Zwei Komiker mit vielen Gesichtern

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Sonja Niederer

Mit Werner Zell und Jörg Weggenmann aus Mittelbiberach – auch bekannt als „Die Hauptkerle“ – hatte die Tennisabteilung des SV Burgrieden am Samstagabend zwei hochkarätige Mundart-Komiker der besonderen Art in die Rottalhalle eingeladen.

Diese sorgten mit ihrem Programm „Hendra 4“ zwei Stunden lang für ungebremstes Vergnügen beim Publikum in der gut gefüllten Halle – so manch einer wird sicher vor lauter Lachen mit Bauchmuskelkater und Tränen in den Augen nach Hause gegangen sein.

Für jede Rolle ein Kostüm

Große Bühnenaufbauten benötigen die beiden Komiker nicht. Zwei Stühle und ein Notenständer genügen. Für ihre Rollen schlüpfen die beiden in verschiedene Kostüme: Mal tragen sie Perücken oder Mützen, mal Mäntelchen oder Jäckchen über dem T-Shirt. Als Beinkleider genügen sommerliche Bermudas oder Wanderhosen. An den Füßen tragen die Slipper oder Badelatschen. Dazu kommen eine unvergleichliche Mimik, passende Gesten und in breitestem schwäbisch vorgebrachten Pointen – mehr braucht es nicht für den Kabarettabend. Die Gäste in der Rottalhalle genossen den Auftritt und feierten die Hauptkerle mit viel Beifall.

„Wenn ein Künstler die Bühne betritt, muss man nicht klatschen – aber man kann“ – mit dieser Aussage zogen die Komiker das Publikum bereits am Anfang auf ihre Seite.

In ihren verschiedenen Sketchen verarbeiten sie Szenen, die mitten aus dem Alltag gegriffen sind: darunter Probleme mit der Zustellung von Paketen, bei denen vorab online ein gewünschter Liefertermin einzutragen ist. Zur Wahl stehen aber immer nur Zeiten von 7 bis 18 Uhr, haben die Hauptkerle. „Ond wenn der Bote dann endlich klingelt, bisch grad auf em Klo.“

Sie versäumten auch nicht, deutlich zu machen, wie schwierig es ist, einen Handwerker für eine Reparatur oder einen Umbau zu bekommen. Wenn dieser dann nach einem Jahr endlich da sei, müsse vorab eine Kaution bezahlt werden, um die Baustelleneröffnung offiziell zu machen, bevor es dann wieder Monate dauere, bis diese endlich abgeschlossen sei.

Von Ehegatten und Nachbarn

Auch amüsante Einblicke ins schwäbische Eheleben gab es. Nicht begeistert war ein Ehegatte vom Wunsch seiner Gemahlin nach einem Opernbesuch. „Do isch mir a schöne Hefekultur im Weizenglas lieber“, sagt er.

Behandelt wurde auch das Wiedertreffen zweier Nachbarn, die sich schon lange nicht mehr gesehen hatten, und die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme in der heutigen Zeit. „Schreibst mir oifach a sms oder a email oder Whatsapp oder rufsch me an, wenn das nächste Mol wieder do bisch – oder kasch au oifach über dr Zaun schreia.“

Nicht fehlen durfte auch Mehmet, in dessen Rolle Jörg Weggenmann schlüpfte. Die Figur ist immer an Möglichkeiten interessiert, mit wenig Arbeit viel Geld zu verdienen, und kündigte deshalb bei seinem Boss „Sprit Pit“ alias Werner Zell, um mit einem Schleuserbus die Linie Weißrussland-Biberach zu fahren.

Vergnüglich hinterfragt wurden auch einige Erlebnisse im Lebensmitteldiscounter, wo es am Samstag keine Freitagskracher und Mittwoch- bis Donnerstagsangebote mehr gibt, weil der Marktleiter zu faul war, diese einzuräumen.

Köstlich beschrieben die zwei Komiker auch den Dialog zwischen einem Vater, bei dem zum ersten Mal der Freund der Tochter seine Aufwartung macht. Von einem Schwiegersohn in Spe, der auch noch Kevin heiße, wollte er so gar nichts wissen Doch dann stellte sich heraus, dass Kevin der Sohn von seinem Chef ist.

Ergänzt wurde die Darbietung durch Einblicke in die gebeichteten Jugendsünden zweier sich auf einem Observationseinsatz befindlichen Polizisten. Zum Mitsingen eingeladen wurde beim Protestsong „Freedom for Biber“ in Elvismanier und der Zugabe „ Bled bleibt bled, do helfet koine Pilla“. Das Publikum ließ sich gerne drauf ein und sang den Refrain lautstark mit.

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