem die europäische Kultur vertraut erscheint. Während bei einem Engagement in China oder in arabischen Ländern eher mal bereits im Vorfeld die Mitarbeiter mit der anderen Kultur vertraut gemacht werden. Aber nicht immer. „Oft melden sich Unternehmen erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, sagt Sonja App Frühzeitig zu agieren wäre besser, deshalb bietet die Daugendorferin auch Kurse, Seminare und Workshops dazu an.

Sonja App hat sich vornehmlich auf Spanien und Lateinamerika spezialisiert. Am Kolping-Bildungswerk in Riedlingen hat sie spanisch gelernt, nach dem BWL-Studium eineinhalb Jahre in Madrid für eine große Unternehmensberatung gearbeitet und sich so ein Netzwerk aufgebaut. Durch die Krise in Spanien drängen die spanischen Unternehmen auf den deutschen Markt, so wie der spanische Spiele-Hersteller. Dem hilft sie übrigens bei der Markteinführung.

Das Buch: Sonja App, „Virtuelle Teams“, in der Reihe „Taschen Guide“ des Haufe-Verlags, 1. Auflage 2013, ISBN 978-3-648-03560-3.

Weitere Informationen im Netz: www.sonja-app.com

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